DER SPIEGEL



ÄGYPTEN

Frei wie nie zuvor

Fatima Nabil, 35, verlas am 2. September als erste Sprecherin mit cremefarbenem Hidschab, nur das Gesicht frei, die Zwölf-Uhr-Nachrichten im Staatsfernsehen. Unter Mubarak war die Kopfbedeckung in diesen Sendungen verboten.

SPIEGEL: Wie fühlen Sie sich als erste Ansagerin mit Kopftuch?

Nabil: Ich fühle mich frei wie nie zuvor. Nach den Schikanen des alten Regimes hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass es möglich sein würde, mit einem islamischen Schleier im Allerheiligsten des Senders, dem News Room, aufzutreten. Ich freue mich, dass sich nun jeder in Ägypten ohne staatliche Restriktionen selbst entfalten kann.

SPIEGEL: Wer hat Sie zu Ihrem Auftritt ermuntert?

Nabil: Niemand. Ich habe nach der Revolution an einer Ausschreibung für Fernsehsprecherinnen teilgenommen und kam auf den ersten Platz. Ich trage den Schleier schon seit 13 Jahren, es war meine Entscheidung.

SPIEGEL: Werden Sie von der Muslimbruderschaft unterstützt?

Nabil: Weder ich noch mein Mann unterhalten Beziehungen zur Muslimbruderschaft oder anderen islamischen Gruppen. Wer den Schleier trägt, ist doch nicht automatisch Anhänger politischer Organisationen. Der Hidschab ist Ausdruck islamischer Tradition und kein politisches Aushängeschild.

SPIEGEL: Sollen künftig alle Fernsehsprecherinnen den Hidschab tragen?

Nabil: Das Tragen des Hidschab ist Teil der persönlichen Freiheit und darf nicht Gegenstand von Gesetzen und Verordnungen werden, weder im Fernsehen noch auf der Straße.


DER SPIEGEL 37/2012
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