17.09.2012

GESCHLECHTERQUOTE „Jobs für die Gatten“

Christian M. Böhnke, 36, ist Mitglied der Geschäftsleitung der Hamburger Personalberatung Hunting/Her, die Frauen in Führungspositionen vermittelt.
SPIEGEL: Die meisten Topjobs werden mit Männern besetzt. Warum vermitteln Sie ausgerechnet Frauen?
Böhnke: Frauen sind zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen geworden. Zum einen, weil Firmen mit Frauen in der Chefetage erwiesenermaßen erfolgreicher sind. Zum anderen, weil Unternehmer auf den starken politischen Druck nach mehr Frauenpartizipation und Gleichberechtigung reagieren. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, der Fachkräftemangel.
SPIEGEL: Spüren Sie direkte Auswirkungen der Frauenquoten-Diskussion?
Böhnke: Auf jeden Fall! Die Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Frauen. Die Nachfrage ist bei uns um etwa die Hälfte gestiegen.
SPIEGEL: Finden Sie genügend Bewerberinnen?
Böhnke: Momentan müssen sich eher die Firmen bewerben. Die Kandidatinnen stellen hohe Anforderungen und wählen ihre Arbeitgeber sorgfältig aus. Es gab noch nie bessere Berufschancen für gutausgebildete Frauen.
SPIEGEL: Was sind die Forderungen?
Böhnke: Ganz generell eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In den absoluten Top-Positionen ist die Familienplanung zwar meist abgeschlossen. Doch solche Frauen haben oft erfolgreiche Männer an ihrer Seite, die ihre eigenen Jobs nicht verlieren wollen. Um diese Frauen zu bekommen, bieten immer mehr Firmen gute Anstellungen auch für den Gatten an oder suchen nach einer geeigneten Stelle für ihn.
SPIEGEL: Haben Frauen nun endlich auch die Chance auf gleiche Gehälter?
Böhnke: Das Thema Frauenkarriere hat in der Wirtschaft mittlerweile einen so großen Stellenwert, dass die Anpassung von Einkommen sich mittelfristig - und zum Glück - kaum noch vermeiden lässt. Ich vermute, dass sich das Niveau aufgrund der Nachfrage schon angenähert hat. Wir selbst lehnen jeden Auftrag ab, der keine angemessene Entlohnung für Frauen vorsieht.

DER SPIEGEL 38/2012
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