17.09.2012

Methode Würth

UNTERNEHMER: Neues aus der Urzeit der Mitarbeitermotivation
Macht ihr mal eure Work-Life-Balance, ich mach lieber Kohle, wird sich der Unternehmer Reinhold Würth gedacht haben, als er eine siebenseitige Ermunterungs-Tirade an seine Vertriebsleute schrieb. Wer erst um 9.30 Uhr bei seinem ersten Kunden auftauche, rechnete er da vor, habe "120 Verkaufsminuten sinn- und nutzlos verplempert". Schließlich beginnt der Arbeitstag in der Würth-Zentrale schon um halb acht.
Andere Firmen wollen Würth kopieren. Vor allem Personalchefs sind enthusiastisch. Sie haben harte Jahre hinter sich. Seit Bordellbesuche als Bonus in Verruf geraten sind, ging es in ihrem Job nur noch um Burnout-Prophylaxe, Work-Life-Balance und andere Anglizismen für Weinerlichkeit. Endlich macht Mitarbeitermotivation wieder Spaß, jubeln sie.
Die Bundesregierung plant, die Methode auf andere Branchen zu übertragen. Republikweit werden Würth-Gedanken plakatiert: "Bitte vergessen Sie nicht, dass Sie die schönste Zeit Ihres Lebens im Beruf verbringen." "Überfordern Sie nicht die Geduld der Zentrale!" Experten sind sicher: Es wird ein Würth-Ruck durch Deutschland gehen. Bis Weihnachten sei mit der Fertigstellung von Berliner Flughafen, Elbphilharmonie und der Autobahn A 1 zu rechnen.

DER SPIEGEL 38/2012
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