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Ozonloch

Gefährliche Kälte über dem Nordpol

Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Potsdam melden Rekordkältewerte aus der Arktis. Mit Hilfe von Radiosonden ermittelten sie letzte Woche über Spitzbergen eine Temperatur von minus 94,4 Grad Celsius in knapp 23 Kilometer Höhe - den bei weitem tiefsten Wert seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor acht Jahren. Die Eiseskälte der Polarnacht ist Gift für die Ozonschicht: Jenseits von minus 80 Grad bilden sich Eis- und Salpetersäurewolken. An ihrer Oberfläche kommen chemische Reaktionen in Gang, die das aus den FCKW-Molekülen stammende Chlor freisetzen. Meteorologen der Freien Universität Berlin registrieren die ruinöse Wolkenbildung bereits seit Mitte Dezember. Das Chlor geistert zwar vorerst in wenig aktiver Form durch die hohen Luftschichten. Doch wenn die Sonneneinstrahlung im Frühjahr wieder zunimmt, entstehen aggressive Chlor-Radikale, die das Ozon verstärkt abbauen. Damit droht erneut ein gefährlicher Schwund des Strahlen-Schutzschilds auch über der Nordhalbkugel. Im letzten Frühjahr war die Ozonschicht dort in manchen Höhen zeitweilig um die Hälfte geschrumpft.


DER SPIEGEL 3/1996
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