24.09.2012

ZEITGESCHICHTEGenosse Nazi

Der SED hatten sich weit mehr ehemalige Nationalsozialisten angeschlossen als bisher bekannt. 1954 waren 27 Prozent aller Mitglieder der DDR-Regierungspartei zuvor in der NSDAP und deren Gliederungen. Das hat der Historiker Jan Foitzik herausgefunden(*). Bereits von 1946 an habe die SED demnach Ex-Nazis aufgenommen - als erste deutsche Partei nach dem Krieg. Ein Jahr später befanden die ostdeutschen Innenminister, frühere NSDAP-Mitglieder seien als "gleichberechtigte Bürger" zu behandeln. Alt-Nazis hielten auch Einzug in den DDR-Verwaltungsapparat: Noch 1954 waren 32,2 Prozent aller Angestellten im Öffentlichen Dienst der DDR ehemalige Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen.
(*) Jan Foitzik (Hg.): "Sowjetische Interessenpolitik in Deutschland 1944 - 54. Dokumente". Oldenbourg Verlag, München; 629 Seiten; 74,80 Euro.

DER SPIEGEL 39/2012
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