Schoten aus Pjöngjang
Er hat sich mit Militärs, in einem Freizeitpark und mit einer fremden Familie gezeigt, nun wendet sich Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, 28 oder vielleicht auch 29, dem Gemüse zu. Auf einem Foto, das die nordkoreanische Nachrichtenagentur verbreitete, bestaunt er rote und gelbe Paprika, exakt aufgeschichtet wie gefärbte Handgranaten. Angeblich entstand die Aufnahme in einem Institut der Hauptstadt Pjöngjang. Offenbar ist dort ein Züchtungserfolg gelungen, der allerhöchste Anerkennung verdient. Wie sind die lancierten Bilder des Herrschers zu dechiffrieren? Passen sie zu den Veränderungen, die auf den Straßen der Hauptstadt zu beobachten sind? Dort gibt es neuerdings Buden, in denen Speiseeis, getrocknete Tintenfische oder Getränke verkauft werden. Optimisten erwarten sogar eine Agrarreform, die den Bauern erlaubt, einen Teil ihrer Ernte auf eigene Rechnung zu verkaufen. Paprika ist in Korea eine der beliebtesten Gemüsesorten. Und so betrachtet, transportiert das Foto von Kim Jong Un mit den makellos glänzenden Paprikaschoten möglicherweise sogar eine verschlüsselte Botschaft der Hoffnung.
DER SPIEGEL 40/2012
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