08.04.1996

GeheimdienstWolf beim Mossad

Michail Gorbatschow habe die DDR "für ein Butterbrot an den Westen verkauft" - in diesem Urteil stimmen Israels Ex-Regierungschef Jizchak Schamir und der frühere DDR-Spionage-Chef Markus Wolf überein. Wolf, 73, traf Schamir, 80, während eines einwöchigen Israel-Besuchs. Bei Gesprächen mit Generälen der Geheimdienste Mossad und Schabak empfand sich Wolf "nicht als Feind, sondern als ehemaliger Kollege freundschaftlich aufgenommen".
Israels Botschaft in Bonn hatte Wolf ein bis zum Jahre 2005 gültiges Dauervisum gegeben. Kurz zuvor war dem einstigen Agentenchef vom US-Außenministerium ein Einreisevisum mit der Begründung verwehrt worden, er habe in seiner Amtszeit direkte Verbindungen zum internationalen Terrorismus unterhalten.
"Israel wäre das einzige Land gewesen", so Wolf zum SPIEGEL, "das zumindest einen moralischen Anspruch darauf gehabt hätte, mir wegen unserer Unterstützung der Palästinenser solche Fragen zu stellen. Doch kein Wort dazu." Im übrigen habe sein Dienst nie direkt gegen Israel agiert.
Wolf, der auf Einladung der Zeitung Maariv durch das Land reiste, fühlte sich "auch wegen meiner Familiengeschichte" nach Israel gezogen. 1934 war vom Habimah-Theater in Tel Aviv das Stück "Professor Mamlock" seines Vaters Friedrich Wolf aufgeführt worden. Der jüdische Kommunist, Arzt und Schriftsteller war zu diesem Zeitpunkt auf der Flucht vor Hitler mit seiner Familie bereits in die Sowjetunion emigriert. Wolf traf den Hauptdarsteller von damals, Schimon Finkel, der mit 90 noch auf der Bühne steht.

DER SPIEGEL 15/1996
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