03.06.1996

StasiTausendmal berührt

Der SPD-Politiker und Musikmanager Diether Dehm, von 1971 bis 1978 unter dem Decknamen "Willy" als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi geführt (SPIEGEL 18/1996), trat vergangenen Donnerstag als ehrenamtlicher Stadtrat in Frankfurt am Main zurück - ohne damit etwas gestehen zu wollen. Vielmehr will er den Beauftragten für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, verklagen, der die Dehm-Akten als "glaubwürdig" bezeichnet hatte. Die zahlreichen "Treffberichte" über Interna der hessischen SPD seien, so Dehm, ein Produkt gezielter Abschöpfung. Nie sei er wissentlich IM gewesen. Sind die unzähligen Charakterporträts von Genossen also in abgeschöpften Biertischgesprächen entstanden? Die "Zuführung" von Dehms Lebensgefährtin Christa Desoi erfolgte durch den IM "Willy", belegt die dem SPIEGEL vorliegende Stasi-Akte zu IM "Christa". Die wußte offenbar auch, mit wem sie es zu tun hatte. Der Vorlauf-IM habe "konkrete Kenntnis von der Auswertung seiner Informationen durch das Ministerium für Staatssicherheit" gehabt. Wolf Biermann, Dehms Hauptopfer, bleibt dabei, sein Ex-Manager habe ihm mehrfach seine Stasi-Tätigkeit eingestanden.

DER SPIEGEL 23/1996
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