17.06.1996

Necmettin Erbakan

heißt der starke Mann in Ankara. Bei den Parlamentswahlen im letzten Dezember hatte die Wohlfahrtspartei (Refah) des islamischen Fundamentalisten mit 21,38 Prozent die meisten Stimmen bekommen, vor der Mutterlandpartei (Anap) von Mesut Yilmaz und der Partei des Rechten Weges (DYP) der damaligen Ministerpräsidentin Tansu Çiller. Um eine Machtergreifung der Islamisten zu verhindern, bildeten auf Drängen der Militärs DYP und Anap unter Führung von Yilmaz eine Koalitionsregierung, die Anfang des Monats jedoch an der persönlichen Rivalität der beiden Parteiführer endgültig scheiterte. In der vorvergangenen Woche wurde Erbakan, der in den siebziger Jahren schon mal Vize-Premier war, von Staatspräsident Demirel mit der Regierungsbildung beauftragt. Er könnte scheitern - und dennoch gewinnen: Bei Neuwahlen dürfte die Refah ihren Stimmenvorsprung vergrößern. Erbakan, 69, studierte Maschinenbau in Istanbul und Aachen, wo er auch promovierte, und arbeitete in den fünfziger Jahren als Ingenieur bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln.

DER SPIEGEL 25/1996
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