SPIEGEL: Die protestantischen Milizen haben den im Oktober 1994 vereinbarten Waffenstillstand bisher befolgt - selbst nach IRA-Anschlägen in London und Manchester. Wie lange werden sie noch stillhalten?
Irvine: Seit die IRA wieder bombt, wird es immer schwieriger, den Kämpfern im Untergrund zu vermitteln, daß der Bürgerkrieg nicht erneut aufflammen darf. Es war schon bisher eine gewaltige Anstrengung, sie zu mäßigen. Viele sind nervös und rechnen mit weiteren IRA-Anschlägen. Doch sie dürfen sich nicht provozieren lassen. Es muß deutlich werden, daß die Katholiken den Friedensprozeß hintertreiben, nicht die Unionisten. Die protestantischen Parteien wollen eine politische Lösung.
SPIEGEL: Die jüngsten Wahlen haben gezeigt: Die katholische Bevölkerungsminderheit sehnt sich ebenso nach einer gewaltfreien Zukunft wie die protestantischen Nordiren.
Irvine: Die Menschen wollen Frieden; nicht so die IRA-Führung. Die sieben Männer der Kommandospitze entscheiden über Krieg oder Frieden, ohne auf ihre Leute Rücksicht zu nehmen.
SPIEGEL: Auch protestantische Milizenführer warnen, ihre Kämpfer könnten jederzeit wieder losschlagen.
Irvine: Wenn die IRA weiter das Blut protestantischer Zivilisten vergießt, dann kann keiner mehr die Jungs zurückhalten. Und das würde geradewegs zurück in die Hölle führen.
DER SPIEGEL 26/1996
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