Christian Görisch, 42, Sportwissenschaftler, will mit dem Hamburger Projekt Box-Out Jugendliche befrieden.
SPIEGEL: Der Junge, der am Alexanderplatz den 20-jährigen Jonny K. totgeschlagen haben soll, war Boxer. Wieso lehren Sie Schläger das Boxen?
Görisch: Wir wollen Schläger vom Schlagen abhalten. Unser Projekt vermittelt die olympischen Werte des Boxens mit klaren Regeln, Disziplin und Fair Play. Aber vor allem nutzen wir den Boxsport als Schlüssel zur Bildung.
SPIEGEL: Wie geht das?
Görisch: Wer bei uns erfolgreich sein will, muss sein Leben auf die Reihe bekommen, das heißt, an einem Schulabschluss arbeiten oder eine Ausbildung machen. Vor und nach dem Boxtraining kann bei uns jeder kostenfreie Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfeunterricht bekommen.
SPIEGEL: Und der Fall am Alexanderplatz?
Görisch: Der Täter ist nicht durchs Boxen zum Täter geworden. Man kann ja auch nicht sagen, weil er ein guter Fußballer ist, konnte er so gut zutreten. Boxen hilft, Aggressionen abzubauen und das Selbstwertgefühl zu steigern. Doch das Boxen allein kann nicht die Lösung sein. Der Sport ist ein idealer Weg, Jugendliche an Bildung heranzubringen.
SPIEGEL: Wie hilft Boxen dabei?
Görisch: Wenn wir Boxer in die Schulen gehen, hören die Jugendlichen zu. Unsere Trainer stammen oft selbst aus schwierigen Verhältnissen und verstehen die Jugendlichen.
SPIEGEL: Wie finanzieren Sie Ihr Projekt?
Görisch: Wir leben fast ausschließlich von Spenden. Die Schulen selbst können nur einen geringen Teil der Kosten beitragen.
SPIEGEL: Glauben Sie, Boxen kann Gewalt verhindern?
Görisch: Boxen allein kann Gewalt schlecht verhindern. Wir nutzen den Boxsport nur als Zugang, tatsächlich geht es um Werte und Bildung. Für mich funktioniert Gewaltprävention nur durch Integration. Integration funktioniert nur durch Bildung. Die Jugendlichen müssen langfristig begleitet werden, sonst bringt es nichts.
DER SPIEGEL 45/2012
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