22.07.1996

GESTORBENKarl Paryla

90. Jenes Einverständnis mit einer "nuancenlosen Welt", welches schon Hofmannsthals "Schwieriger" sich nicht abringen kann, hat der in Wien geborene Theatermann Karl Paryla ein Leben lang verweigert: Vor Hitler floh er 1933 aus Darmstadt ans Theater in der Josefstadt; 1938, nach dem "Anschluß" Österreichs, stieß er zum legendären Ensemble am Zürcher Schauspielhaus. Vor der Drangsal, der sein Wiener "Neues Theater in der Scala" ausgesetzt war, kapitulierte er 1956 und zog weiter nach Ost-Berlin, wo es den Schauspieler und Regisseur ebenfalls nicht lange hielt. Dem Ruf des politischen Feuerkopfs und "Unbeherrschten", wie ihn Fritz Kortner einmal nannte, blieb Paryla treu - und verzauberte zugleich als begnadeter Wortmusiker und Nestroy-Spieler, als neugierig forschender Aufklärer unter den Regisseuren des deutschsprachigen Theaters. Karl Paryla starb am 14. Juli in Wien an den Folgen eines Schlaganfalls.

DER SPIEGEL 30/1996
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