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NAHOST

Gute Entscheidung

Der israelische Schriftsteller Meir Shalev, 64, über die Anerkennung Palästinas bei den Vereinten Nationen

SPIEGEL: Was halten Sie von der Entscheidung der Uno-Vollversammlung?

Shalev: Ich gehöre wohl zu den wenigen Israelis, die diese Entscheidung gut finden. Ich hoffe, wir werden dadurch gezwungen, die Friedensverhandlungen zwischen unseren beiden Völkern wieder aufzunehmen. Das wird aber schwierig werden, wenn es überhaupt klappt. Denn beide Seiten, Israelis und Palästinenser, haben sich in den vergangenen Jahren radikalisiert. Auch deshalb sind viele Israelis vom Ausgang dieser Uno-Abstimmung nicht begeistert.

SPIEGEL: Sehen Sie seit Donnerstag trotzdem ein bisschen optimistischer in die Zukunft?

Shalev: Die Betonung liegt leider auf "ein bisschen". Das alles hätte schon vor 15 Jahren passieren müssen. Aber jeder hat nur geredet, statt etwas zu bewegen. Und mittlerweile reden wir nicht einmal mehr miteinander. Die Situation zwischen Israelis und Palästinensern ist wahrscheinlich so verfahren wie nie zuvor. Und auch nach den Wahlen in Israel im Januar ist keine Besserung zu erwarten, im Gegenteil. Es gibt viel zu viele Fanatiker, auf beiden Seiten.

SPIEGEL: Wären Sie enttäuscht gewesen, wenn Deutschland für den palästinensischen Antrag gestimmt hätte, statt sich zu enthalten?

Shalev: Nein, überhaupt nicht. Dieser Antrag ist ja nicht gegen Israel gerichtet. Die Siedlungspolitik unserer Regierung ist für mich viel antiisraelischer als dieser "Beobachterstatus" bei den Vereinten Nationen. Alles, was uns dazu bringt, neue Gespräche zu führen, ist gut. Und das sage ich nicht etwa als Anwalt der Palästinenser, sondern als Bürger Israels, im Interesse meines Landes.


DER SPIEGEL 49/2012
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