10.12.2012

HOCHSCHULEN „Freiheit der Forschung gefährdet“

Philipp Mimkes, 45, Geschäftsführer der Initiative "Coordination gegen BAYER-Gefahren", über den Einfluss der Pharmaindustrie auf Hochschulen
SPIEGEL: 2008 beschloss die Universität zu Köln, fortan bei der Forschung in den Fächern Kardiologie, Onkologie, Neurologie, Psychiatrie sowie der Augen- und Kinderheilkunde mit der Bayer AG zu kooperieren. Sie haben Klage eingereicht, um den bislang geheim gehaltenen Vertrag einsehen zu dürfen. Warum?
Mimkes: Es werden dort ganz wichtige Fragen geregelt, die die Freiheit der Forschung gefährden können. Darf die Universität mitentscheiden, woran mit dem Bayer-Geld geforscht wird? Müssen die Forschungsergebnisse vor Veröffentlichung Bayer vorgelegt werden? Und profitiert die Universität von Patenten, die aus dieser Forschung entstehen könnten?
SPIEGEL: Wegen steigender Studentenzahlen und knappen Budgets kommt doch inzwischen keine Universität mehr ohne Drittmittel aus.
Mimkes: Ja, aber in Nordrhein-Westfalen ist durch das sogenannte Hochschulfreiheitsgesetz der alten schwarz-gelben Landesregierung der Einfluss der Industrie auf die Universitäten massiv gestiegen. Ganze Forschungsbereiche werden nach ökonomischen Kriterien ausgerichtet. In Köln ist mit Richard Pott sogar der Vorsitzende des Hochschulrats in Personalunion Vorstandsmitglied der Bayer AG.
SPIEGEL: Ihre Klage hat das Verwaltungsgericht Köln abgewiesen ...
Mimkes: ... deshalb sammeln wir jetzt Spenden, um in Berufung gehen zu können. Der Landesdatenschutzbeauftragte, der für die Einhaltung des Informationsfreiheitsgesetzes zuständig ist, hat sich für die Offenlegung ausgesprochen. Ich hoffe, dass die nächste Instanz dieser Empfehlung folgen wird. Nicht durch Geheimhaltung, sondern durch Transparenz wird die Freiheit der Forschung gewährleistet.

DER SPIEGEL 50/2012
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