17.12.2012

SYRIEN

Assads Ende rückt näher

Nur vier bis sechs Stunden würde es dauern, um das syrische Arsenal an Chemiewaffen einsatzbereit zu machen, sollte Diktator Baschar al-Assad den drohenden Kollaps seines Regimes mit Massenvernichtungswaffen zu verhindern versuchen. Bis zu tausend ballistische Trägerraketen sollen vorhanden sein, die möglicherweise bereits für den Ernstfall getestet würden. Zu dieser Einschätzung gelangte der Bundesnachrichtendienst. BND-Chef Gerhard Schindler schätzte zudem die einsetzbaren Waffenbestände vergangene Woche in einer streng vertraulichen Runde von Sicherheitspolitikern auf bis zu 1000 Tonnen. Darunter sollen sich 700 Tonnen Sarin und jeweils 100 Tonnen Senf- und VX-Gas befinden, die in von Spezialeinheiten gesicherten Armeebasen mit Landepisten für Flugzeuge gelagert würden. Obwohl der Einsatz von Giftgas bereits von mehreren Feldkommandeuren der Armee eingefordert worden sei, gibt es laut BND bisher keine konkreten Vorbereitungen. Von Satelliten vor kurzem beobachtete Aktivitäten in den Lagern, die weltweit die Angst vor einem Einsatz der Chemiewaffen schürten, waren laut BND-Analyse vermutlich nur Sicherungsmaßnahmen, da nahe den Depots Angriffe durch Rebellen drohten. Die Sorge wächst jedoch, das bedrängte Regime könne am Ende doch noch zu seinen Massenvernichtungswaffen greifen. Vorige Woche hatte die Armee bereits in einem Verzweiflungsakt erstmals vier Scud-Raketen auf die Rebellenhochburg Aleppo abgefeuert - die allerdings auf einem Feld einschlugen. Inzwischen glaubt selbst Syriens wichtigster Verbündeter Russland offenbar nicht mehr, dass Assads Regime den Bürgerkrieg überstehen könnte. Die Entwicklung zeige, dass die syrische Regierung mehr und mehr die Kontrolle verliere, räumte Vize-Außenminister Michail Bogdanow vergangene Woche ein. Zum ersten Mal hat Russland damit Zweifel an einer möglichen politischen Lösung des Konflikts öffentlich gemacht - ein deutliches Signal dafür, dass Assad sich vermutlich nicht mehr lange an der Macht halten kann.


DER SPIEGEL 51/2012
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