07.01.2013

KINOZero Dark History

Der Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow ist ein grandioser Film über die Jagd nach Osama Bin Laden gelungen. Aber zeigt er auch die Wahrheit?
Irgendetwas stimmt nicht. Da ist kein Triumph und keine Erleichterung. Stattdessen Vorsicht und Misstrauen in ihrer Stimme.
Kathryn Bigelow, Regisseurin, OscarPreisträgerin, bejubelte Kriegsfilmerin: Sie klingt matt am Telefon dort am frühen Morgen im fernen Los Angeles. Anders als vereinbart will sie dieses Interview nicht allein führen. Mark Boal, ihr Drehbuchschreiber, ist ebenfalls in der Leitung. Den ersten Interviewtermin, zwei Wochen zuvor, hatte sie abgesagt.
Es waren die Tage vor Weihnachten, und von Kathryn Bigelow war gerade ein Film in die amerikanischen Kinos gekommen, "Zero Dark Thirty". Er erzählt von der jahrelangen Suche nach Osama Bin Laden, berichtet aus den Zeiten der Verunsicherung nach dem 11. September, von einem wütenden, verirrten Land und zeigt schließlich die Tötung des Qaida-Chefs in Pakistan.
Der New York Film Critic Circle hatte den Film, der in Deutschland Ende Januar herauskommt, sogleich an die Spitze seiner Bestenliste für das Jahr 2012 gesetzt. Der beste Kriegsfilm seit Spielbergs "Saving Private Ryan", schrieben manche, der beste gar seit Coppolas "Apocalypse Now", schrieben andere. Bigelow habe sogar ihren Oscar-gekrönten Irak-Film "The Hurt Locker" übertroffen.
Dann drehte sich die Stimmung. Der Film verherrliche Folter. Der Film sei Werbung für die Regierung. Der Film erzähle eine falsche Geschichte. Diese Urteile kamen nicht von Kritikern, sondern von Politikern, Geheimdienstleuten, Menschenrechtlern.
"Wir finden die Anschuldigungen grotesk", sagt Bigelow ins Telefon. "Oder, Mark?"
Kathryn Bigelow, 61 Jahre alt und einzige Regisseurin, die je den Oscar gewann, gilt seit ihrem Erfolg mit dem Film "The Hurt Locker" über ein Bombenentschärfungs-Kommando des US-Militärs im Irak als Erneuerin des Kriegsfilm-Genres. Tatsächlich fängt momentan niemand das Wesen moderner Kriege so präzise ein wie sie, ausgerechnet eine Frau, mit ihrem sanften, unnachgiebigen Neorealismus. Mark Boal, 39 Jahre alt und ehemaliger Kriegsreporter, ist Bigelows Drehbuchschreiber und kongenialer Partner. Während des Gesprächs fallen sie sich gegenseitig ins Wort, beenden die Sätze des jeweils anderen.
Boal sagt: "Ja, Kathryn. Es gibt von verschiedenen Seiten eine politische Anstrengung, die Geschichte von der Tötung Bin Ladens in ihrem Sinne zu frisieren."
So ist ausgerechnet über jenes so lange herbeigesehnte Ereignis, das der geschundenen Nation zehn Jahre nach dem 11. September endlich Frieden bringen sollte, ein Streit entstanden, in dem Bush-Leute gegen Obama-Leute kämpfen, Geheimdienstler gegen Militärs, Experten gegen Journalisten. Zwei Bücher sind erschienen, beide von Kriegsreporter-Schwergewichten. Peter Bergen, der Bin Laden für CNN 1997 interviewt hatte, veröffentlichte im Herbst "Manhunt". Mark Bowden, berühmt für sein Buch "Black Hawk Down", brachte kurz darauf "The Finish" heraus - und je mehr über die Jagd nach dem Qaida-Führer bekanntwird, desto uneindeutiger und trostloser scheint dieser Sieg zu werden.
Bisher war diese Geschichte eine Heldenerzählung, die Geschichte einer langverdienten Genugtuung. Auch Bigelow und Boal erzählen in "Zero Dark Thirty" von sich aufopfernden Helden, aber sie sind gebrochen und krumm und voller Konflikte. Vor allem erzählen sie von einer unauflösbaren Ambivalenz, von der Unmöglichkeit, ein moralisches Urteil zu fällen und nicht in der nächsten Sekunde zu denken, dass es falsch war.
Wie lebt es sich in einer Welt, in der es kein Richtig und kein Falsch mehr gibt? Mit dieser Frage beginnt der Film: Eine "Black Site" der CIA irgendwo in Jordanien, ein Geheimgefängnis, Gefangene ohne Rechtsbeistand, auf unbestimmt verschollen. Wir sind im Jahr 2003, die Bush-Regierung hatte die sogenannten Enhanced Interrogation Techniques autorisiert, auf Deutsch: Folter.
Da ist Dan, ein CIA-Mann, Mitte dreißig, Special-Forces-Vollbart, ein sympathischer Typ, der in den Verhörpausen zum Rauchen geht und plaudert. Und da hängt Ammar an einer Kette, ein Qaida-Gefangener, ausgezehrt, blutunterlaufene Augen, ein Elend von einem Menschen, längst angekommen in der Grauzone zwischen Leben und Tod.
Dan zieht Ammar aus, Dan sperrt ihn nackt in eine Holzbox, Dan hängt ihn an der Kette auf, Dan schlägt ihn, Dan unterzieht ihn einem Waterboarding. So hat man das im Film noch nicht gesehen. Es ist ein Ringen, zwei Menschen in einem sinnlosen Kampf, ein Hin und Her von fast unerträglich anzusehender Gewalt, von Lügen und Ungewissheiten. Man sieht dieser Gewalt an, dass sie Dan genauso beschädigt wie den Gefangenen. Und man spürt, dass diese Bilder nicht erfunden sind.
Dans Anstrengungen scheinen sinnlos. Informationen über einen geplanten Anschlag in Saudi-Arabien, die er aus Ammar herausfoltert, erweisen sich als falsch, der Anschlag findet statt, 22 Tote.
Irgendwann im Film bekommt Dan von Ammar einen Namen. Abu Ahmed al-Kuwaiti, Bin Ladens Kurier. Es ist dieser Name, der acht Jahre später zu Osama Bin Ladens Versteck führt.
"Zero Dark Thirty" erzählt, wie die CIA den echten Namen ermittelt, wie die dazugehörige Person gefunden wird, wie es schließlich gelingt, sie zu überwachen, ihr nach Abbottabad zu folgen; wie dann aus einer Unsicherheit eine relative Sicherheit wird, dass UBL, wie Bin Laden in Sicherheitskreisen nur genannt wurde, in dieser merkwürdigen Festung in Abbottabad lebt; wie sich eine Eliteeinheit bereitmacht und schließlich nachts um halb eins - Zero Dark Thirty im US-Militärsprech - das Anwesen stürmt.
Begonnen hatte der Film mit einer schwarzen Leinwand. Zu hören waren die Notrufe der Menschen am 11. September im World Trade Center. So setzt der Film seinen moralischen Ton: Hier wird es nicht um nüchterne Geheimdienstarbeit gehen, nicht nur um die Vereitlung neuer Anschläge. Hier steht vor allem ein menschliches Empfinden im Mittelpunkt, das ziemlich mickrig ist: Rache.
Das alles ist so großartig gefilmt und inszeniert, dass man fast vergisst, was Dan uns gerade in seiner Black Site beigebracht hat: Ohne die von uns Aufgeklärten verurteilte Folter, ohne Dans teuflisches Handwerk, wäre Bin Laden wahrscheinlich nie gefunden worden.
Die Verteidiger der "erweiterten Verhörtechniken", ehemalige Mitglieder der Bush-Regierung etwa, triumphieren. Sie glauben, der Film gebe ihnen und ihren Verhörmethoden recht, die Präsident Obama sofort für illegal erklärt hat.
Kathryn Bigelow und Mark Boal, am Telefon in Los Angeles, sind empört über diese Vereinnahmung ihres Films: "Der Film", sagt Bigelow, "macht doch deutlich, dass diese speziellen Techniken auch fehlschlagen. Wir sehen, dass der Anschlag in Saudi-Arabien trotz Folter nicht verhindert werden kann. Und erst später, als Dan dem Gefangenen Hummus, Tee und eine Zigarette reicht, gibt dieser den Namen preis, der irgendwann auf die Spur von Bin Laden führt. Der Film sagt keineswegs, dass die Folterverhöre der entscheidende Schritt waren."
Während Bigelow dies sagt, keucht Mark Boal schwer ins Telefon. Man hat Angst, dass er gleich auflegt. Er spürt wohl, dass sein Werk in Gefahr ist, dem er die vergangenen Jahre seines Leben gewidmet hat. Er sagt, er sei krank vor Erschöpfung. Wie großartig die Filmkritiker den Film auch immer finden mögen - Boal weiß, es wird keine Rolle mehr spielen, wenn "Zero Dark Thirty" faktisch, moralisch und politisch zerstört ist.
Boal hat jahrelang, schon vor der Tötung Bin Ladens, über die Suche nach ihm recherchiert. Er hat sich Quellen im amerikanischen Sicherheitsapparat aufgebaut, bei der CIA, beim Militär. Er hat sich konspirativ mit Mitgliedern von Spezialkommandos an Tankstellen in Virginia getroffen und CIA-Analysten so lange bearbeitet, bis sie mit ihm redeten.
Im April 2011, wenige Wochen vor dem Einsatz in Abbottabad, hatte Boal ein Drehbuch für Bigelow nahezu fertig: die Geschichte der Flucht Bin Ladens aus den Tora-Bora-Bergen im Dezember 2001 und die anschließende vergebliche Suche nach ihm, ein Film über Amerikas Scheitern.
Als in der Nacht zum 2. Mai 2011 die Navy Seals Bin Ladens Anwesen in Abbottabad stürmten, haben die Menschen in den USA auf den Straßen getanzt, Boal aber musste sein Drehbuch wegschmeißen. Er begann ein neues Buch zu schreiben, ging zurück zu seinen Quellen, fand neue Informanten, die über die Arbeit der Bin-Laden-Task-Force aus erster Hand berichten konnten, und hatte nach weniger als sechs Monaten das Drehbuch zu "Zero Dark Thirty" fertig. Bigelow und Boal mussten schnell sein. Die Bücher von Peter Bergen und Mark Bowden waren schon unterwegs. Und trotzdem sollte jede Faktenbehauptung stimmen, ein "journalistischer Spielfilm", wie Boal sagt. Oder: "Based on firsthand accounts of actual events", wie zu Beginn des Films eingeblendet wird.
Und nun, nach all dieser Mühsal, nachdem es gelungen war, die Ereignisse aus zehn Jahren in einen zweieinhalbstündigen Film zu komprimieren - nun soll er die Folter rehabilitiert haben? Schlimmer noch: Es soll alles historisch falsch sein, weil der Name des Kuriers Abu Ahmed al-Kuwaiti, anders als in dem Film dargestellt, nie in einem Folterverhör gefallen ist?
Am Telefon spricht Boal betont gelangweilt, er macht immer wieder Pausen, die so lang sind, als hätte er mitten im Satz aufgelegt: "Diese Verhöre haben stattgefunden. Sie prägten den Geist dieser Zeit nach dem 11. September. Es war unsere Pflicht, dies in dem Film zu zeigen. Wie immer auch unsere eigenen moralischen Überlegungen dazu ausfallen. Wir zeigen die Folterverhöre als das moralische Dilemma, das sie waren."
Dieses Dilemma zeigt sich in einer kleinen Szene im Film. Im Fernsehen sieht man Barack Obamas Antrittsrede. Er will Guantanamo schließen und Folter verbieten. Amerika wird von neuem Optimismus erfasst, aber bei Dan in irgendeiner gottlosen Black Site der CIA kommt davon nur an, dass es jetzt wohl besser Zeit ist zu gehen. Er rät seiner jungen Kollegin: "Sieh zu, dass du hier rauskommst. Du willst nicht die Letzte sein, die hier noch mit einem Hundehalsband in der Hand steht, wenn die interne Aufsicht anrückt." Keine Hundehalsbänder, keine "Enhanced Interrogation" mehr - doch Bin Laden wurde trotzdem gefunden, ausgerechnet von der Obama-Regierung, eine Tatsache, mit der die Konservativen bis heute nicht zurechtkommen.
Schon Tage nach der Tötung Bin Ladens schrieb der ehemalige Bush-Justizminister Michael Mukasey im "Wall Street Journal" den Bin-Laden-Fahndungserfolg der Bush-Regierung zu, indem er behauptete, der Architekt des 11. September, Chalid Scheich Mohammed - von den Amerikanern immer nur KSM genannt -, habe als Erster den Namen des Kuriers Abu Ahmed al-Kuwaiti genannt. KSM, 2003 in Pakistan gefasst und bis heute in Guantanamo, sei "gebrochen wie ein Damm" unter den CIA-Verhörtechniken, tönte Mukasey.
Später kam durch ein Memo des US-Justizministeriums heraus, dass KSM tatsächlich unvorstellbare 183-mal dem Waterboarding ausgesetzt wurde, die meiste Zeit in einer Black Site in Polen. Allerdings ist er nicht "gebrochen wie ein Damm". Im Gegenteil, KSM war so zäh, dass die "erweiterten Verhörtechniken" bei ihm, so berichten es Insider, darunter der ehemalige CIA-Direktor Leon Panetta, eben gerade nichts oder nur irreführende Informationen über den Kurier zutage gefördert hätten.
Panetta, der zur Zeit der Ergreifung Bin Ladens amtierender CIA-Direktor war, schrieb in einem Brief an den Senator John McCain, dass "manche Gefangene, die nützliche Informationen über die Rolle des Kuriers gegeben haben, auch den Enhanced Interrogation Techniques ausgesetzt wurden". Allerdings sei es diskussionswürdig und letztlich nicht zu klären, ob diese Techniken der einzig effektive Weg gewesen seien, um an die Informationen zu gelangen.
Damit läge Panetta, der es wissen muss, ziemlich nahe an der Version von Boal und "Zero Dark Thirty": Ja, Folter spielte eine Rolle, aber nicht die entscheidende. Das ist ein Befund, mit dem Amerika möglicherweise leben könnte.
Die Wahrheit kennen nur wenige Beteiligte. Möglicherweise steht sie in einem 6000 Seiten schweren Senatsbericht zum Verhörprogramm der CIA, der dem Geheimdienstausschuss seit Mitte Dezember vorliegt. Nach der Lektüre schrieben drei Senatoren einen offenen Brief an den Chef von Sony, dem Studio, das "Zero Dark Thirty" herausgebracht hat.
"Zero Dark Thirty" sei in der Darstellung der Bedeutung von Folter für die Bin-Laden-Jagd "faktisch inkorrekt", Millionen Kinogänger würden in die Irre geführt. In Wirklichkeit, so stehe es in dem Bericht, habe die CIA zum ersten Mal von der Existenz des Bin-Laden-Kuriers nicht durch harsche Gefangenenverhöre erfahren. Und völlig lakonisch schreiben die Senatoren auch: "Der Gefangene, der die wertvollsten Informationen über den Kurier geliefert hat, tat dies, bevor er gefoltert wurde."
Nachdem der Brief der Senatoren erschienen war, war Mark Boal ein zweites Mal am Telefon. Er klang nicht mehr genervt, sondern zutiefst besorgt. "Wer weiß schon, was in diesem Bericht steht? Ich weiß es nicht, Sie wissen es nicht. Ich vertraue meinen Quellen, sie waren unmittelbar beteiligt."
Damit stellt sich eine noch heiklere Frage: Ist es denkbar, dass Boals Informanten die Rolle von Folter wichtiger erscheinen ließen, als sie war, damit der Film ihre Verhörmethoden rechtfertige?
Genauso kann man allerdings fragen, wie verlässlich der Senatsreport ist. Er basiert nur auf Dokumenten, und Peter Bergen und Mark Bowden kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie Boal. Und sie alle haben mit Beteiligten gesprochen.
Wie Boal mit seinen Informanten kommuniziert hat, kann man inzwischen in den E-Mails nachlesen, die sich die Filmemacher mit Angehörigen des Pentagons und der CIA geschrieben haben. Diese E-Mails mussten veröffentlicht werden, weil gegen den im Pentagon für die Geheimdienstkoordination zuständigen Staatssekretär Michael Vickers, selbst ehemaliger CIA-Paramilitär, eine Untersuchung eingeleitet wurde. Er habe vertrauliche Informationen an die Filmemacher weitergeleitet, so der Verdacht, unter anderem Klarnamen von CIA-Analysten.
Vor allem geht es um den Klarnamen einer Agentin. Offenbar war es eine Frau, die die Bin-Laden-Operation vorangetrieben hat. Im Film heißt sie Maya, eine "Targeterin" mit leicht geistesabwesend bestürztem Blick, überzeugend besessen gespielt von Jessica Chastain.
Auch bei Peter Bergen ist zu lesen, dass die Bin-Laden-Unit überwiegend mit Frauen besetzt war, was innerhalb der CIA, wo Frauen, wie ein Veteran der Agency zugab, "entweder supertough oder Sextoys waren", oft zu Irritationen führte. Michael Scheuer, der Gründer der Bin-Laden-Unit, sagte zu Bergen: "Frauen scheinen eine herausragende Fertigkeit mit Details zu haben, Muster zu erkennen, Beziehungen zu verstehen. Und, ehrlich gesagt, verbringen sie weniger Zeit damit, zum Rauchen vor die Tür zu gehen und Kriegsgeschichten auszutauschen."
Und während in der US-Serie "Homeland" die Schauspielerin Claire Danes als manisch depressive, aber herausragende CIA-Analystin Carrie Mathison dank ihrer Hypersensibilität als Einzige nicht ständig danebenliegt, antwortet Maya in "Zero Dark Thirty" dem CIA-Direktor Leon Panetta auf die Frage, wer sie denn eigentlich sei, mit eisiger Stimme: "I'm the motherfucker who found that place."
Sensibilität, sechster Sinn, Zweifel und Verunsicherung - es sind jene weiblichen Eigenschaften, die Männer oft anstrengend finden, die aber Analystinnen wie Maya oder Carrie offenbar in die Lage versetzen, schärfer zu denken als Männer.
Es sind diese Eigenschaften, die auch diesen Film ausmachen. Er zeigt die Wut und die Versagensangst der Agenten, ihre Anspannung, wenn sie sich unterhalten, Verzweiflung über Vorgesetzte, Bombenanschläge, die sie vielleicht hätten verhindern können, ihre Atemlosigkeit im pakistanischen Straßengewühl, und am Ende, eine halbe Stunde lang, die Kommandoaktion, die vielleicht am meisten überrascht: kein Geschrei, kein Türen-Eingetrete, kein Geballer. Kontemplativ und still vollzieht sich ein gnadenloser Gewaltakt in fast vollkommener Finsternis, gerade nur erhellt vom wabernden Grün der Nachtsichtgeräte, die Bigelow vor die Kamera hat schnallen lassen.
Ob er Angst habe, dass all dies unter der Debatte zerbrösle, frage ich Boal, bevor wir auflegen. Schweigen. Dann Boal: "Was glauben Sie?" Schweigen.
Das Problem von "Zero Dark Thirty" ist, dass er die Autorität des Faktischen und die Freiheit des Fiktionalen gleichzeitig für sich beansprucht. Einen "journalistischen Spielfilm", wie Boal ihn fordert, gibt es nicht. Künstlerisch schadet diese Debatte dem Film nicht. Aber der Anspruch auf absolute Faktentreue ist unnötig und bei einer so jungen Geheimoperation nicht einzulösen.
Zum Abschied sagt Boal: "Vielleicht nicht nächste Woche, vielleicht nicht nächsten Monat, aber wenn ein bisschen Zeit vergeht, wird man sehen, dass der Film mehr richtig als falsch ist." Ihm und Kathryn Bigelow wäre das zu wünschen. Amerika nicht.
Von Philipp Oehmke

DER SPIEGEL 2/2013
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