14.01.2013

Taugt das Auto noch für die große Pose, Herr Hossiep?

Rüdiger Hossiep, 53, ist Wirtschaftspsychologe und erforscht an der Ruhr-Universität Bochum die Liebe der Deutschen zum Automobil.
SPIEGEL: Die meisten deutschen Autobauer verkauften im Inland voriges Jahr weniger Autos als im Vorjahr. Porsche dagegen machte 9,8 Prozent Zulassungsplus. Wer kauft Porsche?
Hossiep: Betagte Herren, die zeigen wollen, dass sie noch offensiv sind und sich auch horrende Unterhaltskosten leisten können. Der Porsche-Fahrer legt kaum Strecken zurück, er flitzt mit dem 911er um den Block - oder mit dem Cayenne zum Wochenendhaus.
SPIEGEL: Ihm lasten Klischees an: Er ist Mitte fünfzig, Zahnarzt und geschieden. Stimmt das?
Hossiep: Klischees bilden immer auch die Wirklichkeit ab. In der Anekdote ist der Porsche-Fahrer einer, der eine Luxusmarke kaufen will, aber andere Namen, wie Lamborghini, nicht aussprechen kann. Zudem ist Porsche ein grundsolides Produkt, das ewig hält.
SPIEGEL: Wie erklären Sie sich die steigenden Zulassungen?
Hossiep: Eine Generation von Leuten, die vielfach keine Kinder haben, kommt ins Porsche-Alter und möchte ihr Geld risikoarm anlegen.
SPIEGEL: Und die Karrierefrauen?
Hossiep: Auch sie wollen zeigen, was sie erreicht haben. Sie brauchen oft kein Familienauto, weil sie keine Familie haben. Sie kaufen einen Boxster.
SPIEGEL: Taugt das Auto noch für die große Pose?
Hossiep: Der Nachbar soll ein bisschen neidisch sein. Aber wer richtig angeben will, kauft einen Ferrari.
SPIEGEL: Was schätzt der Porsche-Fahrer an seinem Auto?
Hossiep: Porsche hat viele Besonderheiten aus dem Rennsport erhalten. Der Startknopf sitzt links vom Lenkrad, das spart eine Sekunde beim Start. Auch Weiß als Farbe ist gefragt. Traditionell waren deutsche Rennwagen weiß.
SPIEGEL: Welches Auto fahren Sie?
Hossiep: Für die täglichen Fahrten einen alten Saab. Die Marke steht für ein durchdachtes Konzept des Andersseins.

DER SPIEGEL 3/2013
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