28.01.2013

BRASILIEN„Der Rest vom Paradies“

Mitten im Amazonasgebiet bauen 18 000 Arbeiter einen gigantischen Staudamm, der den Energiehunger der neuen Wirtschaftsmacht stillen soll. Die Indianerstämme lassen sich mit hohen Entschädigungen ruhigstellen. Von Jonathan Stock
Sie suchen nach totem Fleisch, durchwühlen den Abfall, kommen aus dem Wald, leben von der Stadt. Urubus heißen sie hier im Norden Brasiliens: Rabengeier, schwarze Vögel mit gekrümmten Schnäbeln, Köpfen wie Echsen. Unglücksvögel, sagen die Alten. Tausende sind es, so viele wie nie in der Stadt. Aus der Ferne schwärzen sie den Himmel. In der Nähe verstört ihre Stille. Nur manchmal kriecht ein Laut aus ihrem Hals, Rabengeiern fehlt der Stimmkopf.
"Die Urubus", sagt Bischof Erwin Kräutler, "sind das unmissverständliche Zeichen, dass die Stadt im Chaos liegt." Der Österreicher ist Bischof einer der größten Prälaturen der Welt, größer als Deutschland. Er spricht vom Chaos, spricht in jede Kamera, er spricht laut - zu laut für die Großgrundbesitzer, für die Konzerne, für die Regierung. Umgerechnet fast 400 000 Euro haben seine Feinde auf den Kopf des Bischofs ausgesetzt, selbst in der größten Zeitung Nordbrasiliens stand, dass es an der Zeit sei, ihn zu "eliminieren".
Bischof Kräutler ist jetzt 73 Jahre alt. Seit fast 50 Jahren lebt er in Altamira, am Rande des Regenwalds, mitten im Amazonasgebiet. Seit 30 Jahren kämpft er gegen den Bau des Staudamms direkt neben der Stadt, an dem doch viele gut verdienen. Er und seine Freunde aus Umweltschutzorganisationen beraten die Opfer, verklagen Behörden, planen Kundgebungen. Er sprach mit Staatsanwälten, dem Obersten Bundesgerichtshof, zweimal mit dem Präsidenten, wurde mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Geholfen hat das wenig.
300 000 Menschen sollen bald in Altamira leben, vor kurzem waren es erst 100 000. Die Bauherren nennen den Staudamm Belo Monte, den "schönen Berg"; die Feinde nennen ihn Belo Monte de Merda, "schöner Berg aus Scheiße". Der Damm zieht die Arbeiter an, die Stadt wächst, die Müllhalden wachsen, das lockt die Rabengeier aus dem Dschungel.
Kräutlers Kampf ist ein Kampf gegen die größte Baustelle im größten Regenwald der Erde. Ab 2015 soll sich die erste von 24 Turbinen drehen. So viel elektrische Leistung wie elf Atomkraftwerke sollen sie ab 2019 erzeugen können. Dafür bewegen 18 000 Arbeiter mehr Erde als beim Bau des Panamakanals. Sie erschaffen einen Stausee, größer als der Bodensee, türmen den drittgrößten Staudamm der Welt auf, der zugleich ein Symbol sein soll für Brasiliens Motto "Ordem e Progresso", Ordnung und Fortschritt.
"Wenn ihr nun sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung", zitiert dagegen Kräutler Matthäus, Kapitel 24, Vers 15. Er sagt, es werde ein toter, fauler See entstehen, der Damm sei das Ende für seinen Fluss, den Rio Xingu, den großen Nebenfluss des Amazonas, der direkt am Bischofssitz vorbeiströmt. Das Denguefieber werde sich ausbreiten, der Fluss vor dem Damm werde die Stadt überfluten. 40 000 Menschen müsse die Regierung umsiedeln, mindestens, gerade die Ärmsten, die am Wasser wohnen.
Und die Indianer in der Flussschleife hinter dem Damm werden auf dem Trockenen sitzen, sie werden keinen Fisch mehr fangen und ihr Land verlassen müssen. "Der letzte Rest vom Paradies" sei dies noch, sagt Kräutler.
Er ist sicher: Gegen all ihre Versprechungen werde die Regierung noch weitere Staudämme in den Fluss setzen, um den Strom zu produzieren, den sie braucht, für die Industrie, für das Wirtschaftswachstum des ganzen Landes. Bis 2020 soll der Stromverbrauch Brasiliens um mehr als die Hälfte ansteigen, Belo Monte soll dann ein Zehntel des Energiebedarfs decken, für ein Land, fast so groß wie Europa. Fast elf Milliarden Euro soll der Damm kosten. Was ist dagegen eine Flussschleife, was sind dagegen ein paar hundert Indianer?
Der Damm ist das umstrittenste Projekt Brasiliens. Jeder im Land hat eine Meinung zu Belo Monte - spätestens seit ihn einige Schauspieler der Telenovelas kritisiert haben, die Brasilianer so lieben. Es mutet wie eine einfache Geschichte an: auf der einen Seite das Baukonsortium Norte Energia, korrupte Beamte der Regierung, das Energieministerium. Auf der anderen Seite die Ureinwohner, der Regenwald, Hunderttausende Schildkröten. Ein alter Krieg, Gut gegen Böse, wie im Film "Avatar" von James Cameron, in dem Eingeborene Pfeile auf die Bulldozer der Großkonzerne schießen.
Als Regisseur Cameron im Frühjahr 2010 hierherkam, weil er meinte, sein Film sei auf einmal wahr geworden, flog er in einer Propellermaschine in das Amazonasgebiet und ließ sich in einem Motorboot die Flussschleife hinauffahren. Er sprach vor einer Versammlung von mehreren indigenen Stämmen, auch der Kazike Giliard Juruna, eine Art Stammesoberhaupt, war dabei, er kannte Cameron aus dem Fernsehen und war stolz auf den Besuch. Cameron sagte: "Ihr habt schon den größten Reichtum in der Welt." Er zeigte auf den Fluss und sagte: "Ihr habt Fische." Er zeigte auf den Wald und sagte: "Ihr habt den Wald." So erklärte er den Einheimischen ihre Welt. Er sagte auch: "Ihr habt einen Reichtum, den meine Welt nicht versteht." Dann fuhr er zurück in die Stadt und spendete eine halbe Million Dollar.
Es ist eine Nachricht wie sein Film: Die Indianer sind Heilige, aber zum Überleben brauchen sie einen Weißen, so wie den Ex-Marine Jake Sully in "Avatar". Man fragt sich, wie genau dieser Besuch Cameron verändert hat und was er mit dem Reichtum meint, den unsere Welt nicht verstehe. Cameron erinnert ein wenig an den Musiker Sting, der einst für die Indianer im Amazonas auf der Bühne sang und nach einem Flug mit der Concorde nach New York sagte, dass es doch ziemlich geil sei, mit doppelter Schallgeschwindigkeit zu fliegen.
Der Sprecher des Dorfes, der Kazike Giliard, ist der Sohn des besten Fischers in Moratu, Kind des Flusses Xingu, wie er sagt, und Urenkel des letzten großen Schamanen, der, so wird erzählt, noch durch seinen Atem töten konnte. Er lebt in der Flussschleife hinter dem Damm, er kommt aus Kräutlers Paradies.
Gerade hat er ein großes Stück Rindfleisch in der Stadt eingekauft, zwei Päckchen "Derby Azul"-Zigaretten und eine "Tiger Head"-Taschenlampe, made in China, mit Ersatzbatterien. Er setzt sich den Helm auf den Kopf, auf seinem T-Shirt steht: "Championship - Living your Lifestyle". Der Kazike steigt auf seine Honda und sagt, bevor er die Kupplung zieht: "Die Polizeikontrollen müssen wir umfahren, ich habe keinen Führerschein."
Er fährt hinaus aus Altamira, vorbei an den Feldern, wo Investoren bald neue Supermärkte bauen werden, vorbei an den Arbeiterunterkünften, in denen auch Leute aus Nachbarstämmen schlafen, die nichts dabei finden, am Damm zu arbeiten. Er fährt immer weiter in den Urwald hinein, der Abendnebel steigt empor. Jupiter ist aufgegangen. Die Bäume brennen noch nicht.
Erst morgen werden sie wieder brennen, angesteckt von den Landbesitzern, die Raum brauchen für ihre Rinder. Um nach Hause zu kommen, muss Giliard den ausgebaggerten Kanal überqueren, den sie hier bauen, zwischen dem geplanten Staudamm und dem geplanten Kraftwerk, Tag und Nacht.
Auf der einen Seite schütten sie seinen Fluss zu, der bald nur noch so viel Wasser führen soll wie sonst zur Trockenzeit, in dem der Fisch verdirbt und das Wasser verdreckt. Auf der anderen Seite sprengen sie sich zweimal am Tag durch das Gestein, um Löcher für Turbinen zu schaffen, groß wie Häuser.
Deutsche Unternehmen werden für eine knappe halbe Milliarde Euro vier dieser Turbinen liefern, dazu Generatoren, alle Transformatoren, die komplette Automatisierung. Es ist ein Konsortium um die Firmen Siemens und Voith. Mercedes liefert die Lastwagen, die Münchener Rück versichert einen Teil des Projekts. Auch Deutschland braucht das Aluminium, das Brasilien exportiert und dessen Produktion so energieintensiv ist.
Erst spät in der Nacht ist Giliard in seinem Dorf, am Ende des Waldes, zwölf Häuser unter dem Sternenhimmel. Er stellt sein Motorrad ab, dann geht er in den Fluss, ganz sachte, als ob er Angst hätte, den Spiegel des Wassers zu zerbrechen. Der Fluss ist so breit, dass sich der Blick im Dunkeln verliert: ein Strom, mit deutschen Maßstäben schwer zu fassen.
Der Generator läuft. Der Kazike begrüßt die Kinder und schaltet den Fernseher an. Er blickt auf die Reichen in den Telenovelas, die ihr Leben vertrödeln, immerzu, ohne arbeiten zu müssen. Was er denkt, wenn er diesen Kanal quert, der seinen Wald zerschneidet? "Ich schäme mich, dass wir es zulassen konnten."
Am nächsten Morgen arbeitet Giliard. Sein Werkzeug ist eine schwedische Hartholz-Kettensäge, eine Husqvarna mit Antivibrationssystem und 9300 Motorumdrehungen pro Minute. Den Baum, auf dem er barfuß steht, nennen sie hier Castanheira, es ist ein Paranussbaum. Er steht auf der internationalen Roten Liste gefährdeter Arten und ist einer der größten Bäume am Amazonas, er ist eine Schönheit, weit über hundert Jahre alt. Giliard wird diesen Baum zu Brettern zersägen.
Das Holz bringt viel Geld auf dem Markt, aber er wolle daraus ein Haus bauen, sagt er. Er markiert die Schnittlinie auf dem hellen Holz mit Altöl und Schlagschnur, er spannt die Sägekette, gibt Vollgas. Später, als es wieder still wird und die Vögel eingeschüchtert schweigen, als die Lichtung nach Benzin riecht, trinkt Giliard erschöpft Wasser aus einem blauen Plastikkanister. Glaubt er eigentlich, dass der Baum eine Seele hat?
Sein Bruder neben ihm lacht auf. Giliard will höflich bleiben. Solche Fragen stellen nur noch Weiße, die nie das Holz mit einer Winde über den Boden gewuchtet, nie Bäume niedergebrannt, nie neue Häuser gebaut haben. "Nein", sagt er, "daran glauben wir nicht mehr."
Zwei Tage später und zwei Stunden den Fluss hinauf steht Pedro Blanco, ein Sprecher des Baukonsortiums, auf einer Anhöhe und schaut weg vom vertrocknenden Rio Xingu. Blanco soll eigentlich erklären, was dort unten passiert, wo der Fluss abgeschnitten wird, wo Sauger den Schlamm hochpumpen, wo die Wurzeln der Bäume trocken fallen.
Blanco aber fotografiert mit seinem iPhone eine der letzten Castanheiras, die sie hier stehengelassen haben. Die Arbeiter trennen den Müll auf dem Baugelände, retten Schildkröten-Babys, und auch Bäume stehen unter Schutz. Blanco fotografiert das Blätterdach, wie es sich schwarz gegen den Himmel abhebt, die Rinde in Großaufnahme. "Porque é bonito", "weil er schön ist", sagt er später. Und natürlich habe der Baum eine Seele, "alles, was lebt, hat eine Seele".
Giliard und Blanco sind wie Misstöne in einem Lied. Der eine soll die Natur lieben, sieht sie aber als Rohstoff. Der andere soll seinen Damm lieben, aber verklärt die Natur.
25 Stämme mit 24 eigenen Sprachen, so unterschiedlich wie Chinesisch und Arabisch, Dutzende Vorstellungen von der Erschaffung der Welt gebe es hier, schwärmen Helfer und Umweltschützer. Aber Giliard, der Kazike vom Stamme der Juruna, spricht Portugiesisch. Die neue Straße zu seinem Dorf mag er nicht, trotzdem fährt er über sie, weil es meist schneller geht, als mit dem Boot den Fluss heraufzufahren.
Sein Vater ist Fischer, aber die Kinder im Dorf wollen Lehrer oder Soldat werden. Ein Baum ist für Giliard ein Baum. Seine Wünsche sind: ein Arzt für das Dorf. Eine weiterführende Schule. Und die Chance, Geld zu verdienen, so dass sie zurechtkommen. Das ist sein Reichtum. Warum sollte er so leben, wie Cameron sich wünscht, dass Indianer leben sollten?
Früher, sagen die alten Leute, gab es am Rio Xingu noch einen Strand. Dort, wo der Strand war, fließt heute der Dreck. Eigentlich wollte das Konsortium Norte Energia auch eine Kläranlage bauen, doch der Abfall wird immer noch direkt in den Fluss geschwemmt.
Als Bischof Kräutler nach Altamira kam, ein junger Mann aus Koblach in Vorarlberg, Österreich, fühlte es sich für ihn an wie ein Versprechen. Heute fühle es sich an wie ein Krieg, sagt er. Vier Polizisten schützen ihn zu jeder Stunde des Tages, kein Schritt, kein Gottesdienst ohne sie. Der Bischof hat dafür gekämpft, dass laut Verfassung die Indigenen selbst über ihr Land bestimmen können. Während des Streits darum rammte ein Lkw sein Auto, sein Beifahrer starb.
Er setzte sich gegen einen 500-Millionen-Dollar-Kredit der Weltbank ein. Er stört die Unternehmen, die durch den Damm reich werden wollen, sie sollen oft zu den größten Parteifinanziers gehören. Unten, ein Loch im Stein hinter den neun Sicherheitskameras: Da wurde 1995 ein Mitarbeiter erschossen, zehn Jahre später eine Ordensschwester, auch sie kämpfte gegen den Damm.
Kräutler würde gern wieder joggen, draußen vor dem Haus, am Fluss entlang, den er liebt. Doch die Polizei hat es ihm verboten, damit die Kugeln der Auftragskiller ihm nicht den Schädel zertrümmern können. Dafür geht er nun im Kreuzgang, um rüstig zu bleiben, 65 Schritte vor, 65 Schritte zurück, jeden Morgen vor Sonnenaufgang, so lang, wie er für drei Rosenkränze braucht. Die äußere Freiheit sei ihm genommen worden, sagt er, die innere könne man ihm nicht nehmen.
Heute ist Altamira eine Stadt, in der man für umgerechnet 30 Euro seinen Hund abholen, föhnen und massieren lassen kann. Vor manchen Hotels waschen Angestellte die Bürgersteige mit Seife. Der Damm holt das Geld in die Stadt. Selbst die Prostituierten in dem namenlosen Bordell für die Arbeiter sagen: "Die Natur kann ja geschützt werden - aber das Leben muss weitergehen."
Zehntausende strömen in den aufgeblähten Ort, Arbeiter, Zulieferer. Alle paar Tage fällt für Stunden der Strom aus, dann laden sie im Kerzenschein die neuen Kühlschränke von Eselskarren ab. Aus den Lautsprechern der Werbe-Mopeds tönt: "Du kannst dir deine Träume jetzt erfüllen." Gezupfte Augenbrauen, Ratenzahlung für Autos, Smokings für Kinder und Abfall, der die Urubus anzieht: eine Stadt, die Strom braucht so wie James Cameron und Erwin Kräutler, wie Pedro Blanco und Giliard Juruna. Belo Monte wird ihnen diesen Strom geben, das ist das Versprechen. Ökonomisch rentabel wäre das Projekt nur, wenn man weitere Staustufen baut.
Den Mahner Dom Erwin, wie der Bischof hier nur heißt, haben sie dafür in seinem eigenen Haus eingesperrt, und viele der Indianer, sagt er, die seien ruhiggestellt mit Geld, mit Entschädigungszahlungen für ihr Land, das der Staudamm vernichten wird. Umgerechnet 570 Millionen Euro sollen die Indigenen von der Regierung bekommen. Immer wieder haben prominente Indianer gegen den Damm protestiert, die meisten aber haben resigniert.
Giliards Fernseher wird vom Baukonzern bezahlt, seine Honda, sein Diesel, seine Motorsäge und sein neues Boot. Anfang Januar sperrte er mit Gleichdenkenden die Zufahrtsstraße zum Damm, die Arbeiten kamen tagelang zum Erliegen. Sie forderten mehr Geld wegen des verschlammten Flusswassers, umgerechnet rund 100 000 Euro, schließlich einigten sie sich mit dem Baukonzern auf ein Drittel.
"Moderne Glasperlen" nennt Bischof Kräutler das. Kein Genozid sei das für ihn, sondern ein "Aurizid", Völkermord durch Geld. Die Indianer kommen jetzt in die Stadt und kaufen mit geschenktem Geld Dinge, die sie vorher nicht gebraucht haben. Dabei sei der Fluss, so heißt es, für die Indigenen doch das "Haus der Götter".
Doch wichtiger als das Haus der Götter ist heute für viele das Casa do Índio, das Haus des Indianers, ein trauriges Haus, eine Art Asylantenheim für die, denen das Land einst gehörte. Mit Rollkoffern und Schildkröten kommen sie dorthin, viele schüchtern, mit großen Augen.
Hier schlafen die Indigenen, wenn sie etwas in der Stadt zu tun haben, auf Geld warten. An den Türen hängen Zettel, darauf die Namen der Stämme wie ungelöste Rätsel: Xingu, Arara, Araweté, Xikrin, Kayapó, Juruna, Parakanã, Asurini, Xipaya.
Eine Frau wohnt hier, die ihren Namen in ihrer Sprache längst vergessen hat. Sie träumt von fetten Kindern, das sei ein guter Traum, sagt sie. Sie mag an der Stadt, dass es keine wilden Tiere gibt. Sie mag es nicht, dass die Weißen denken, Indigene seien faul. Sie hat Angst vor Fröschen. Sie mag MSN lieber als Facebook, das sie über den Account ihrer Schwester benutzt. Sie mag Samsung lieber als Apple. Sie mag den Lidschatten auf ihren Lidern.
Die Indianerin sagt, dass die Sprache das Wichtigste sei, dass die Sprache ihre Identität bewahre. Aber ihr Mann ist von einem Nachbarstamm, sie versteht ihn nicht. Deshalb sprechen sie Portugiesisch miteinander, auch mit ihren Kindern.
Geld ist die empfindlichste Stelle der Indianer, meint Kräutler. Und die Manager des Staudamm-Konzerns seien wie Rabengeier. Wenn der Rabengeier sucht, dann fliegt er hoch oben, alle Sinne gerichtet auf das Aas, selbst der Kopf federlos, so gleitet er tiefer in einen Kadaver ein. Wenn er aber kein Aas findet, dann jagt er die Schwachen. Selbst ein Kalb kann er schlagen, im Schwarm. Er hackt in die empfindlichsten Stellen: in die Augen, in die Zunge, in die Nase. Das Kalb verfällt in Schock, dann tötet er es.
Von Jonathan Stock

DER SPIEGEL 5/2013
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