19.08.1996

StaatsjagdTeurer Treffer

Ein kostenloser Blattschuß auf einen Iberiensteinbock, der ihm bereits massiven Ärger mit Naturschützern eingebracht hat, könnte für den Bonner Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) auch noch teuer werden. Der Minister hatte das Tier im Dezember vorigen Jahres während eines Jagdausfluges erlegt, zu dem ihn sein damaliger spanischer Kollege Luis Atienza eingeladen hatte. In den "Dienstnachrichten" seines eigenen Hauses vom 7. August mußte Borchert nun lesen, daß der Treffer finanzielle Folgen haben kann.
Unter der Oberzeile "Lohnsteuerliche Behandlung der geldwerten Vorteile aus der unentgeltlichen oder verbilligten Teilnahme an Jagden" zitiert das Amtsblatt ein Rundschreiben des Finanzministeriums. Danach muß unter anderem die ersparte "Abschußgebühr" wie zusätzliches Einkommen versteuert werden. Der von Borchert in Spanien erlegte Bock zählt zur Spezies Capra pyrenaica victoriae, die nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz "vom Aussterben bedroht" ist.
Trotzdem erteilen die spanischen Jagdbehörden in Ausnahmefällen Abschußgenehmigungen. Dafür kassieren sie nach Berichten einer spanischen Tierschutzvereinigung Prämien von fünf Millionen Peseten, also fast 60 000 Mark. Bei einem angenommenen Steuersatz von 40 Prozent würde Borchert das Jagdabenteuer nachträglich etwa 24 000 Mark kosten.

DER SPIEGEL 34/1996
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