Der Fall des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux weitet sich immer mehr zur Staatsaffäre aus: Die Staatsanwaltschaft hat neue Zeugen vernommen, die bestätigen, daß Brüssel und Lüttich die Zentren eines seit 20 Jahren bestehenden Pädophilen-Rings sind, zu dem "hochgestellte Persönlichkeiten" aus Politik, Justiz und Wirtschaft gehören. Einige von ihnen sind vermutlich auf beschlagnahmten Pornovideos zu sehen. Nach dem Verschwinden mehrerer Kinder - darunter die tot aufgefundenen Mädchen Julie und Mélissa, An und Eefje - gingen auf den Konten des arbeitslosen Dutroux Geldbeträge zwischen 40 000 und 60 000 Mark ein; bisher wurden die Absender der Überweisungen - womöglich aus Rücksicht auf prominente Kunden - nicht identifiziert. Das amerikanische FBI, das den belgischen Ermittlungsbeamten hilft, ist besorgt, daß die Pornobänder vernichtet werden könnten, um die Klienten zu schützen. Die Produzenten der Vergewaltigungsszenen hatten manchmal die Anwesenden gefilmt - eine übliche Methode, um die Zuschauer erpreßbar zu machen.
DER SPIEGEL 42/1996
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