09.12.1996

GESTORBEN

Babrak Karmal

67. Der deutschen Kultur, so bekannte Afghanistans zeitweiliger Herrscher von Sowjetgnaden gern, verdankte er sein "prägendes Bildungserlebnis": Auf der von deutschen Lehrern geleiteten Amani-Schule in Kabul machte der Generalssohn sein Abitur, und in den Räumen des Goethe-Instituts verabredeten die Revolutionäre Anfang 1978 den sozialistischen Umsturz. Doch die Revolutionsführer, gespalten in einen nationalen und einen internationalistischen Flügel, liquidierten einander in Palastrevolten. Karmal tauchte im sozialistischen Ausland unter und kehrte Ende 1979 mit der sowjetischen Militärintervention als neuer Staatschef nach Kabul zurück. Den Makel dieses Reimports als "Russen-Söhnchen" wurde Karmal bei seinem Volk nie los. Als am Hindukusch der Widerstand der Moslem-Rebellen anschwoll, ersetzte Moskau seinen ausgelaugten Schützling 1986 durch den Nationalisten Nadschibullah. Babrak Karmal, der im Moskauer Exil seine Memoiren schrieb, starb am 1. Dezember an Leberkrebs.


DER SPIEGEL 50/1996
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