11.03.2013

Die grüne Insel

In Tschechien gilt der Besitz kleiner Mengen Drogen nicht als Straftat, sondern als Bagatelle. Das Land hat sich zum Sehnsuchtsort der Kiffer entwickelt - von der liberalen Politik profitieren vor allem die Drogendealer. Von Christoph Scheuermann
Das Problem beginnt mit einem quaderförmigen Zelt aus schwarzer Kunststoffplane, das aussieht wie eine mobile Garderobe. Es ist mannshoch, nahezu geruchsdicht verschließbar und bietet Platz für vier großgewachsene Cannabispflanzen. Der "Growshop" im Prager Stadtteil Zižkov verkauft das Zelt für umgerechnet 400 Euro, inklusive Ventilator, Abluftröhre, 400-Watt-Strahler, Dünger und eines Sacks Blumenerde. Es ist leicht, das schwarze Ding daheim aufzubauen und Gras zu züchten. Jeder 14-Jährige kann es. Das ist das Problem. Es gibt eine Marihuanaschwemme. "Die Preise fallen", sagt Marek, der Dealer.
Er hat ein Restaurant in der Nähe der Prager Karlsbrücke ausgesucht, wo er Gulasch mit Kartoffelbrei bestellt und über sinkende Gewinne klagt. Es gab schon bessere Zeiten, um mit Gras Geld zu machen. Im Moment bekommt er für zehn Gramm 1500 Kronen, etwa 60 Euro. Stammkunden lassen anschreiben. Seine Frisur sieht aus wie eine Drahtperücke. Marek sagt nicht "Kunden", sondern "Freunde".
Um seine "Freunde" nicht zu langweilen, bringt er ihnen regelmäßig Proben neuer Züchtungen mit. Im Moment läuft die Sorte "White Widow" gut, das heißt, sie ballert ordentlich in die Birne. Marek betont, dass sein Produkt dem der Konkurrenz weit überlegen sei. "Das Zeug ist mit Liebe gezüchtet, nicht wie der Scheiß, den die Vietnamesen produzieren. Sie bauen ihr Gras in Lagerhallen an." Die Vietnamesen sind das zweite Problem. Marek sagt, es gehe ihnen im Gegensatz zu den tschechischen Züchtern ums Geschäft, nicht um Qualität. Ihnen fehle die gärtnerische Hingabe.
Sowohl Marek als auch seine Lieferanten profitieren davon, dass Gras seit Anfang der Neunziger zum Bestandteil der tschechischen Folklore geworden ist. Wie Pils oder Knödel mit Sauce. Jeder zweite Tscheche zwischen 15 und 34 hat mindestens einmal im Leben Gras geraucht. Nach einer Statistik der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht steht Tschechien neben Italien und Spanien an der Spitze der europäischen Kiffernationen.
Die Polizei hat vor vielen Jahren schon aufgegeben, jeden zu verwarnen, der an einem Joint saugt. Die Regierung beschloss daher, eine Praxis, die sie ohnehin nicht unterbinden kann, zumindest zu regulieren. Seit 2010 behandeln die tschechischen Behörden den Besitz narkotischer oder psychotroper Substanzen in kleinen Mengen nicht mehr als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von umgerechnet maximal 600 Euro belegt werden kann. Tschechien, das an Deutschland, Polen, die Slowakei und Österreich grenzt, liegt jetzt wie eine grüne, zugedröhnte Insel inmitten von strengen bis rigiden Betäubungsmittelgesetzen.
Die Maximalmengen sind in einer amtlichen Tabelle festgeschrieben: Jeder darf bis zu 15 Gramm Marihuana, vier Ecstasy-Tabletten, zwei Gramm Crystal Meth, ein Gramm Koks oder anderthalb Gramm Heroin zum Eigenbedarf bei sich tragen, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Der Drogenhandel ist zwar nach wie vor strafbar, aber Cannabiszüchter, Kokainschmuggler und Crystal-Meth-Köche haben seit 2010 weiter gut verdient. Drogengegner sehen die neuen Gesetze als Kapitulation, Polizisten fluchen darüber. Der Innenminister hat Schwierigkeiten mit den Nachbarn Bayern und Sachsen, die sich über Schmuggelware aus Tschechien beklagen. Marek sieht die Liberalisierung als Schritt in die richtige Richtung.
"Ich bin nur ein kleiner Fisch", sagt er. Einer von Hunderten in der Stadt, die das grüne Zeug an "Freunde" verticken.
Es ist Donnerstagmittag, man kann die Vorfreude auf den Freitag an Mareks Gesicht ablesen. Ausgehnächte folgen auch hier der Dramaturgie von Erwartung, Euphorie, Erschlaffung und Kater. Nur selten schleicht sich die dunkle Ahnung ein, dass der Exzess schiefgehen kann.
Marek ist in Prag geboren und aufgewachsen. Seit seinem 18. Lebensjahr verkauft er Gras, früher auch härtere Sachen wie Koks und Ecstasy. Heute ist er 29 und führt hauptberuflich Touristen durch die Stadt. Auf seinen Touren lernt er viele junge Menschen kennen, die von den lockeren Gesetzen in Tschechien begeistert sind.
Er würde es ihnen nie anbieten, aber wenn man ihn nett fragt, sagt Marek, er wisse, wo man Gras bekomme. Die Touristen führt er in sein Büro, wo sie schnell zu "Freunden" werden. So profitiert Marek, der Dealer, von Marek, dem Stadtführer.
Er biegt von einer Straße in der Innenstadt in einen niedrigen Eingang, huscht durch einen Tunnel und steht vor einem Schreibtisch. Marek teilt sich das Büro mit seinem Bruder Michal, der ein Hostel für Rucksacktouristen leitet und sich gerade einen Joint baut. "Ich mach ihn nicht so stark, ist ja noch früh", sagt er.
Michal ist zwei Jahre älter als Marek, verheiratet und Vater einer anderthalb Jahre alten Tochter. Sein Hostel läuft bestens. Er trägt Rastalocken und ist das Gegenteil seines Bruders, ruhiger, reflektierter, ein Künstlertyp. Michal hat die Drogengeschichte seines Landes selbst miterlebt. Er muss länger nachdenken, wenn man ihn fragt, was er noch nicht geraucht oder geschluckt hat.
Michal und Marek sind zwei ungleiche Brüder. Michal, der Geschäftsmann, feilt am Aufstieg, während Marek, der Dealer, gegen den Abstieg kämpft. Beide kennen das doppelte Gesicht von Drogen, sie wissen, wie verführerisch es sein kann, ein Leben im Rausch zu suchen.
Ihre Eltern waren wohlhabend, erzählt Michal, während er den Joint anzündet. Sein Vater habe in der Verwaltung einer staatlichen Baufirma gearbeitet, nach dem Fall der Mauer leitete er das Osteuropa-Geschäft einer kanadischen Bank. Die Mutter machte sich als Unternehmensberaterin selbständig. Die Eltern trennten sich, als Michal 15 war. "Sie bekamen meinen Bruder nicht in den Griff." Marek hatte Ärger mit seinen Lehrern, weil er geklaute Sachen verkaufte. Nach der Trennung wohnte Marek bei seinem Vater. Michal zog in eine WG und sammelte Erfahrungen mit Gras, später mit Heroin.
Die Neunziger waren der perfekte Rausch für Michal. Mit den Touristen, Künstlern, Exzentrikern und Hasardeuren, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Prag strömten, kamen neue Drogen. Michal nahm sie in sämtlichen Erscheinungsformen. Rauch, Pulver, Pillen, Kristalle, Flüssigkeiten. Er organisierte Techno-Partys in leerstehenden Bunkern und nannte sich "Narco Polo". Der Drogenreisende.
Seine wichtigste Erfahrung machte er, als er allein auf einen Hügel stieg und Pilze aß. Er war nicht einmal 20 und hätte den Exzess ewig weitertreiben können. Aber da oben auf dem Hügel begriff er, wie fragil das Leben ist, wie schön und kostbar. Ohne die Pilze wäre er jetzt tot, sagt Michal. Er machte Schluss mit den harten Drogen und studierte Philosophie und Geschichte.
Marek, der kleine Bruder, verstand schon als Junge viel von Geschäften. Vor seiner Drogenphase verkaufte er Sammelbildchen, Klamotten und später Versicherungen. "Ich war mit 17 der beste Verkäufer der Stadt", sagt er. Marek brauchte keine Schule, um Marktlücken zu erkennen. Aber die Geschichten, die er erzählt, beginnen oft mit einem irrwitzig hohen Gewinn und enden meist bei null.
Mit den ins Land strömenden Drogen entdeckten die Tschechen ihre Vorliebe für Selbstgezüchtetes. Michal erinnert sich daran, wie Mitte der Neunziger Freunde und Bekannte begannen, zu Hause Cannabis anzupflanzen. Gleichzeitig professionalisierte sich die Zuchtbranche. Anfang November fand zum dritten Mal das "Cannafest" statt, auf dem größten Messegelände der Stadt, mit Vorträgen über "Hanf in der tschechischen Kultur", Ständen von Düngemittelfirmen, Hanfsamenhändlern und Hydrokulturproduzenten. Viele Aussteller kamen aus den Niederlanden, um den Anschluss an den neuen Wachstumsmarkt nicht zu verpassen.
Während die Polizei alle paar Wochen neue, noch riesigere Cannabisplantagen aushebt, die oft von Vietnamesen betrieben werden, baut der Rest des Landes privat an. Selbst Michals und Mareks Großeltern züchten in ihrem Gewächshaus Pflanzen, die sie für ihre beiden Enkel schneiden und wässern. "Oma ist eine ausgezeichnete Gärtnerin", sagt Michal. Er holt sein Mobiltelefon hervor, auf dem er Fotos seines letzten Besuchs gespeichert hat. Die Bilder zeigen nicht Oma, sondern harzige Blüten. Aus den Blättern und Stängeln, die Marek und Michal nicht rauchen, macht Opa Hautcreme.
Michal und Marek erzählen vom Prag der Neunziger wie von einem Paradies, in dem Freunde untereinander Kostproben ihrer gelungensten Züchtungen verteilten. Die Welt war gut und schön, so schien es zumindest.
Abends ist Marek in der Stadt unterwegs, mit "Freunden", am Morgen danach sackt er benommen in den Sessel seines Büros und wartet darauf, dass sein Sprachzentrum warmläuft. Die ersten Touristen schlendern ins Büro und fragen nach Opernkarten. Marek zieht seine Roger-Federer-Mütze tiefer ins Gesicht und erzählt, dass er an 15 bis 20 Leute regelmäßig Gras verkaufe, "mit einigen mache ich richtig Geld". Seine Gewinnspanne liege bei 70 Prozent, bei guten Freunden darunter. Den Gewinn trägt er in sein Zweit-Handy ein. Die SIM-Karte hat er vorsichtshalber entfernt.
Marek schweigt über seinen Profit, aber man kann sich dem Betrag annähern. Wenn 20 Kunden zweimal im Monat bei ihm zehn Gramm zum Preis von jeweils 1500 Kronen kaufen, kommt er auf einen Umsatz von 60 000 Kronen. Bei einer Gewinnspanne von etwa 50 Prozent bleiben ihm 30 000 Kronen im Monat, rund 1200 Euro. Nicht schlecht für einen Nebenjob. Dafür trägt er aber das Risiko.
"Hä?", fragt Marek. "Welches Risiko?"
Hin und wieder wird er beim Autofahren angehalten und muss sich einem Drogentest unterziehen. Der Test fällt nicht immer gut aus, bis auf Crystal Meth und Heroin hat er schon alles probiert. Davon abgesehen hatte er bislang keine Probleme mit den Behörden. Wovor solle er sich fürchten? Er verkaufe doch nur Gras.
Die meisten Touristen, denen er begegnet, interessieren sich mehr für böhmisches Kristall und die eine oder andere Brauereibesichtigung, weniger für Gras.
Anders als in Amsterdam gibt es in Prag keine Coffee-Shops, die auf laminierten Karten ein Dutzend verschiedene Marihuana- und Haschischsorten anbieten. In Prag braucht man Kontakte oder die Unbekümmertheit, den nächsten Barkeeper um ein, zwei Gramm anzuhauen.
Die harten Sachen bekommt man auf dem Schwarzmarkt. Tschechien ist berüchtigt für seine Drogenküchen, die sich auf Crystal Meth spezialisiert haben, das hier unter den Namen Pervitin oder Piko gehandelt wird. In Tschechien wird so viel Crystal Meth hergestellt wie in keinem anderen europäischen Land. 2010 hat die Polizei 307 Produktionsstätten ausgehoben, meist von Amateuren betriebene Küchenlabore. Die Qualität der Ware hängt vor allem davon ab, wie viel Geld und Mühe die Köche investieren.
Jana hat viel von dem probiert, was die Köche produzieren. Sie ist 29, arbeitet an der Rezeption eines Hostels für Rucksacktouristen in der Innenstadt und ist eine von Mareks "Freunden". Ihre Lieblingsdrogen seien Crystal Meth und Ketamin, sagt sie. Meth jagt dich in die Luft, Ketamin holt dich runter.
Ketamin wurde erstmals 1962 in den USA synthetisiert, heute verwenden es unter anderem Tierärzte als Narkotikum. In Prag wird es in Form von Tabletten verkauft, als Pulver oder Flüssigkeit und wirkt in den Adern wie Beton. Ein Zustand kurz vor der Selbstauflösung. Menschen, die Ketamin nehmen, schwärmen von Nahtoderfahrungen. Jana sagt: "Ich mag es, mich zu zerstören."
Sie stammt aus Slowenien, zog mit 19 nach Prag und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Am Wochenende stürzt sie auf Techno-Partys ab, wo DJs Musik spielen, die nach dem Triebwerk einer Boeing klingt. Drogen gehören für Jana zu einer Party. Die Selbstzerstörung. Einen anderen Plan gibt es nicht.
Es ist Freitagabend, als sie eine Straße nördlich der Innenstadt entlangrennt und von Sträuchern am Gehweg Blätter abreißt. Die Blätter schleudert sie zur Seite. Wir stehen ungefähr fünf Sekunden an einer Haltestelle, um die Straßenbahn zu nehmen, als sie fragt: "Warten wir hier immer noch?" Crystal Meth tötet Gefühle, auch das Gefühl für Zeit.
Jana betritt Kneipen, entscheidet aber schnell, dass es ihr dort nicht gefällt, und stürmt hinaus. Trotzdem wird sie innerhalb kurzer Zeit von drei Dealern gefragt, ob sie Gras kaufen möchte. Am Ende einer atemlosen Hatz durch das Prager Nachtleben verschwindet sie hinter der Klotür eines Techno-Clubs und taucht vorerst nicht wieder auf.
Der Ministerpräsident hat versichert, die tolerierte Menge für Meth zu sen-ken. Tschechische Polizisten halten es für die derzeit gefährlichste Substanz im Land. Die Zahl der Langzeitkonsumenten stieg zwischen 2008 und 2011 um ein Drittel. Tschechiens Drogenmarkt ist nach der Liberalisierung weltweit so populär geworden, dass die Autoren der US-Serie "Breaking Bad" einen Teil der Handlung hierhin verlegten. In der neuen Staffel verschickt Walter White, die Hauptfigur der Serie, seine blauen Kristalle nach Tschechien und macht damit so viel Geld, dass er es nicht mehr zählen kann.
Neben Meth ist in den Discos am Prager Wenzelsplatz und in den Bars des Künstlerviertels Zižkov fast alles verfügbar, was aufputscht, wach, geil und süchtig macht, wieder runterbringt, benebelt und das Bewusstsein knetet wie Hefeteig. Koks, Ecstasy, LSD, Heroin, Ketamin, eine Reihe halluzinogener Pilze, viel Gras und Haschisch, vor allem aber Amphetamine in sämtlichen Formen, Mischverhältnissen und Konzentrationen. "Du kannst hier alles kriegen", sagt Michal.
Schätzungen der Europäischen Drogen-Beobachtungsstelle zufolge werden in Tschechien pro Jahr knapp 20 Tonnen Cannabis geraucht, fünf Millionen Ecstasy-Pillen geschluckt, eine Million LSD-Trips eingeworfen und fünf Tonnen Crystal Meth verdampft. In den Bars zischt alle fünf Minuten jemand: Willst du was kaufen? Anders ausgedrückt: Auch in der Drogenlogistik hat Prag den Westen übertroffen.
Genützt hat die liberale Drogenpolitik den Konsumenten und dem Staat, der nicht mehr jede Bagatelle aufwendig verfolgen muss. Aber im Kampf gegen die illegale Drogenproduktion hat die neue Politik keine echten Fortschritte gebracht.
Marek, der Dealer, rollt sich den fünften Joint, nachdem er zwei jeweils dreistündige Stadtrundgänge hinter sich hat. Er sitzt im Hinterzimmer einer Bar und wirkt aufgepeitscht. Seine absolute Lieblingsdroge sei Koks, sagt er. Zwischen seinen Beinen lehnt ein Rucksack, den er immer mit sich herumträgt und der eine mit Gras gefüllte Tupperdose sowie eine Präzisionswaage enthält.
Neben Marek sitzt René aus Brasilien. Noch so ein "Freund". René lebt seit zwölf Jahren in Prag und verliebte sich erst in eine Tschechin und anschließend in Methamphetamin. "Das tschechische Meth ist das beste auf dem Planeten", sagt René, "ich weiß das, weil ich das Meth aus Kalifornien probiert habe. Aber das tschechische ist besser."
Er fragt Marek, ob er einen Schnaps mit ihm trinke. Marek blinzelt durch die blaue Dunstwolke seines Joints und ruft: "Bist du verrückt? Ich muss noch Auto fahren!"
Weil Marek seine Geldprobleme nicht in den Griff bekam, fing er damit an, Poker im Internet zu spielen. Wenn er spielt, ist er auf Koks. Es hilft nicht unbedingt beim Sparen. Auf der Straße in Prag kostet ein Gramm davon 100 Euro. Es besteht zu etwa 20 Prozent aus Kokain, der Rest ist im besten Fall Lidocain, ein Lokalanästhetikum, und Levamisol, ein Medikament gegen Fadenwürmer.
Während René, der Brasilianer, weiter von tschechischen Kristallen schwärmt, kommt Marek durch den Joint allmählich runter. Es ist Sonntagabend, das Wochenende ist vorbei. Marek hat den Exzess ein weiteres Mal überlebt. Vor kurzem hat die Polizei bei einer Razzia zwei Freunde von ihm erwischt, die mit Ecstasy und Crystal Meth dealten. Sie warten jetzt auf ihren Prozess. Er aber fürchte die Polizei nicht, sagt Marek. "Wenn sie mich festnehmen, müssten sie eine halbe Million Leute in Prag mit mir festnehmen, die dasselbe tun." Er sucht trotzdem nach einer Möglichkeit, ein solideres Geschäft aufzubauen, wie sein Bruder.
Irgendwann muss das Drogenleben aufhören, diese Selbstzerstörung, das weiß auch Marek. Es ist das goldene Gesetz der Nacht: je besser der Rausch, desto zerstörerischer die Droge. Etliche von Mareks und Michals früheren "Freunden" wanken heute als Drogen-Zombies durch Prag. Einige sind am Rausch verreckt.
Michal wünscht sich, dass Marek den Schritt aus dem Dunkel schafft, aber im Moment sieht es nicht danach aus, als würde er das Grasgeschäft so schnell aufgeben. Michal hofft, dass die tschechische Regierung irgendwann Coffee-Shops erlaubt. Es wäre ein Legalisierungsprogramm für seinen Bruder, den Dealer. Michal sagt, er würde sich nicht wundern, wenn Marek dann derjenige wäre, der den ersten Coffee-Shop von Prag betreibt.
Lesen Sie im nächsten Heft: Auf Krümelsuche - deutsche Richter und Drogenfahnder und ihre frustrierende Jagd auf Kleindealer, Konsumenten und Stoff.
Von Christoph Scheuermann

DER SPIEGEL 11/2013
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