13.02.1995

GESTORBENEugen Loderer

74. Er hatte das Pech, daß er als Vorsitzender der IG Metall an seinem Amtsvorgänger gemessen wurde. Gegen den charismatischen Arbeiterführer Otto Brenner wirkte Eugen Loderer stets etwas ungelenk. Dem Arbeitersohn aus dem schwäbischen Heidenheim, der als Kind mit seinem Bruder den Wintermantel teilen mußte, fehlten die rhetorische Geschliffenheit und die intellektuelle Aura seines Vorgängers. Trotzdem hat er die größte Einzelgewerkschaft der Welt in schwieriger Zeit gut über die Runden gebracht. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt 1972 rutschte die westdeutsche Wirtschaft in ihre bisher schwerste Rezession. Loderer mußte die IG-Metall-Mitglieder - nach Jahrzehnten des Mehr - auf niedrigere Tarifabschlüsse einstimmen und führte sie insgesamt fünfmal in den Streik. Als er 1983 abtrat, bekannte er, was seine Freunde schon lange wußten: daß ihn die Verantwortung "immer gedrückt" habe. Eugen Loderer starb vergangenen Donnerstag in einer Klinik in München.

DER SPIEGEL 7/1995
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Eugen Loderer

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