20.03.1995

Afghanistan„Unsere Armee ist gottgesandt“

Ohne Socken stapft Panzerführer Mohammed Nasim durch den Neuschnee. Die Kappen seiner durchnäßten Turnschuhe sind heruntergetreten, seine hohen Wangenknochen gerötet vor Kälte. Eiskristalle verfangen sich in den schwarzen Locken seines Vollbarts, schmelzen in den Falten seines Turbans. "Wir sind aus Stahl gemacht", meint er mit Blick auf seine Füße und schwingt sich in den Turm seines Panzers.
Seit fünf Wochen liegen Nasim und etwa 3000 weitere Kämpfer 35 Kilometer südwestlich von Kabul, der von rivalisierenden Milizenführern belagerten Hauptstadt Afghanistans. Nasims Truppe hatte den Frontabschnitt Maidan Schahr nach einem kurzen, heftigen Gefecht gegen einen Kommandanten des mächtigen Mudschahidin-Chefs Gulbuddin Hekmatjar erobert. "Unsere Verluste waren gering", behauptet der Panzerführer.
Nasim ist ein "Taliban". Unaufhaltsam wie ein Feuersturm war die geheimnisvolle Armee der islamistischen Taliban von Südosten her vorgestoßen; binnen weniger Wochen hatte sie ein Drittel des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Seither rätseln Experten in aller Welt, wer die Kämpfer rekrutiert und ihren Feldzug finanziert. Vor fünf Monaten war die Bewegung noch unbekannt; inzwischen zählt sie mindestens 25 000 Mann. Ihre wirksamste Waffe war bisher der Koran.
Nun sind 40 Geschützrohre vom neueroberten Stützpunkt in Maidan Schahr auf die Hauptstadt gerichtet. In den Jahren seit der Befreiung des Landes von den Kommunisten 1992 haben Mudschahidin-Führer wie Hekmatjar die einstige Millionenmetropole am Hindukusch schlimmer verwüstet als in zwölf Jahren Kampf gegen die sowjetischen Besatzer und ihr Vasallenregime. Doch seit Nasim und seine Mitstreiter mit ihren Panzern in Maidan Schahr eingerollt sind, herrscht Ruhe an diesem Frontabschnitt.
Präsident Burhanuddin Rabbani, der mit seinen Milizen die Hauptstadt kontrolliert und nach einem von der Uno ausgehandelten Friedensplan in diesen Tagen zurücktreten soll, ist nicht gewillt, Kabul kampflos aufzugeben. Seit Tagen läßt er Luftangriffe auf die stadtnahen Stellungen der Taliban fliegen. Noch aber haben Nasims Truppenführer nicht entschieden, ob sie ihren bedrängten Kämpfern Verstärkung schicken. Ähnlich wie Nasim sind auch die meisten anderen in Maidan Schahr stationierten Soldaten nicht für einen scharfen Marsch gen Norden gerüstet. Statt zum Sturmangriff auf die Hauptstadt sammeln sie sich fünfmal täglich zum Gebet.
Nur flüchtig inspiziert Nasim seinen Panzer, denn der Muezzin ruft. Der Kämpfer dankt Allah für dessen wundersamen Beistand. Für den Panzerführer besteht nicht der geringste Zweifel an der Herkunft der Taliban: "Unsere Armee ist gottgesandt", sagt er.
Mit ähnlich missionarischem Eifer hatte sich Nasim, kaum 16jährig, jenen angeschlossen, die heute seine Gegner sind: den Mudschahidin. In ihren Reihen lernte er, einen Panzer zu lenken.
In den Jahren des Bürgerkriegs aber, der dem Triumph über die sowjetischen Rotarmisten folgte, begrub der hagere Soldat nicht nur zahllose Gefährten, sondern auch den Traum, daß Afghanistan jemals ein geeinter und gerechter islamischer Staat werden könnte. Die einstigen Unabhängigkeitskämpfer mordeten einander in Häuser- und Straßenschlachten; marodierende Mudschahidin tyrannisierten die Bevölkerung; in Kabul starben die von russischer Fremdherrschaft Befreiten im Raketenfeuer der einstigen Befreier.
Das Studium des Koran und der Schiedsspruch eines Muftis bescherten dem Leben des Panzerführers die entscheidende Wende. "Wenn das Verbrechen regiert, die Menschen Opfer maßloser Machthaber werden und die Religion geschändet wird, muß die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, aufstehen und kämpfen", lautete die Maxime des Islamgelehrten, von der Nasim in einer Koranschule im pakistanischen Quetta hörte. Gemeinsam mit anderen, die dort Zuflucht vor den blutigen Dauerfehden genommen hatten, tauschte er die Filzkappe der Mudschahidin gegen den Turban der Taliban ein.
Als Koranschüler kehren sie nun nach Afghanistan zurück - eine verlorene Generation, der mehr als 15 Jahre Krieg Kindheit und Zukunft gleichermaßen geraubt haben. Nicht viel anders als jene, die sie entmachten wollen, geloben sie, das zerrissene Land unter dem grünen Banner des Islam zu befrieden. Anders als ihre Gegner sind sie als angehende Mullahs unangreifbar. Kein Moslem schießt ohne Gewissensqualen auf einen Würdenträger des Islam.
Doch neun von zehn Taliban waren zuvor selbst Mudschahidin, gibt der befehlshabende Mullah von Maidan Schahr, Rahmutullah, zu. Wie Panzerführer Nasim erlernten sie ihr Handwerk im Krieg gegen die Sowjets, aber auch im Kampf gegen die eigene Bevölkerung.
Rahmutullah, 38, hockt in anthrazitfarbenen Pluderhosen und einem wadenlangen Baumwollhemd auf dem grünen Teppich seiner provisorischen Kommandozentrale. Mit einem Walkie-talkie hält er Kontakt zum Stützpunkt in Tscharasjab und zu anderen vorgeschobenen Stellungen. In dem von ihm kontrollierten Gebiet stehen keine Mudschahidin mehr unter Waffen, die sich nicht den Taliban angeschlossen haben. Die übrigen hat er ziehen lassen.
Mit den beschlagnahmten Kalaschnikows, Panzerfäusten und Granaten ließen sich die Häuser ganzer Dörfer füllen, sagt der neue Fürst von Maidan Schahr. Vorsichtshalber hat er die explosive Beute auf weit verstreute Depots verteilen lassen. Mullah Rahmutullah wartet auf Weisung aus Kandahar.
Dort, 500 Kilometer weiter südlich, in der Provinz an der Grenze zu Pakistan, begann die Konterrevolution im afghanischen Glaubenskrieg. Als Garnisonsstadt der sowjetischen Besatzer war Kandahar bereits während des Befreiungskampfs unter schweren Beschuß geraten. Was der Dschihad, der Heilige Krieg gegen die Kommunisten nicht zerstörte, ruinierten die Scharmützel machthungriger Mudschahidin.
Die einst für ihre kunstvollen Bewässerungssysteme gerühmten Bauern der Gegend müssen alle Nahrungsmittel, selbst Kartoffeln, aus Pakistan herankarren. Wegelagernde Kommandanten preßten ihnen Zölle ab oder plünderten die Handelskarawanen; sie raubten Reisende und Basarhändler aus - bis die Taliban der Anarchie und der Gewaltherrschaft der Mudschahidin ein Ende machten.
Eine Schura, eine Ratsversammlung in Kandahar, lenkt seither den Kampf der Taliban gegen den Verfall der Sitten und den Feldzug gegen die "topakan", die Revolverhelden. So nennen die Koranschüler verächtlich ihre Gegner, die Mudschahidin. "Frömmigkeit, Mut und Anstand" sind die entscheidenden Kriterien für eine Berufung in dieses Politbüro der Mullahs. 20 ausgesuchte Erneuerer zählt die Schura von Kandahar inzwischen. Sie tragen einen weißen Turban und einen Vollbart wie der Prophet; ihre Vision für die Wiederauferstehung Afghanistans ist 1400 Jahre alt.
Mullah Wakil Ahmed, verantwortlich für die Informationspolitik der Taliban, vermeidet jeden Blickkontakt. Nach den strengen Regeln der Schura darf er eigentlich nur Männern Rede und Antwort stehen. Da Frauen der Zutritt zu seinem Amtssitz nicht gestattet ist, gibt er in den Redaktionsräumen der Lokalzeitung Auskunft.
Mit einem Motorrad sei der Oberkommandierende der Taliban auf der Suche nach Gleichgesinnten über die Dörfer gefahren, berichtet Pressemullah Wakil. Weil die Ziele, für die dieser einst kämpfte, in Vergessenheit geraten seien, habe er in den Koranschulen diesseits und jenseits der Grenze zur heiligen Schlacht gegen die irregeleiteten Mudschahidin aufgerufen. Tausende seien seinem Aufruf gefolgt.
Die Legende von dem rechtschaffenen Widerstandskämpfer, der, nur mit dem Segen der Mullahs bewaffnet, eine der schlagkräftigsten Armeen Afghanistans aufstellte, ist die offizielle Gründungsgeschichte der Taliban. Sie soll, hofft Zentralratssprecher Wakil, jeden Verdacht entkräften, Pakistans Geheimdienst oder andere fremde Mächte könnten die Koranstudenten organisiert und ausgebildet haben.
Nichts würde das Volk schneller und geschlossener gegen die frommen Feldherren aufbringen als der Nachweis eines solchen Zusammenspiels. Bemüht, auch den letzten Zweifel zu zerstreuen, sagt Wakil: "Ebensowenig wie ein guter Moslem jemals vergißt, wie er zu beten hat, vergißt ein Afghane, wie man eine Waffe benutzt."
Wie die meisten neuen Herren von Kandahar hat Wakil, 25, nicht viel mehr als die Suren des Koran in Arabisch studiert. Mit solch beschränkten Kenntnissen versuchen sie nun, Staat zu machen: Ein Taliban, der ein wenig Englisch spricht, führt das für Auswärtige Angelegenheiten und Entwicklungshilfe zuständige Ressort; Herr über das Gesundheitswesen ist ein Koranschüler mit abgebrochener Medizinausbildung.
Als Hubschrauberpiloten für den Fronteinsatz wurden solche Taliban zwangsverpflichtet, die ihr Handwerk noch auf Kabuls Militärakademie lernten und seither jedem Regime dienten. Ihre Söhne müssen die Koranschulen besuchen. Es sind die einzigen Schulen, in denen in Kandahar derzeit noch unterrichtet wird.
Was der Informationsminister im Kabinett der Taliban für die großen Leistungen seiner Regierung hält, ist in der Lokalzeitung Tulu-i-Afghan - "Wiederaufstrebendes Afghanistan" - nachzulesen. Das Blatt verklärt, nicht anders als zu Zeiten der russischen Besatzer, das herrschende Regime.
Drei junge Taliban werden in den Gewölben der Druckerei zu Setzern ausgebildet. Während der Kriegsjahre sind einige Buchstaben verlorengegangen, doch für die Schlagzeilen der jüngsten Ausgabe haben die vorhandenen Lettern gereicht: "Afghanistans Moslems unterstützen die Taliban"; "Weitere Provinz entwaffnet"; "Transport und Handel wiederbelebt"; "Politische Gefangene freigelassen" - das zumindest ist nur die halbe Wahrheit: Hinter einer Tür mit drei Vorhängeschlössern sitzt Kandahars prominentester Häftling, Hauptmann Amamullah. "Unser Gast", sagt der Aufseher. "Heißt das, daß ich gehen kann?" fragt der Gefangene, und ein spöttisches Lächeln huscht über das sonnengegerbte Gesicht mit den melancholischen Augen. Kerzengerade und erhobenen Hauptes hockt der Kriegsherr in einem Winkel des fensterlosen Raums, auf würdevolle Haltung an einem würdelosen Ort bedacht.
Seine Waffen und seine Munition hat der bis vor kurzem noch mächtige Mudschahidin-Kommandeur den Taliban-Truppen übergeben. Seither ist sein Reich auf neun Quadratmeter geschrumpft. Immerhin haben seine Bewacher ihm nicht Eisen an die Füße gelegt, wie den Mördern und Dieben, die im Raum nebenan auf ihr Urteil warten.
"Aus Respekt" habe er sich ergeben, sagt der Offizier. Es müsse endlich Frieden herrschen in Afghanistan. Amamullah stand im Ruf eines gemäßigten Führers. Als Sohn eines vermögenden Stammesfürsten fühlte er sich noch den alten Traditionen des Landes verpflichtet. Der Ältestenrat hatte ihn zum Bund mit den Taliban aufgefordert, und Amamullah war der Empfehlung gefolgt.
Bevor der stolze Krieger als Spezialist für Luftabwehrraketen bei den Mudschahidin Karriere machte, hatte er in Kabul den Bau von Straßen und Dämmen studiert. Doch die neuen Machthaber fürchten sein militärisches Geschick zu sehr, als daß sie seine zivilen Kenntnisse nutzen würden. Amamullah bleibt einstweilen eingesperrt.
Die Gefangenschaft hat den Widerspenstigen nicht gezähmt. "Ich dachte, die Taliban würden für eine gerechte islamische Ordnung eintreten", sagt er, während eine Gebetsperlenkette durch seine Finger gleitet. "Doch auch sie verfolgen nur ihre eigenen Machtinteressen."
Unbeirrbar machen sich die Mullahs in Kandahar daran, jene Ordnung zu schaffen, die sie für gottgewollt halten. Unter Berufung auf den Propheten und die Scharia, das islamische Gesetz, lassen sie von Richtern ohne Rechtsausbildung verurteilten Dieben öffentlich Hände und Füße amputieren.
Sie verboten das Fußballspiel, weil die Jugendlichen darüber das Beten vergaßen; Medizinstudentinnen wurden von der Universität verbannt, die Badehäuser für Frauen geschlossen und die Namen von Lehrerinnen aus den Personallisten der Schulen getilgt.
Die Frommen beschlagnahmten alle Fernsehgeräte, die sie entdecken konnten. Eines Nachmittags lag die große Antenne im Straßenstaub, mit der in Kandahar Bildungsprogramme und Unterhaltungsshows aus dem weniger frommen Kabul empfangen werden konnten; Videobänder mit aufgezeichneten Sendungen waren um Bäume gewickelt.
Nur verhalten regt sich Widerstand gegen das archaische Regime der Taliban. Eine Gruppe Jugendlicher protestiert mit einem offenen Brief gegen das Fußballverbot. Kaufleute erwirkten, daß die Frauen ihre Häuser wieder verlassen und einkaufen dürfen. Das ursprünglich verhängte Ausgehverbot für die weibliche Bevölkerung drohte das Geschäft zu verderben, das mit dem Frieden wieder zu florieren begann.
Während die Männer von Kandahar die Vertreibung der Mudschahidin als Befreiung empfinden, führt für Frauen wie Schukrija der Weg in die Zukunft zurück in die Vergangenheit. Nach fast fünf Monaten Taliban-Herrschaft wird der ehemaligen Lehrerin der Preis für den Frieden zu hoch: "Die Taliban wollen uns nur die Rechte zugestehen, die Mohammed den Frauen gewährte. Das sind die Rechte des 7. Jahrhunderts!"
Schukrija heißt nicht wirklich Schukrija. Sie fürchtet, ins Gefängnis zu kommen, sollte ihre wahre Identität bekannt werden. Schweigen will sie dennoch nicht. Wie fast alle in Kandahar war auch sie erleichtert, als die Taliban die Willkür der Mudschahidin beendeten. Endlich konnte sie ihre Kinder aus dem Haus lassen, ohne fürchten zu müssen, daß sie entführt oder vergewaltigt würden; und sie kann nun selber ohne Angst vor Angriffen zur Untersuchung ins Krankenhaus gehen - wenn auch vom Scheitel bis zur Sohle verhüllt.
Schukrija haßt den Umhang mit den vergitterten Augenschlitzen. Am liebsten würde sie ihn in Stücke reißen. Aber keine Frau kann es mehr wagen, ohne den Schadori, den Ganzkörperschleier, vor die Tür zu gehen.
Früher hätten Mädchen in Kandahar noch Fahrradrennen abgehalten, erinnert sie sich. Und jetzt soll es nicht einmal mehr Schulen für sie geben? Sollen Frauen keine Berufe mehr ausüben dürfen, bei denen sie Männern begegnen könnten? "Gut, wir haben dringlichere Probleme zu lösen", gibt Schukrija, Mutter von zwei Töchtern, zu. "Uns stecken noch die Granatsplitter in den Fußsohlen und unsere Bäuche sind leer. Aber wie können die Taliban uns das Recht auf Bildung verweigern, wenn sie selber nicht einmal ihre Namen schreiben können?"
Wie fast alle Afghanen bekennt sich Schukrija zum Islam. Doch die Religion, mit der sie aufwuchs, war keine totalitäre Glaubensherrschaft, die Äußerlichkeiten wichtiger nahm als innere Überzeugungen. Gegen autoritäre Regime hat sich ihr Volk immer aufgelehnt. Weil aber die Bevölkerung unter den Machtkämpfen der Mudschahidin noch schlimmer litt als unter der Fremdherrschaft der Kommunisten, läßt sie die Taliban vorerst unangefochten ihren strengen Religionsstaat errichten.
Nichts wünschen die Menschen zwischen Kandahar und Kabul sehnlicher herbei als ein Ende des Bürgerkriegs. Und dennoch fürchten viele, daß sich die rebellischen Mullahs, wie einst Ajatollahs in Iran, als rückständige Despoten erweisen werden, sollte es ihnen gelingen, die Hauptstadt zu erobern. Die Taliban-Anführer vor den Toren Kabuls werden deshalb nicht müde, ihren Feldzug als uneigennützige Rettungsaktion zu propagieren.
"Wir wollen die Macht nicht für uns selbst", sagt Mullah Rahmutullah, der Kommandant im verschneiten Frontabschnitt von Maidan Schahr. Schiitische Mudschahidin haben Delegierte entsandt. Ihre Truppen waren unter verstärkten Beschuß geraten, nachdem ihr schlagkräftiger Verbündeter, der Kriegsherr Hekmatjar, den Rückzug antreten mußte. "Um zu beweisen, daß wir keine Aggressoren sind", hätten sie ihre Waffen und Stützpunkte den Taliban überlassen, erklären die Abgesandten. Seither liefern sich die nachgerückten Koranstudenten Gefechte mit den Mudschahidin des Präsidenten.
Mit untergeschlagenen Beinen sitzen die Überläufer auf dem Teppich in der Kommandozentrale von Maidan Schahr. Nachdem ihr Führer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist, wollen sie erfahren, wie sich die Taliban die Zukunft vorstellen und welchen Anteil sie selbst daran haben könnten. "Wir werden in Kabul einen Rat frommer Moslems gründen, dem jeder Mann angehören kann, vorausgesetzt, er ist ein gottesfürchtiger Mensch", antwortet Mullah Rahmutullah vage.
Der Beschuß Kabuls, die Massaker an der Bevölkerung müßten endlich ein Ende haben, sagt der Mullah. Doch allein am Montag voriger Woche starben wieder 70 Menschen in Kabul, diesmal auch durch Raketen der Taliban. "Da sich der Präsident seinem Rücktritt und seiner Entwaffnung widersetzt", erklärt der Kommandant von Maidan Schahr, "ist er allein dafür verantwortlich, daß weiterhin Krieg herrscht in Afghanistan." Y
*VITA-KASTEN-1 *ÜBERSCHRIFT:
Im Namen Allahs *
hat die rätselhafte Armee der Koranschüler ein Drittel Afghanistans unter Kontrolle gebracht. Die Taliban entwaffneten selbst jene Mudschahidin, die 1989 die sowjetischen Besatzer zum Abzug zwangen und 1992 deren Vasallen in Kabul stürzten. Seit Anfang voriger Woche bekämpfen die frommen Rebellen die Truppen von Präsident Burhanuddin Rabbani. Der soll nach einem Uno-Friedensplan bis Dienstag zurücktreten. In der Provinz beenden die Taliban den Bürgerkrieg mit streng islamischer Ordnung.
[Grafiktext]
Afghanistan: Von d. Taliban kontrollierte Provinzen
Afghanistan: Von Regierungstruppen eroberte Taliban-Stellung
[GrafiktextEnde]
Von Birgit Schwarz

DER SPIEGEL 12/1995
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