06.02.1995

Begehrter Phallus

Niki de Saint Phalle, 64, amerikanisch-französische Künstlerin, erfuhr für ihr kleinstes Werk sehr gemischte Reaktionen. Als sie vor drei Monaten im Auftrag der schweizerischen Bundespost eine neue Briefmarke entwarf, hagelte es wütende Proteste: De Saint Phalle hatte zur Unterstützung der Anti-Aids-Kampagne einen stilisierten Phallus mit buntem Gummiüberzug gemalt.
Kunden, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sahen, schickten das Wertzeichen an die Postzentrale zurück, andere zettelten wutentbrannt Diskussionen an den Schaltern an: Die Marke fordere zur freien Sexualität auf, die Adressaten ihrer Briefe hätten solchen Schutz nicht nötig. Einige Moralhüter drohten gar mit Klage, verzichteten dann aber darauf.
Denn inzwischen ist die verrufene "Stop Aids"-Marke im Wert von 60 Rappen zum absoluten Renner geworden. Sammler und Spekulanten sind schon einen Monat vor dem offiziellen Verkaufsende auf der Jagd nach dem begehrten Stück, obwohl noch nicht einmal bekannt ist, was die bunten Phalli einmal wert sein werden - die eidgenössische Bundespost verrät traditionell erst nach Ende einer Kampagne die Auflagenhöhe ihrer Wertzeichen.

DER SPIEGEL 6/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 6/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Begehrter Phallus

  • Star-Doubles: Helene und Robbie sind ein Paar
  • Einmalige Aufnahmen: Berghütte in den Alpen komplett schneebedeckt
  • Rot und groß: So sah der Superblutmond aus
  • Seemann mit YouTube-Kanal: Mitten durch die Monsterwellen