10.04.1995

Kreditkarten

Herzog hat gekündigt

Das Kreditkartenunternehmen American Express, das in einer aufwendigen Imagekampagne mit dem Bild prominenter Kunden für seine Dienste wirbt ("Bezahlen Sie mit Ihrem guten Namen"), hat seinen besten deutschen Namen verloren: Bundespräsident Roman Herzog kündigte bei der Amex-Zentrale in Frankfurt die Kreditkarten seiner Familie. Herzog ist verärgert darüber, daß seine Frau bei einem Münchner Juwelier Schwierigkeiten bekam, als sie einen Einkauf in Höhe von 240 Mark mit ihrer Kreditkarte begleichen wollte. Weil im Datensystem von American Express das Kreditkonto von Christiane Herzog aufgrund eines Zahlendrehers versehentlich als geschlossen geführt wurde, weigerte sich der Juwelier zunächst, die Kreditkarte zu akzeptieren. "Unter diesen Umständen scheint es mir sinnvoll", heißt es in dem Kündigungsschreiben Herzogs, "das zwischen uns bestehende Vertragsverhältnis zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beendigen."

Hektisch ist der Amex-Vorstand seitdem bemüht, den Fehler wiedergutzumachen. Weil auch ein persönlicher Entschuldigungsbrief des Amex-Präsidenten Jürgen Aumüller ohne die erhoffte Wirkung blieb, schaltete der Vorstand die auf Krisen-PR spezialisierte Frankfurter Agentur Moritz Hunzinger ein. Hunzinger arrangierte eigens ein Treffen im Bundespräsidialamt mit dem Herzog-Staatssekretär Wilhelm Staudacher, um den verlorenen Kunden zurückzugewinnen. Angereist war auf Bitte von Hunzinger auch Johannes Vöcking, ehemals Abteilungsleiter im Kanzleramt. Der Bundespräsident werde seinen Schritt, so das Ergebnis der Beratung, noch einmal überdenken.


DER SPIEGEL 15/1995
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