22.05.1995

Preis des Quetschens

Um den Platz auf CDs besser zu nutzen, staucht ein Computer die Videodaten elektronisch zusammen, bevor sie als Vertiefungen (Pits) auf die Disc "geschrieben" werden. Dabei vergleicht der Rechner die aufeinanderfolgenden Bilder und speichert stets nur diejenigen Bildteile, die sich vom jeweils vorherigen Bild unterscheiden.
Dieser Stauchprozeß (Kompression) senkt den Speicherbedarf auf weniger als ein Hundertstel. Beim Lesen der Disc im Player kehrt sich der Vorgang um. Nun muß der Abspiel-Computer aus den verstümmelten Daten wieder die Originalbilder zusammensetzen. Das Problem: Bei Action-Szenen wechseln die Bilder so stark und häufig, daß der Datenbedarf für die "Restauration" sprunghaft in die Höhe schnellt.
Derzeit gängige Video-CDs liefern ihre Daten in immer gleichem Tempo mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von rund 175 000 Zeichen (Byte) pro Sekunde. Nur weil sie nach der eigens dafür entwickelten Komprimierungsnorm MPEG-1 extrem zusammengestaucht sind, kann der Player-Computer daraus noch halbwegs ansehnliche Fernsehbilder zaubern.
Das "Quetschen" hat seinen Preis: Sobald sich aufeinanderfolgende Bilder stark unterscheiden - etwa bei Sportszenen oder Explosionen, aber auch bei stillen Bildern mit rauschenden Blättern oder bewegten Wasseroberflächen -, kommt es zu Bildstörungen, sogenannten digitalen Artefakten.
High-Density-CDs hingegen speichern nicht nur mehr Daten als herkömmliche Compact Discs, bei ihnen wurde auch der Datenfluß optimiert - nach der im Dezember 1994 festgelegten Komprimierungsnorm MPEG-2. Sie stimmt die Geschwindigkeit der Datenübertragung stets exakt auf den für die jeweilige Szene erforderlichen Bedarf ab. Das Tempo schwankt zwischen 125 000 und einer Million Zeichen pro Sekunde.
Drohen - zum Beispiel bei der Wiedergabe einer langen Verfolgungsjagd - die in einem Zwischenspeicher des Player-Computers "gepufferten" Daten zur Neige zu gehen, dreht der Motor die Disc schneller, so daß mehr Pits am Laser vorbeiflitzen.

DER SPIEGEL 21/1995
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DER SPIEGEL 21/1995
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