12.06.1995

„BELOGEN UND BETROGEN“

Nirgends haben die Führungskader der DDR die Wende so unbeschadet überstanden wie auf dem Lande. In vielen Dörfern herrschen noch immer die Chefs der alten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Die kleinen Bauern wurden ausgetrickst und ausgenommen - mit Hilfe und zugunsten alter Seilschaften.
Die Sache mit dem Kapitalismus hat Cyrill Wetzlich auch vier Jahre nach der Wiedervereinigung nicht so recht begriffen. Keiner hat dem Bauern aus dem Dorf Ostro südlich von Hoyerswerda erklären können, wie sich Geld gleichsam in Nichts auflösen kann.
In seiner guten Stube sitzt Wetzlich, 65, und blättert mit seinen abgearbeiteten Händen in den Akten. Ratlos lehnt er sich in seinem Sessel zurück: "Das Geld ist nicht mehr da, und ich weiß nicht, wo es geblieben ist."
Ein paar Begriffe aus dem kapitalistischen Sprachgebrauch kennt Wetzlich inzwischen: Abwertung und Abschreibung. Die Chefs seiner einst blühenden LPG "1. Mai" Kaschwitz, soviel weiß Wetzlich, haben 1400 Kühe abgewertet und neue Maschinen abgeschrieben.
"Ich weiß nicht, wie das geht", resigniert der Bauer. Als sich der Betrieb wie jede Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) der untergegangenen DDR auflösen mußte, war die LPG Kaschwitz jäh verarmt. Da blieb für Anteilseigner wie Wetzlich wenig zum Verteilen.
Der Landmann aus Ostro kramt eine Rechnung aus seinen Unterlagen. 259,50 Mark hat ein Tierarzt erhalten, der eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Export von 256 Kühen und Schweinen nach Rußland und Polen ausgestellt hatte. Ein Beleg über den Verkaufserlös bei diesem Exportgeschäft ließ sich nicht auftreiben.
Die Tiere sind wohl irgendwie abhanden gekommen. Schwund ist immer. "Was will man da machen?" fragt Wetzlich.
Fast überall sind die LPG auf rätselhafte Art arm geworden. Sie mußten sich in eine kapitalistische Betriebsform umwandeln und ihre ausscheidenden Genossen als Anteilseigner abfinden.
Doch als es ans Zahlen ging, war das Vermögen ehemals wohlhabender Betriebe auf rätselhafte Art geschrumpft, bei der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf, dem LPG Frühgemüsezentrum Dresden und wie sie alle heißen.
Geld verschwindet nicht, das weiß jeder Kaufmann - es wechselt den Besitzer. Dieter Tanneberger, Präsident der Bauernorganisation Deutscher Landbund, weiß, wohin es geflossen ist: Überall hätten LPG-Chefs "mit flächendeckenden Bilanzfälschungen" die Produktionsgenossenschaften arm gerechnet und Millionenbeträge in ihre Nachfolgebetriebe geschleust.
Kaum waren die Bauern billig abgefunden, entwickelten sich die verarmten LPG auf wundersame Weise zu hochprofitablen Agrarfirmen - geleitet von den ehemaligen LPG-Vorsitzenden. Sie und ihre Partner in den neuen Betrieben profitieren nun vom Aufschwung der ostdeutschen Landwirtschaft, die Bauern sind die Dummen.
Erst langsam dämmerte den Bauern, daß sie ausgetrickst und ausgenommen worden sind. "Die Wut kommt erst jetzt hoch", sagt Landbund-Präsident Tanneberger. "Wir wurden belogen und betrogen", beschreibt Bauer Werner Dittmann die Stimmung in der Region um Schönau südlich von Görlitz. Viele wandten sich in hilfloser Verbitterung an den Bundeskanzler. Das ehemalige LPG-Mitglied Inge Horn aus Berthelsdorf in einem Brief an Helmut Kohl: "Ich erlebe jetzt, wie in dem neuen Staat altes Unrecht weiter ausgeführt werden darf."
Mit der Wiedervereinigung gingen riesige Ländereien in Bundeseigentum über: die Äcker, Wälder und Wiesen der ehemaligen Großgrundbesitzer. Diese Gutsherren, häufig Junker und andere Landadelige, waren zwischen 1945 und 1949 von den Sowjets enteignet worden, ihre Güter gehören seit dem 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland. Doch nicht einmal ein Fünftel dieses "Junker-Landes" wurde an "ortsansässige Wiedereinrichter" verpachtet, wie die ehemaligen LPG-Bauern im Behördendeutsch heißen (siehe Grafik).
Statt dessen gehören fast 60 Prozent der staatseigenen Äcker, wie die Statistik ausweist, "juristischen Personen": Das sind die Firmen, die von den ehemaligen LPG-Chefs aufgemacht wurden.
Weitere zehn Prozent des Landes fielen an "ortsansässige Neueinrichter". Das sind Ostdeutsche, die vor der Wende keinen einzigen Hektar besaßen, aber dann einen landwirtschaftlichen Betrieb aufmachten. Hinter dem unverfänglichen Begriff "ortsansässige Neueinrichter" verbergen sich im wesentlichen LPG-Vorsitzende, die selbständige Bauern wurden, oft mit vielen hundert Hektar Pachtland.
Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften befanden sich oft in besserem Zustand als die heruntergekommenen Industrieanlagen der DDR. Ihre Einfamilienhäuschen und Wohnblocks waren dank eigener Reparaturbrigaden durchweg ordentlicher erhalten als die Mietskasernen in den Städten. Von beträchtlichem Wert waren Viehherden, Melkanlagen und Getreidespeicher.
Ein milliardenschweres Vermögen wäre zu verteilen gewesen - wenn tatsächlich geteilt worden wäre. Die LPG-Mitglieder hätten eine Menge Geld erhalten - wenn die Vorsitzenden saubere Bilanzen erstellt und korrekt abgerechnet hätten.
Anders als den einfachen Ost-Bauern geht es den früheren LPG-Chefs zumeist blendend. Kein Berufsstand in der DDR hat die Wende so glatt geschafft wie die Führungskader der sozialistischen Landwirtschaft. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit herrschen sie nun wieder wie zu SED-Zeiten über das Land; mit einem Unterschied allerdings: Früher waren sie nur mächtig, heute sind sie auch noch reich.
Die alten Kader als Gewinner der Einheit - und die Verlierer sind wieder einmal die Kleinen. Nirgendwo sonst ging die Umwandlung von der Plan- in die Marktwirtschaft so reibungslos wie auf dem ostdeutschen Land. Ganze Landstriche im deutschen Osten gehören nun den roten Junkern.
Der Gesetzgeber wurde bisher nicht aktiv, die Staatsanwälte schritten selten ein. Dabei ließen es die neuen Landlords an krimineller Energie nicht fehlen. Die Bauern wurden um ihren rechtmäßigen Anteil am Vermögen der LPG geprellt, Bilanzen frisiert, Protokolle gefälscht (siehe Kasten Seite 140). "Jeder klaue, wie er kann", beschreibt der Bautzener Anwalt Winfried Schachten die Devise der roten Junker.
Nach Schätzungen des Landbunds rissen die neuen Großagrarier ein Vermögen von mindestens 20 Milliarden Mark an sich. Aus den aufgelösten mehr als 3800 LPG gingen 2800 Nachfolgebetriebe hervor, fast alle werden von den ehemaligen LPG-Chefs geführt. In ihren Ställen stehen 80 Prozent des ostdeutschen Viehs, sie bewirtschaften mehr als zwei Drittel der ostdeutschen Äcker, Felder und Wiesen. Wozu Raubritter und Junker einst Jahrhunderte gebraucht hatten, schafften die roten Kader in zwei Jahren.
Von der Ostseeküste bis zum Erzgebirge haben sich riesige Agrarfabriken etabliert. Die Landwirtschaft ist der einzige Wirtschaftszweig Ostdeutschlands, der dem Westen überlegen ist. Schon bald haben die ehemaligen LPG-Chefs ihre Betriebe technisch hochgerüstet, und dann werden allenfalls westdeutsche Großbauern mithalten können.
Mit ihren Betrieben, im Schnitt 1736 Hektar groß, können die Ostdeutschen nicht nur wesentlich rationeller wirtschaften, sie kassieren auch ungleich mehr Subventionen. Die Nachfolgebetriebe der aufgelösten LPG räumen systematisch ab, was an Beihilfen, Subventionen, Ausgleichszahlungen und Prämien zu holen ist. Wo einst in Mecklenburg-Vorpommern Zuckerrüben angebaut wurden, dehnen sich nun kilometerlang riesige Rapsfelder - dank üppiger Subventionen (1232 Mark pro Hektar) ist Rapsanbau lukrativer.
Keine Bauern, sondern Kapitalgesellschaften - etwa als Aktiengesellschaft - bewirtschaften ostdeutsche Äcker: "Ausgeräumte Landschaften mit Monokulturen" beobachtete der Agrarwissenschaftler Hermann Priebe.
Auch mit der Last der Altschulden kommen die Agrarfabriken besser zurecht als Industriefirmen oder Wohnungsgesellschaften. Von den LPG-Nachfolgebetrieben ist etwa jeder zweite mit Altkrediten aus der DDR-Zeit belastet, im Schnitt mit drei Millionen Mark.
Die Chancen stehen indes nicht schlecht, daß das Bundesverfassungsgericht die Altschuldenregelung für Agrarbetriebe kippt - unter anderem auch deshalb, weil den wohlhabenden LPG vor 1990 Kredite aufgedrückt worden waren, mit denen sie sachfremde Aufgaben wie Straßenbau finanzieren mußten.
Eine Rückzahlung der Altkredite dürfte, wenn überhaupt, nur wenige überschuldete Betriebe in den Ruin treiben. Die große Masse der Agrarfabriken mit über 1000 Hektar kann die übernommenen Schulden zurückzahlen - dank der hohen Subventionen. "Wer hat, dem wird gegeben", kritisiert Priebe die staatliche Förderung, die vorwiegend den Goßagrariern zugute kommt und nur zu einem Bruchteil in kleinere Familienbetriebe fließt.
Es hätte ganz anders kommen sollen nach der Wende. Die Bauern, in der DDR zwangskollektiviert und zu Landarbeitern degradiert (siehe Kasten Seite 136), hofften, in der Freiheit ein neues Leben beginnen zu können. Viele wollten sich mit ihrem Land und mit den ausgezahlten LPG-Anteilen als "Wiedereinrichter" eine neue selbständige Existenz aufbauen.
Doch ihre alten Chefs waren schneller. Nur kurz währte der Schrecken aus der Zeit der Wende, dann nahmen die Führungskräfte der Kolchosen elegant die Kurve.
Artur Walda etwa: Der LPG-Chef aus dem sächsischen Grünlichtenberg, zu SED-Zeiten Herrscher über 14 Dörfer, trug damals den Spitznamen "Stalin". Aus seiner Groß-LPG ist längst die Agrargenossenschaft Grünlichtenberg mit 5500 Hektar entstanden, geleitet von Artur Walda. Die Macht des sächsischen Stalin blieb erhalten. Im Landesverband des Deutschen Bauernverbands avancierte Walda gleich zum Vorstandsmitglied.
Oder Bernd Schuster, der noch immer "König von Golßen" genannt wird. In dem brandenburgischen Städtchen führt der ehemalige LPG-Chef als Vorstandsvorsitzender die örtliche Agrargenossenschaft mit 1200 Hektar und einem Gesamtvermögen von 18 Millionen Mark. Reporter des ZDF-Magazins "Kennzeichen D" entdeckten den roten Junker auch in den Akten der Gauck-Behörde. Schuster, Major der Hauptverwaltung Aufklärung, wurde 1989, kurz vor der Wende, Offizier in besonderem Einsatz, im Stasi-Jargon kurz OibE genannt.
Wie in Grünlichtenberg und Golßen hört in den ostdeutschen Dörfern wieder fast jeder auf das Kommando eines früheren LPG-Chefs. Der ist - zusammen mit seinen Freunden - in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zum Großbauern mutiert, zum geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH, zum Vorstandsvorsitzenden einer Genossenschaft oder Aktiengesellschaft.
Die Bauern haben den neuen alten Herren wenig entgegenzusetzen. Am liebsten würde er zur Kalaschnikow greifen, redet sich ein Bauer aus Sachsen-Anhalt in Rage - und bittet gleichzeitig, nicht genannt zu werden, wenn er über seine früheren LPG-Chefs spricht. In den Dörfern des deutschen Ostens geht die Angst vor den einflußreichen Altkadern um.
Die komplizierte Rechtslage versteht keiner, und das nutzen die neuen Herren aus. So weigert sich Fritz Ullrich, Vorstandsvorsitzender der Lausitzer Hügelland Agrar AG, die Mitglieder der aufgelösten LPG Oberlichtenau auszuzahlen. Seine Begründung: Das frisch gegründete Unternehmen brauche dringend das Geld.
Den Anteilseignern der aufgelösten LPG standen stattliche Beträge zu. Die Bäuerin Elfriede Walther etwa hatte Anspruch auf 99 230 Mark. Der Vorstand der neuen AG bot ihr 5175 Mark, zahlbar in drei bequemen Jahresraten.
"Da eine Kapitalgesellschaft Rücklagen benötigt, erhalten Sie . . . laut Satzung einen Gesamtbetrag von 10 350 DM, das sind 207 Aktien im Nominalwert von 50 DM", lautet die Begründung. Da Elfriede Walther keine Aktien haben wollte, gab es eine Abfindung "in Höhe von 50 Prozent des fiktiven Aktiennominalwertes, das sind 5175 DM".
Ein Vermögen von 100 000 Mark einstreichen und dafür 5000 Mark zahlen - so entsteht im Osten neuer Wohlstand.
Die Methoden der roten Landherren sind stets dieselben: Zunächst wird das Vermögen heruntergerechnet, dazu verschwinden die eigentlichen Werte in einer neuen Gesellschaft, in der die Bauern nichts mehr zu sagen haben. Der neue Betrieb gehört jetzt ein paar - oder auch ein paar Dutzend - ehemaligen LPG-Mitgliedern; der Vorsitzende und seine Führungskader besitzen die größeren Anteile an der Agrarfabrik.
Wie reibungslos das abläuft, führten die Herren der LPG Schönau vor. Seit mehr als drei Jahren fordern die Anteilseigner ihr Geld. Doch die Führungskader verfügen immer noch über die Millionenbeträge: Mit verwirrenden Konstruktionen haben sie das Geld vor den Anteilseignern in Sicherheit gebracht. Als die LPG-Mitglieder damals ihre Stimmen zur Umwandlung gaben, so erinnert sich Bauer Werner Dittmann, "wurde uns alles mögliche vorgegaukelt".
Zunächst schlossen sich die LPG Pflanzenproduktion Schönau, die LPG "Karl Marx" Tierproduktion Schönau und die benachbarte LPG "Vorwärts" Kiesdorf zusammen. Als sich die neugeschaffene LPG auflöste, wies sie ein Vermögen von 82 Millionen Mark aus; allein auf der Bank lag ein Guthaben von 14 Millionen.
Das schuldenfreie Eigenkapital von 82 Millionen Mark drückten die Chefs durch Rückstellungen und Rücklagen in der Bilanz auf 52 Millionen herunter. Dann ließen sie das Vermögen auf die Eigensche Agrargesellschaft e.V. - benannt nach dem nahe gelegenen Kloster Eigen - übertragen und gründeten zur Verwaltung des Vermögens die Eigensche Verwaltungs- und Dienstleistungs-GmbH. Die LPG befindet sich seit 1992 in Liquidation.
Die ehemaligen LPG-Führer sind Liquidatoren ihres aufgelösten Betriebs, Vorstände der Eigenschen Agrargesellschaft (in der das Geld gebunkert ist) sowie Gesellschafter und Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft.
Die Bauern haben nichts zu sagen, die Führungskader leiten längst ihre eigenen Betriebe. Udo Kretschmer etwa, der ehemalige Vorsitzende der Pflanzenproduktion, führt die Agrargemeinschaft Schönau. Mit dabei ist rund ein Dutzend ehemaliger LPG-Bauern, nicht einmal ein Zehntel der früheren Mannschaft.
Großbauer Kretschmer hat die Möglichkeit, sich Kredite von der Vermögensverwaltungsgesellschaft zu holen, in der er Geschäftsführer ist. Die wiederum kann sich das Geld von der Eigenschen Agrargesellschaft besorgen, in der Kretschmer - etwas außerhalb der Legalität - Millionenbeträge seiner aufgelösten LPG geparkt hat.
Es geht auch einfacher: Die LPG-Chefs von Großdrebnitz liquidierten kurzerhand ihren Betrieb. Wenig später entsteht daraus, als "Rechtsnachfolger", die Agro-Union-Produktions GmbH & Co. KG.
Ein liquidiertes Unternehmen kann keinen Rechtsnachfolger haben - die LPG-Vorsitzenden hatten das Vermögen auf die neugegründete GmbH & Co. KG übertragen. "Das ist, populär ausgedrückt, reiner Diebstahl", erläutert Anwalt Schachten.
"Übertragende Umwandlung" nennen Juristen diesen beliebten Trick: Still liquidiert wurde beispielsweise die LPG "Einheit" Schlegel und später wieder zum Leben erweckt in Gestalt der Agros Agrarprodukte AG, Zittau - für den Bonner Wirtschaftsanwalt Fritz Lohlein "eine Untreue zum Nachteil der LPG"; eine Strafanzeige sei "dringend erforderlich".
Die Altkader kamen nicht allein auf solche Finten, schließlich standen solche Tricks nicht auf dem sozialistischen Schulungsprogramm. Dieses Defizit nutzten gerissene Rechtsbeistände aus dem Westen. "Wie die Hornissen", weiß Rechtsanwalt Rainer Schimunek aus dem friesischen Jever, schwärmten im Sommer 1990 die Advokaten durch die Dörfer und dienten sich den LPG-Chefs als Helfer für den Übergang in den Kapitalismus an - gegen fette Honorare und oft im Auftrag westlicher Interessenten wie etwa Getreidehändlern.
Solche Helfer hatten die Bauern nicht. Sie fühlen sich allein und im Stich gelassen.
Wenig Chancen hatte mancher Ostbauer auch gegenüber seinem kapitalkräftigen Kollegen aus dem Westen. Mit ihren Mähdreschern und Traktoren auf dem Tieflader zogen Westbauern gleich nach der Wende in den Osten. Sie konnten verhältnismäßig preiswert viele hundert Hektar kaufen oder pachten - anders als in Bayern oder Westfalen, wo das Land knapp ist.
Mancher LPG-Bauer, der 1990 seine Äcker zurückerhielt, hat sein Land lieber an einen reichen Kollegen aus dem Westen verpachtet als an seinen früheren Chef. Viele Großbauern aus dem Westen fanden auch rasch Mittel und Wege, an die Äcker enteigneter Großgrundbesitzer zu kommen: Sie erhielten immerhin gut fünf Prozent dieser Ländereien.
Aber noch besser als die West-Bauern wurden die LPG-Chefs bedient. Tatkräftig half dabei eine Berliner Gesellschaft, die nach der Wende entstand.
1,2 Millionen Hektar Land im Osten sind staatseigen, die Berliner Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), eine Nachfolgegesellschaft der Treuhand, verkauft oder verpachtet die riesigen Flächen der nach Kriegsende verjagten Großgrundbesitzer.
Die BVVG hat das Junkerland in Bonzenhand gegeben: Sie verpachtete die Äcker vorwiegend an die Nachfolgebetriebe der aufgelösten LPG. Die hätten, so das Standard-Argument, "das bessere Konzept" als kleine bäuerliche Betriebe vorgelegt.
Richtiger ist wohl, daß die alten Kader die besseren Verbindungen haben. Ihre Freunde aus früheren gemeinsamen SED-Tagen sitzen überall: bei der BVVG, in Ministerien, in Landwirtschaftskammern, in den Kreisbodenkommissionen und den dörflichen Verwaltungen.
Auf dem Land haben sich die alten Strukturen weitgehend erhalten. Das merkten viele "Wiedereinrichter", die sich um Pachtverträge bemühten.
In einem Antwortschreiben an einen aufgebrachten Landwirt aus Brandenburg beklagte Constantin Freiherr von Heereman, Präsident des Deutschen Bauernverbands, "daß in führenden Positionen von Ministerien, Behörden, Gerichten, Parlamenten und Verwaltungen in den neuen Bundesländern immer noch zahlreiche Personen den Ton angeben, die dem früheren System und der dieses tragenden Partei auf das engste verbunden waren und sind".
Bei dieser Aufzählung hat Heereman eine Organisation übersehen: seinen eigenen Verein, den Deutschen Bauernverband. Im Osten sind die Landesvorsitzenden des Bauernverbands ehemalige LPG-Chefs.
Die Altkader haben den Bauernverband Abteilung Ost fest im Griff, die alten Seilschaften sind intakt.
Den Sächsischen Landesbauernverband führt der ehemalige LPG-Vorsitzende Frank Rentzsch, nun Chef der Vorgebirgsmilch- und Schlachtviehgenossenschaft Rippien (1900 Hektar, 2000 Kühe); 1989 wurde Rentzsch als Nachfolger von Hans Modrow für den SED-Bezirk Dresden gehandelt.
Ein Rentzsch-Stellvertreter ist der ehemalige SED-Genosse Wolfgang Vogel. Der trat als Geschäftsführer der Bauernland GmbH in Beiersdorf bei Grimma zum Kapitalismus über.
Rentzsch hat noch einen Vize, und auch der hat sich in der Vergangenheit ausgezeichnet: Richard Ladenberger, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ruppendorf. Während der November-Unruhen 1989, so erzählen Bauern, habe LPG-Chef Ladenberger sein Personal antreten lassen und angeblich befohlen: "Hier wird nicht demonstriert."
Einstige Stützen des DDR-Regimes wie Artur Walda oder der ehemalige Volkskammerabgeordnete Roland Voigtländer bestimmen die Politik in Heeremans sächsischem Landesverband.
Enttäuscht vom Deutschen Bauernverband, der sich zur Lobby der roten Junker entwickelt hat, haben ostdeutschen Bauern eine Konkurrenzorganisation gegründet, den Deutschen Landbund. Der ist mit seinen 12 000 Mitgliedern, überwiegend Kleinbauern und auch LPG-Rentnern, nicht sonderlich einflußreich. Wie sollte er auch: Ihm fehlt das Netz von Helfern, über das die Großagrarier und ihr Deutscher Bauernverband im ganzen Land verfügen. Landwirt Hartmut Kaiser, der 1980 wegen politischer Unzuverlässigkeit die Leitung der LPG Nucknitz aufgeben mußte und sich nach der Wende selbständig gemacht hat, trifft "auf den Ämtern all diejenigen, die mich früher gemaßregelt haben".
Und der Bauer Fritz Goldberg hat im sächsischen Geithain beobachtet: "In allen Ämtern sitzen die alten Seilschaften."
Wer sich mit den roten Junkern anlegt, braucht Zeit und Nerven. "Das Verarschungsdreieck" nennt Manfred Graf von Schwerin ein beliebtes Spiel auf dem Lande: unliebsame Bürger von einer Behörde zur nächsten zu schicken, bis sie wieder im ersten Amt landen.
Die Macht der alten Genossen, so scheint es, reicht bis in die Postämter.
Der mißliebige Landbund-Präsident Dieter Tanneberger sitzt in dem Erzgebirgsnest Dittmannsdorf, das nächste Postamt befindet sich in dem Ort Olbernhau, dicht an der tschechischen Grenze. Im März gab Tanneberger 5500 Briefe in Olbernhau ab, Einladungen zur Verbandstagung in Schwerin. Nach und nach trudelten die Briefe bei den Empfängern ein, manche Schreiben waren länger als 14 Tage unterwegs. Als die Post in den Briefkästen lag, war die Tagung leider längst vorbei.
Heute meidet Tanneberger die Schneckenpost von Olbernhau. Denn als er nach dem Verbandstag in Schwerin wieder einmal Einladungen verschickte, nunmehr zu einer Kundgebung des sächsischen Landesverbands in Frohnau, kam von den 456 in Olbernhau aufgegebenen Briefen kein einziger an.
Vom Provinzpostamt an der tschechischen Grenze bis zu Agrarausschüssen in Brüssel reicht der Einfluß der ehemaligen Kader. Bei der EU-Vermarktung des Getreides etwa redet Klaus Kliem mit, der noch wenige Jahre zuvor eine LPG bei Erfurt dirigierte. Demokratisch gewendet, arbeitete er sich rasch im Deutschen Bauernverband hoch und wurde Präsident des Thüringer Landesverbands.
Verwunderlich sind solche Karrieren nicht. Seit Jahrzehnten vertritt Heeremans Verband vorwiegend die Interessen der Großbauern, und so nahm er sich fürsorglich der Großagrarier im Osten an - auch wenn deren nunmehr kapitalistische Kolchosen eher Agrarfabriken ähneln als bäuerlichen Gütern.
Daß ostdeutsche Landleute im Verband so schnell wichtige Positionen einnehmen konnten, liegt an der guten Ausbildung der ehemaligen LPG-Vorsitzendenden. Sie sind meist intelligent, wendig und rhetorisch begabt.
Dank dieser Eigenschaften waren sie den LPG-Mitgliedern, die faktisch als Landarbeiter auf den Feldern und in den Ställen schufteten, haushoch überlegen. Einfache Bauern wie Jürgen Meyer aus dem pommerschen Alt-Teterin fühlten sich "wehrlos diesen Menschen ausgesetzt".
Die Chancen waren ungleich verteilt, die LPG-Chefs besaßen zudem auch noch die besseren Freunde - und die nötige Skrupellosigkeit. Den Rest besorgte der Gesetzgeber: Ohne dessen Nachlässigkeit wäre die beispiellose Vermögensübertragung in die Hände der alten Kader nie gelungen.
Der brandenburgische Landwirtschaftsminister schärfte 1993 den Kreisbodenkommissionen ein, sie müßten bei der Landvergabe unbedingt darauf achten, "ortsansässigen Wieder- und Neueinrichtern sowie tätigen Gesellschaftern juristischer Personen die Möglichkeit einzuräumen, wirtschaftlich stabile und zukunftsorientierte Betriebseinheiten einzurichten".
Zweifellos sollte damit der schnelle Aufbau einer leistungsfähigen Landwirtschaft vorangetrieben werden; in der Praxis führte diese Direktive dazu, daß ortsansässige Bauern nur dann Pachtland erhielten, wenn sie genug Geld hatten - ohne ausreichendes Betriebskapital keine wirtschaftliche Stabilität.
Anders als die meisten Bauern hatten die ehemaligen LPG-Führer - als nunmehr "tätige Gesellschafter juristischer Personen" oder als "ortsansässige Neueinrichter" - reichlich Kapital: das Vermögen, um das sie die LPG-Mitglieder geprellt hatten. Als Agrarexperten mit Hochschuldiplom konnten sie mühelos zukunftsorientierte Konzepte vorlegen.
Mit ähnlichen Richtlinien förderte Mecklenburg-Vorpommern den Landerwerb der gewendeten Großagrarier, in allen Bundesländern kamen die ehemaligen LPG-Chefs an staatseigene Äcker. Auch die Bonner Agrarpolitik hat dazu beigetragen, daß die ehemaligen Kolchosen aufblühten.
Für die bäuerlichen Wiedereinrichter gab es eine einmalige Beihilfe von 23 500 Mark, für die Großbetriebe Investitionshilfen bis zu 1,5 Millionen. Zudem durchschauten die ehemaligen LPG-Herrscher viel schneller als die Wiedereinrichter den Bonner und Brüsseler Subventionsdschungel und kassierten gleich kräftig ab.
Vor allem jedoch: Mit Gesetzen, die wenig durchdacht, aber kompliziert waren, machten es die Bonner möglich, daß im Osten neue Agrarkombinate entstehen konnten.
Spätestens am 31. Dezember 1991 mußten sich, das war die Bonner Vorgabe, die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften auflösen. Die Bauern, die ihre Äcker zu DDR-Zeiten in eine LPG hatten einbringen müssen, sollten ihr Land zurückerhalten.
Sie bekamen ihr Land wieder. Doch die meisten, vor allem die Älteren, wagten es nicht, sich selbständig zu machen. Zudem besaßen sie selten mehr als 15 Hektar - viel zu wenig, um das Land selbst rentabel zu bewirtschaften. So blieb den Ostbauern nur die Wahl, zusätzlich Land zu pachten oder aber ihre Äcker zu verpachten.
Und als Pächter boten sich ihnen ihre früheren LPG-Chefs an. Nur wenn die großen Flächen erhalten blieben, würden auch die Arbeitsplätze sicher sein, flunkerten ihnen die roten Verwalter vor.
Die Führungskräfte der LPG Lützen in Sachsen-Anhalt bearbeiteten die potentiellen Verpächter gleich gruppenweise. So bestellten sie die Rentner ihres Betriebs zu einer Versammlung. Gut 200 betagte LPG-Mitglieder saßen zusammen und lauschten den Worten des Vorsitzenden. Ein Teilnehmer erinnert sich noch an einen Kernsatz: "Gebt uns die Felder, dann kann ich garantieren, daß die Arbeitsplätze eurer Kinder bestehen bleiben."
Die Alten nickten. Doch kaum hatten sie die Pachtverträge unterschrieben, wurden ihre Kinder entlassen - wie überall in Ostdeutschland: Die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze stürzte nach der Wende von 890 000 auf 160 000.
So hielten die LPG-Herrscher erst einmal das Land der Bauern zusammen. Dann galt es, eine zweite Bonner Hürde zu nehmen: Ausscheidende LPG-Mitglieder mußten abgefunden werden.
Für die Kühe, Schweine und Traktoren, die sie in die LPG einbringen mußten, sollten die Bauern eine Entschädigung erhalten - schließlich hatten sie damit zum Vermögensaufbau ihrer LPG beigetragen. Auch für die geleistete Arbeit im Sozialismus sollte es Geld geben, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit.
Das Nettovermögen einer aufgelösten LPG sollte so unter den ausgeschiedenen Mitgliedern aufgeteilt werden. Die neuen Herren hatten nur ein Interesse: das Nettovermögen zu verringern. Die Vorsitzenden brauchten nur mit allen möglichen Bilanzierungstricks das Eigenkapital herunterzudrücken.
So schnurrte das ausgewiesene Vermögen bei mancher LPG auf weniger als ein Fünftel des tatsächlichen Wertes zusammen. Die Genossenschaftsmitglieder erhielten nur ein Fünftel des ihnen zustehenden Betrags, den Rest nahm der Vorsitzende als Startkapital für seinen Nachfolgebetrieb.
Was wirklich mit seinem Geld passiert ist, weiß kaum ein Bauer genau. Grundsätzlich hielten die Vorsitzenden ihre Bilanz unter Verschluß, ein klarer Verstoß gegen eine Vorschrift des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes.
Wer unbedingt wissen wollte, warum die einst reiche LPG so arm geworden war, mußte sein Recht auf Einsicht in die Bilanz mit Hilfe eines Anwalts durchsetzen. Und da traten seltsame Rechenkünste zutage.
Im sächsischen Neiden kam wie fast überall ein LPG-Mitglied nur mit Hilfe eines Anwalts an die Bilanz. Der Aschaffenburger Anwalt Klaus Kunze brauchte nur ein paar Stunden an einem Juni-Nachmittag, um hinter den größten Teil der Manipulationen zu kommen.
So fand sich, ein Schmu unter vielen, eine Position "Ungewisse Verbindlichkeiten Gartenbau und Handelsbetrieb" mit 430 000 Mark. Diese Schulden, mit denen das Vermögen der LPG gedrückt werden sollte, waren erfunden, wie der Anwalt schnell herausfand.
Die Ställe und Gebäude, so der Aschaffenburger, seien dreimal soviel wert wie in der Bilanz angegeben; viel Luft enthielten die Rückstellungen für die Sanierung von Altlasten, und auch der bilanzierte Wert des Viehs - 150 Mark pro Kalb, 210 Mark pro Zuchtsau - lag weit unter dem tatsächlichen Wert.
Fazit des Prüfers: Die LPG Neiden hatte ihr Vermögen mit unzulässigen Tricks um mehr als sechs Millionen Mark zu niedrig angegeben.
Für Helmut Born, den Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands in Bonn, sind falsche Bilanzen "nur Einzelfälle". Tatsächlich aber sind Bilanzmanipulationen die Regel - von der Ostsee bis zum Erzgebirge rechneten die roten Junker die Bauern arm.
Strafbar sind solche Praktiken nur in seltenen Fällen: Ob eine Lagerhalle 900 000 Mark wert ist oder nur 200 000, ist eine Bewertungsfrage.
Am ehrlichsten rechneten - scheinbar - die brandenburgischen Großagrarier ab, wie eine Untersuchung des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums zeigte: Von den 235 überprüften Betrieben hatte nur jeder vierte die Bilanzen manipuliert. Doch das hat wenig zu bedeuten: In der Prüfungskommission des Ministeriums saßen jene Anwälte und Wirtschaftsprüfer, die zuvor die LPG-Chefs beraten hatten.
Stichproben des Magdeburger Agrarministeriums ergaben, daß in Sachsen-Anhalt immerhin jede dritte Bilanz "schwere Verstöße gegen das Landwirtschaftsanpassungsgesetz" aufwies - eine "bewußte Manipulation der Vermögensauseinandersetzung", erläuterte der Chef der Prüfungskommission. Prüfer des Dresdner Ministeriums entdeckten in mehr als 50 Prozent der untersuchten Bilanzen gravierende Verstöße, nach Ansicht des Landbunds sind 80 Prozent aller Bilanzen frisiert.
Anwälte der Bauern schätzen, daß nahezu alle Vermögensaufstellungen der LPG gefälscht, unkorrekt oder unzulänglich sind - unzulänglich schon allein deshalb, weil keine oder unvollständige Inventarlisten vorgelegt wurden.
Mühelos konnten die LPG-Chefs sechsstellige Honorare für Rechtsanwälte und Wirtschaftsexperten zahlen, um trickreich Vermögen auf Nachfolgebetriebe zu übertragen. Die Honorare minderten schließlich das Vermögen der LPG - es war ihr eigenes Geld, mit dem die LPG-Mitglieder die Anwaltskosten der Gegenseite finanzierten.
Wie sollten sich die Bauern da wehren? Wer seine Ansprüche durchsetzen will, muß nicht nur die Anwaltshonorare aufbringen, für die verzwickte Materie ist oft auch noch ein Wirtschaftsprüfer nötig. Da eine penible Überprüfung der Bilanzen leicht 20 000 Mark verschlingt, verzichteten viele auf einen Prozeß mit ungewissem Ausgang: Zu beeindruckend schien der geballte juristische Sachverstand der Gegenseite.
Nur selten können die Bauern Hilfe erwarten. Nur weil ein paar der insgesamt 1585 Mitglieder der reichen LPG Frühgemüsezentrum Dresden sich mit chronischer Hartnäckigkeit beim sächsischen Landwirtschaftsministerium beschwerten, gingen die genervten Ministerialbürokraten der Sache nach. Sie beauftragten Wirtschaftsprüfer der BDO Deutsche Warentreuhand, die Bilanz nachzusehen.
Klar, daß auch die Nachfolge-Gesellschaft der LPG Frühgemüsezentrum dubiose Angaben vorgelegt hat. "Erhebliche Mängel" beanstandeten die Prüfer der BDO, reihenweise wurden gesetzliche Vorschriften "in wesentlichen Punkten nicht eingehalten", kritisiert wurden "völlig unangemessene Honorar- und Gehaltsverträge".
Das Gutachten der Wirtschaftsprüfer ging nicht an die Staatsanwaltschaft, es verschwand in einer Schublade des Ministeriums.
Erst jetzt, mehr als vier Jahre nach der Umwandlung der LPG, beginnen Staatsanwälte, einige dubiose Geschäfte zu überprüfen. Das ist ein mühseliges Unterfangen, denn die Anwälte der LPG-Chefs haben oft verwirrende Konstruktionen geschaffen.
Auch wenn unter den roten Junkern der eine oder andere wegen Untreue oder Unterschlagung verurteilt werden sollte - dies ändert nichts an den Strukturen, die sich inzwischen verkrustet haben: Bäuerlichen Familienbetrieben wurde die Existenzgrundlage entzogen, die ehemaligen LPG-Vorsitzenden herrschen in den Dörfern.
Die Voraussetzungen sind geschaffen, nun beginnt das große Geldverdienen: Die Gewinne können die neuen alten Herren unter sich aufteilen. Ein perfektes System der Vermögensvermehrung, entwickelt von gerissenen West-Anwälten, gefördert vom Deutschen Bauernverband, toleriert von der Bonner Politik. In wenigen Jahren können die roten Junker die gepachteten staatseigenen Ländereien zu Sonderkonditionen kaufen.
Kein Wunder, daß viele Landleute nicht nur an der Marktwirtschaft, sondern auch am Rechtsstaat zweifeln. "Wir wollten einen anderen Staat", sagt Bauer Fritz Tannewitz, der sich auf 36 Hektar abrackert, "aber so einen nicht." Y
*VITA-KASTEN-1 *ÜBERSCHRIFT:
Mit Plakaten *
schürte die SED in den fünfziger Jahren auf dem Land Aversionen gegen die Großgrundbesitzer. Zu den Volkskammerwahlen im Oktober 1954 etwa holperte ein Plakatreim: "Am 17.10. erfährt es Herr von Zitzewitz, das Schloß bleibt auch in Zukunft Volksbesitz". Wenig später rückte die Propaganda für die LPG in den Vordergrund - bis 1960, als alle DDR-Bauern in die LPG gepreßt worden waren.
[Grafiktext]
LPG-Aufteilung in neue Großbetriebe
Umwandlung d. LPG u. Nachfolgegesellschaft
[GrafiktextEnde]

DER SPIEGEL 24/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 24/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„BELOGEN UND BETROGEN“

Video 03:09

Web-Phänomen Murmel-Olympiade Unterwasserrennen und Verletzungspech

  • Video "Nächster Sieg für City: Sané und Gündogan glänzen gegen Tottenham" Video 03:03
    Nächster Sieg für City: Sané und Gündogan glänzen gegen Tottenham
  • Video "Webvideos der Woche: Ihr Gepäck finden Sie am Lost & Found-Schalter..." Video 02:55
    Webvideos der Woche: Ihr Gepäck finden Sie am Lost & Found-Schalter...
  • Video "Torkeln am Bahnsteig: Bahn warnt Festtagstrinker mit Unfall-Videos" Video 01:10
    Torkeln am Bahnsteig: Bahn warnt Festtagstrinker mit Unfall-Videos
  • Video "Videoanalyse zum Parteitag: Die CSU ist in einem desolaten Zustand" Video 03:39
    Videoanalyse zum Parteitag: "Die CSU ist in einem desolaten Zustand"
  • Video "Zwei Reporter in Burma verhaftet: Das letzte Wort hat immer noch das Militär" Video 02:37
    Zwei Reporter in Burma verhaftet: Das letzte Wort hat immer noch das Militär
  • Video "E-Sport an der Universität: Der Weg zum Diplom-Zocker" Video 02:14
    E-Sport an der Universität: Der Weg zum Diplom-Zocker
  • Video "CSU-Parteitag: Zum Streiten machen wir die Haustüre zu" Video 02:25
    CSU-Parteitag: "Zum Streiten machen wir die Haustüre zu"
  • Video "Neue Jupiter-Animation: Sturzflug in den Großen roten Fleck" Video 01:17
    Neue Jupiter-Animation: Sturzflug in den "Großen roten Fleck"
  • Video "Officer down: Britische Polizei lacht über ausgerutschten Kollegen" Video 01:04
    "Officer down": Britische Polizei lacht über ausgerutschten Kollegen
  • Video "Abschied mit Tränen: Wolfgang Kubickis letzter Auftritt im Landtag" Video 02:00
    Abschied mit Tränen: Wolfgang Kubickis letzter Auftritt im Landtag
  • Video "Ex-SPD-Chef Kurt Beck über GroKo-Gespräche: Der gleiche Mist wie bei Jamaika" Video 02:12
    Ex-SPD-Chef Kurt Beck über GroKo-Gespräche: "Der gleiche Mist wie bei Jamaika"
  • Video "Star Wars am Wohnhaus: So haben Sie Darth Vader noch nie erlebt" Video 01:26
    Star Wars am Wohnhaus: So haben Sie Darth Vader noch nie erlebt
  • Video "Waffenschau in Washington: USA präsentieren Beweise für Irans Einmischung im Jemen" Video 00:56
    Waffenschau in Washington: USA präsentieren Beweise für Irans Einmischung im Jemen
  • Video "Bei Schnee auf die Rennstrecke: Weißes Rauschen" Video 00:55
    Bei Schnee auf die Rennstrecke: Weißes Rauschen
  • Video "Web-Phänomen Murmel-Olympiade: Unterwasserrennen und Verletzungspech" Video 03:09
    Web-Phänomen Murmel-Olympiade: Unterwasserrennen und Verletzungspech