15.04.2013

PSYCHOLOGIERaubtiere ohne Kette

Könnte man auch Karriere machen, statt zum Serientäter zu werden? Seelenkundler entdecken den Typus des beruflich erfolgreichen Psychopathen. Ein britischer Gelehrter glaubt sogar, dass jeder von den Gestörten lernen kann.
Auf der Suche nach dem Monster in sich ließ sich Kevin Dutton, Professor am altehrwürdigen Magdalen College der Oxford-Universität, auf einen Stuhl festschnallen. Dann wurde der Kopf des Gelehrten mit einem Geschirr fixiert und sein Gehirn einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt.
Die Prozedur diente dazu, die Funktionsfähigkeit seines Gefühlszentrums zu stören. Nach wenigen Augenblicken spürte der Proband, wie "die ersten Anzeichen einer subjektiven moralischen Arroganz" in ihm aufbrandeten.
In diesem Zustand übersteigerten Selbstvertrauens spielten die Experimentatoren Dutton ein Video mit gräuslichen Inhalten vor; zu sehen waren in dem Film Menschen, die gefoltert, verstümmelt und hingerichtet wurden. Duttons unmittelbare Reaktion auf die Horrorschau: "Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, ein Lächeln zu unterdrücken", bekundete er gegenüber dem Laborpersonal.
Messergebnisse bestätigten, dass der Zustand moralischer Fragwürdigkeit nicht gespielt war. Duttons Herz schlug ruhig, seine Gehirnströme zogen trotz der gezeigten Gewaltexzesse in sanften Wellen dahin. Die Transformation war geglückt. Für einige Momente betrachtete der englische Psychologe die Welt mit ähnlicher Gewissenlosigkeit wie jene merkwürdig Gestörten, deren seelische Abgründe er erforscht: Psychopathen.
"Diese Menschen können ihre Opfer mit so viel Anteilnahme foltern und verstümmeln wie unsereiner, wenn er eine Weihnachtsgans tranchiert", sagt Robert Hare. Um 1980 herum entwickelte der kanadische Psychologe erstmals ein Instrument, mit dem sich Psychopathen einigermaßen zuverlässig identifizieren lassen. Seine Checkliste wird bis heute in der US-Psychiatrie verwendet.
Allerdings hat der Psychotest auch einen Nachteil: Er ist auf kriminelle Gewalttäter zugeschnitten und erfasst nur jene, die aufgrund abscheulicher Taten
im Gefängnis gelandet sind. Viele Experten sind inzwischen jedoch sicher, dass psychopathische Serientäter nur die extreme Ausprägung einer verbreiteten seelischen Störung darstellen.
Die weitaus größere Zahl von Psychopathen, vermuten die Forscher, läuft frei herum und zeichnet sich teilweise sogar durch besonderen Erfolg im Beruf aus. Mit ihren schwerkriminellen Pendants teilen diese Menschen zwar die Eigenschaft beinahe völliger Furchtlosigkeit und Gefühlskälte - anders als den inhaftierten Killern gelingt es ihnen jedoch, die Störung in einen Vorteil umzumünzen: Sie zerstückeln niemanden, sondern machen Karriere.
Psychologen bezeichnen diese Vertreter der verstörenden Geistesdeformation deshalb als erfolgreiche Psychopathen. "Aufgrund irgendeines darwinistischen Narrenstreichs besitzen sie genau die Persönlichkeitsmerkmale, für die viele von uns alles geben würden", sagt Dutton. Das Selbstbewusstsein dieser Sorte Mensch funkt stets auf höchster Frequenz. Kaum je plagt sie ein Anflug von Selbstzweifeln oder schlechtem Gewissen. Dutton ist deshalb überzeugt, dass Durchschnittsmenschen von der psychopathischen Art des Denkens lernen können.
"Psychopathie ist wie Sonneneinstrahlung. Wenn man zu viel davon abbekommt, ist sie gefährlich. Aber bei einem vernünftigen Umgang hat sie einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität", behauptet der Psychologe in einem Buch, das in dieser Woche in Deutschland erscheint(*).
Lange galt es unter Experten als nahezu ausgeschlossen, dass Psychopathen überhaupt in ein annähernd normales Berufsleben integriert werden könnten. Ihre Sprunghaftigkeit, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit und ihr übersteigertes Gefühl der eigenen Wichtigkeit machten es diesen Menschen unmöglich, für längere Zeit einen Job zu behalten, davon waren die Psychologen überzeugt.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit, so die Experten, müsse der psychopathische Lebensstil früher oder später hinter Gittern enden. Entsprechend konzentrierte sich die Forschung auf jene menschlichen Monstrositäten, die dazu neigen, ihre Opfer in Kellerverliesen zu foltern, zu häuten und auszuweiden.
Erst allmählich dämmert den Psychologen, dass sich die von der Persönlichkeitsstörung Betroffenen wie Raubtiere ohne Kette auch in den Spitzenpositionen der Gesellschaft tummeln. Gerade moderne Unternehmen mit ihren sich rasch wandelnden Strukturen stellen den idealen Nährboden für psychopathische Aufsteiger dar. Wie das sogar auf gedeihliche Weise funktionieren kann, beschreibt Dutton am Beispiel von Steve Jobs.
Der Apple-Gründer habe das nötige "Triumvirat" an Eigenschaften besessen: "Charme, Fokussiertheit und Skrupellosigkeit - drei der offensichtlichsten Merkmale des Psychopathen", sagt Dutton.
Recht zaghaft waren anfangs die Versuche der Wissenschaft, Psychopathen im Alltagsleben aufzuspüren. In den siebziger Jahren fahndete etwa eine US-Forscherin per Inserat in einer Bostoner Tageszeitung nach gefühlskalten Antisozialen: "Gesucht: Charmante, aggressive, unbekümmerte Leute ohne Verantwortungsgefühl, die aber gut darin sind, andere Menschen zu beeinflussen, und sich selbst am wichtigsten sind."
Für sein Buchprojekt startete Dutton jetzt eine breit angelegte Untersuchung, um herauszufinden, in welchen Berufen Psychopathen vorwiegend Fuß fassen. Die vorderen Plätze belegen Firmenchefs und Anwälte. Auf Platz vier landeten die Chirurgen. "Sie müssen Leuten ziemlich üble Dinge antun, und das kann man nur, wenn man die Tatsache abspalten kann, dass da ein Mensch vor einem liegt, an dem man herumschneidet", lautet Duttons Begründung.
Weit oben auf der Liste, auf Platz acht, liegen auch die Geistlichen - wenig überraschend, findet Dutton: "Psychopathen tun sich immer dort hervor, wo es dynamische Machtstrukturen gibt, die sie kontrollieren und manipulieren können. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Kirche nicht von anderen Unternehmen."
Verwundert notierte der Wissenschaftler allerdings, wie wenig Berührungsängste die Befragten mit dem Persönlichkeitstest hatten. Darauf angesprochen, dass sie in der Psychopathie-Skala ziemlich weit oben liegen, reagierten die Betroffenen in der Regel völlig entspannt. "Die meisten sagen nur: ,Das überrascht mich überhaupt nicht. Ich könnte meinen Job gar nicht machen, wenn es anders wäre.'"
Den Unterschied zwischen einem psychopathischen und einem normalen Unternehmenslenker fasst Dutton so zusammen: "Ein normaler Mensch würde sich in der Toilette einschließen und kotzen, wenn er gerade eine Milliarde versemmelt hätte. Der Psychopath geht unverdrossen nach Hause und denkt nicht mehr daran."
Gemeint sind Finanzjongleure wie der einstige Börsenmakler Bernard Madoff oder der letzte Chef der 2008 untergegangenen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, Richard Fuld. Madoff hatte einen Investmentfonds nach dem Prinzip eines Schneeballsystems aufgebaut. Der Zusammenbruch des Fonds richtete einen Schaden von rund 65 Milliarden Dollar an.
Perplex fragten sich Beobachter, wie ein Einzelner einen globalen Finanzskandal dieses Ausmaßes anrichten konnte. "Mr. Madoff besitzt offenbar viele jener zerstörerischen Eigenschaften, die für Psychopathen typisch sind", zitierte die "New York Times" einen früheren FBI-Profiler. Das "Time"-Magazin analysierte, der für die Planung des Schneeballsystems erforderliche Vorsatz setze "eine Störung voraus, die die Ebene echter Psychopathie erreicht".
Die Insolvenz der Bank Lehman Brothers übertrifft die Madoff-Pleite sogar noch bei weitem; angeblich hinterließ der Zusammenbruch des Finanzkonzerns Schulden von über 600 Milliarden Dollar. Als Hauptverantwortlicher für den Bankrott gilt Richard Fuld. Sein Lebenslauf kann als Beispiel eines Vorzeigepsychopathen gedeutet werden.
Vor seiner Karriere im Finanzwesen arbeitete Fuld als Pilot der US-amerikanischen Luftwaffe - ein Hochrisikoberuf, wie ihn die nach ständigem Nervenkitzel gierenden Psychopathen bevorzugt wählen. Auch der Grund für sein Ausscheiden aus dem Soldatenleben erscheint typisch: Fuld hatte einen Vorgesetzten mit Fäusten traktiert.
In einem vor wenigen Wochen erschienenen Fachaufsatz attestiert der Psychoanalytiker Mark Stein von der University of Leicester dem einstigen Lehman-Lenker eine Hybris und "Omnipotenz, die von einem überaus aggressiven Verhalten begleitet wurden". Fuld, bekannt auch unter seinem Spitznamen Gorilla, drohte seinen Gegnern gern an, ihnen das Herz bei lebendigem Leibe herauszureißen und es aufzuessen.
Wichtiger noch: Seit seinem Aufstieg zum Chef des Bankhauses im Jahr 1994 lebte der Selbstverliebte seine Neigung zur Grandiosität ungehemmt aus. "Das Konzept von Fuld als einem besonderen, einzigartig wertvollen Führer wurde zum zentralen Aspekt in der Unternehmenskultur von Lehman", analysiert Stein.
In welchem Maß psychopathische Merkmale unter Firmenchefs verbreitet sind, lässt eine Studie der beiden Psychologinnen Belinda Board und Katarina Fritzon erahnen. Die Wissenschaftlerinnen verglichen für eine Studie die Wesenszüge von 39 britischen Unternehmern mit denen von über tausend Insassen der englischen Hochsicherheitspsychiatrie Broadmoor.
Verblüfft notierten Board und Fritzon, dass die Manager die Patienten aus der abgeriegelten Nervenklinik in jenen Eigenschaften sogar übertrafen, die dem psychopathischen Spektrum zugeschrieben werden: Unaufrichtigkeit, manipulatives Verhalten, Egozentrik, Mangel an Empathie, Sturköpfigkeit und herrisches Auftreten.
Wegen dieser verblüffenden Befunde streiten sich die Gelehrten, ob die Häufung solcher Persönlichkeitsmerkmale tatsächlich als Störung zu bezeichnen ist oder ob es sich womöglich eher um eine überhöhte Form eines normalen Verhaltens handelt. Checklisten-Erfinder Robert Hare plädiert dafür, ab einem bestimmten Punktewert in seinem Test eine eindeutige Psychopathie-Diagnose zu stellen.
Kevin Dutton hingegen ist davon überzeugt, dass die Übergänge fließend sind. "Mit der Psychopathie verhält es sich wie bei den Tarifzonen auf einer U-Bahn-Karte. Wir haben es mit einem Spektrum zu tun, auf dem fast jeder von uns seinen Platz hat. Nur eine kleine Minderheit bevölkert die Innenstadt."
Der harte Kern dieses beunruhigenden Menschenschlags gibt den Wissenschaftlern noch immer Rätsel auf. Die Psychologen fragen sich, wieso der verstörende Seelenzustand der Psychopathie überhaupt entstehen konnte - und ob dieser sogar nützlich sein könnte. Handelt es sich womöglich, wie Dutton spekuliert, "um eine heimtückische, evolutionäre Huckepackvariante dessen, was früher in der Menschheitsgeschichte einmal sinnvoll war"?
Denkbar wäre beispielsweise, dass die so furcht- und gewissenlos Handelnden die Nachfahren jener Krieger sind, die in archaischen Gesellschaften das Überleben ihres Stammes sicherten. Möglich sei aber auch, dass es sich um einen "biologischen Blindgänger" handle, räumt Dutton ein.
Aufschluss könnte die Lösung eines weiteren Mysteriums geben, das die Psychologen neuerdings beschäftigt: Warum gelingt es manchen Psychopathen, aus ihrer Störung überaus erfolgreich Kapital zu schlagen, während andere Betroffene ihr Leben anscheinend von Kindesbeinen an gezielt durch schlimmste Gewaltverbrechen ruinieren?
Lange galt klinischen Forensikern als Gewissheit, dass psychopathisch Veranlagte trotz eines häufig hohen Intelligenzquotienten nicht in der Lage sind, ihre Impulse zu kontrollieren. Diese Menschen dürsteten nach sofortiger Befriedigung ihres Verlangens - selbst wenn es die Tötung eines Opfers erfordert.
Eine realistische Planung ihres eigenen Lebens misslingt ihnen in der Regel. Gutachter sind häufig verwundert über jenen Typus von Häftling, der zwar zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, aber dennoch seine eigene Zukunft in hellsten Farben ausmalt.
Ganz anders die beruflich erfolgreichen "milden" Psychopathen: "Sie besitzen die Fähigkeit, das Einfordern der Belohnung aufzuschieben. Das mag durchaus der ausschlaggebende Punkt dafür sein, dass das Pendel zugunsten eines strukturierteren, weniger impulsiven und weniger antisozialen Lebensstils ausschlägt", erläutert Dutton.
Mehr noch: Offenkundig besitzen diese Menschen Fähigkeiten, die sie sowohl von ihren kriminellen Artgenossen als auch vom Rest der Bevölkerung unterscheiden. Zwar sei für sie, wie für alle Psychopathen, die Belohnung oder ein Kick die wesentliche Triebfeder ihres Handelns. Doch zugleich, so Dutton, könnten sie weit besser als andere Menschen ihre Aufmerksamkeit messerscharf auf eine vor ihnen liegende Aufgabe richten "und alles Ablenkende gnadenlos herausfiltern".
Wegen dieser Eigenschaften sei es kein Zufall, dass diese Menschen dort arbeiteten, wo gewöhnlicheren Zeitgenossen die Nerven versagten, argumentiert der Psychologe. Kevin Duttons Lieblingsbeispiele für funktionelle Psychopathen sind der ehemalige britische Elitesoldat und Buchautor Andy McNab und der Boxer Sugar Ray Leonard.
"Leonard hat alle getäuscht mit seinem guten Aussehen und seiner feinen Wortwahl", sagt Dutton. "Tatsächlich war er das Musterbeispiel eines Sportlers, der über psychopathische Fähigkeiten verfügte. Schwächen seiner Gegner hat er sofort erkannt und dann wie eine Kobra zugeschlagen."
Mit dem einstigen Anti-Terror-Kämpfer McNab verbindet den Psychologen sogar eine Freundschaft. "Ich finde es wunderbar, mit diesen Leuten rumzuhängen. Aber wenn es zur Sache geht, sind Soldaten solcher Spezialeinheiten eiskalt. Das ist das ideale Betätigungsfeld für einen funktionellen Psychopathen", sagt Dutton.
Wie auch das Amt des amerikanischen Präsidenten.
Der Psychologe Scott Lilienfeld von der Emory University im US-Bundesstaat Georgia wagte ein Experiment, das neue Einblicke in das Seelenleben der mächtigsten Männer der Welt erlaubt. Gemeinsam mit einigen Kollegen rekrutierte Lilienfeld einen Pool von 121 Experten, die sich eingehend mit einem oder mehreren der US-Präsidenten beschäftigt hatten.
Die Geschichtskundigen sollten einen umfangreichen Fragenkatalog ausfüllen, den Lilienfeld gemeinsam mit einem Kollegen entwickelt hatte: die "Psychopathic Personality Inventory" - eine Art Persönlichkeitsbegutachtung. Anders als der Hare-Test ist Lilienfelds Fragebaukasten auf all jene Psychopathen zugeschnitten, die keine Verbrechen begangen haben.
Das Ergebnis der Befragung war irritierend. Auf Spitzenplätzen landeten ausgerechnet zwei Staatenlenker, die in den Augen ihrer Wähler das bessere Amerika verkörperten: John F. Kennedy und Bill Clinton.
Einer der vermeintlich größten Bösewichte der jüngeren US-Geschichte hingegen landete abgeschlagen auf einem hinteren Platz, mit einigem Abstand hinter Abraham Lincoln: Richard Nixon.
"Es mag überraschen, dass Nixon unter dem Durchschnitt liegt, was psychopathische Eigenschaften anbelangt", erläutert Lilienfeld, "aber die Historiker haben ihn vor allem als angespannt, nervös und paranoid beschrieben."
Ganz anders sein großer Gegenspieler John F. Kennedy: ein gesundheitlich schwer angeschlagener Mann, der dem Volk dennoch das Bild eines kraftstrotzenden Tatmenschen verkaufen konnte; der in der Kuba-Krise die Nerven behielt und dem Gegner Sowjetunion trotzte, obwohl die Welt am Rande eines Atomkriegs stand.
Mit Bill Clinton teilte JFK den promiskuitiven Lebensstil und scheinbar unerschöpfliche Reserven an Charisma. Doch ihren Weggefährten blieben beide Männer merkwürdig fremd. Clinton etwa wirkte auf seinen Berater George Stephanopoulos "wie ein Kaleidoskop", das für jeden alles sein konnte und dessen wahre Persönlichkeit schwer zu fassen sei.
Gewöhnlich wird Psychopathen ein Mangel an Empathie attestiert. Doch Dutton vermutet, dass die meisten Betroffenen im Gegenteil in besonderer Weise fähig sind, die Empfindungen ihrer Mitmenschen zu entschlüsseln. Nur nutzen sie ihr Wissen dann lediglich zu ihrem Vorteil.
Eine Studie legt nahe, dass Psychopathen im Gesicht ihres Gegenübers sogenannte Mikroausdrücke wahrnehmen können - winzige und unwillkürliche Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, die im Bruchteil einer Sekunde ablaufen und die wahre Verfassung eines Menschen offenbaren.
Aufgrund dieser Fähigkeit sind Psychopathen talentiert darin, anderen etwas vorzugaukeln. Laut Dutton stellen deshalb auch Sekten ein ideales Biotop für die skrupellosen Schwindler dar.
So hält etwa der Göttinger Psychologe Borwin Bandelow "das Phänomen Rote Armee Fraktion in der Rückschau für den Auswuchs der Selbstdarstellung eines Einzelgängers" - Andreas Baader. Dem "charismatischen Terror-Zampano" sei es in Wahrheit nie um Politik gegangen. "Sein Ziel war das Ausagieren seiner Persönlichkeitsstörung", analysiert Bandelow.
Wie man seine Anhänger unverblümt und auf überaus komfortable Weise ausbeutet, führte in den siebziger Jahren ein anderer Sektenführer virtuos vor. Der Inder Chandra Mohan Jain, besser bekannt als Bhagwan, predigte seinen Jüngern Bescheidenheit, strebte für sich selbst jedoch den Besitz eines Rolls-Royce für jeden Tag des Jahres an.
Dass seine Anhänger diesen Widerspruch klaglos akzeptierten, kommentierte Bhagwan in der wohl einzig möglichen Weise: "Fünf Prozent der Menschen sind intelligent, die restlichen 95 Prozent sind unsere Anhänger."
(*) Kevin Dutton: "Psychopathen. Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann". Deutscher Taschenbuch Verlag, München; 320 Seiten; 14,90 Euro.
Von Frank Thadeusz

DER SPIEGEL 16/2013
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