23.10.1995

BankenGrob fahrlässig

Ein Focus-Bericht brachte die Mody Bank in Schwierigkeiten. Muß das Magazin den Schaden ersetzen?
Mitten in der Hamburger City, in den feinen Räumen der Mody Bank, sitzt Vorstandsmitglied Otto Graf zu Eulenburg und geht seinen Geschäften nach. Das ist, unter den derzeitigen Bedingungen, keine leichte Aufgabe.
Die Bedingungen diktiert das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Die Vorstände der Mody Bank müssen Schulden eintreiben, Anleger und Aktionäre auszahlen. Danach ist wohl Schluß.
Doch die Auseinandersetzungen über das unrühmliche Ende der Privatbank werden dann erst richtig beginnen. Erst dann läßt sich beziffern, welcher Vermögensschaden den Aktionären des privaten Kreditinstituts entstanden ist. Und diesen Schaden, vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag, wollen sich die Eigentümer von dem Münchner Magazin Focus ersetzen lassen.
Am 16. Januar dieses Jahres berichtete Focus über die "Hamburger Privatbank in Not: Kunden zittern um ihr Geld". Noch am Montag begann der Run auf die Bank: Die Kunden wollten ihr Geld zurück. Dienstag abend mußte die Bank vorläufig geschlossen werden.
Damit war eingetreten, was Focus behauptet hatte. Doch steckte die Bank schon vor dem 16. Januar in Schwierigkeiten? Oder geriet sie erst durch die Berichterstattung in Not? Von der Antwort auf diese Frage hängt ab, ob eine mögliche Klage auf Schadensersatz Aussicht auf Erfolg hat.
Die Aktionäre können sich auf ein Urteil berufen, das ihre Sicht der Dinge stützt. In der vergangenen Woche stellte das Hamburger Landgericht in erster Instanz fest: "Die Mody Bank hat sich vor dem 16. Januar 1995 nicht in Zahlungsschwierigkeiten befunden."
Das Gegenteil konnte Focus jedenfalls nicht beweisen. "Grobe Fahrlässigkeit" wirft das Gericht dem Magazin deshalb vor. Von einer sorgfältigen Recherche könne nicht ausgegangen werden.
Das Verfahren hatte Winfried Fischer, ein Berater der Mody Bank, angestrebt. Er sah durch einen Focus-Bericht vom 23. Januar seine Persönlichkeitsrechte verletzt und klagte auf Unterlassung, Widerruf und Schmerzensgeld. Der ehemalige Sparkassenvorstand Fischer habe schon vor dem 16. Januar von den Zahlungsschwierigkeiten der Bank gewußt, schrieb Focus, und er habe gegen Provision in großem Umfang _(* Nach der vorläufigen Schließung am ) _(18. Januar. )
Anleger akquiriert. Beides ist nach Ansicht des Gerichts falsch. Es sprach Fischer eine Richtigstellung und ein Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Mark zu. In Hamburger Justizkreisen wird der Prozeß als Pilotverfahren für eine Klage der Mody-Aktionäre gewertet.
Von Zahlungsschwierigkeiten der Bank war in dem ersten Focus-Artikel allerdings nicht die Rede gewesen. Da ging es vornehmlich um die zivilrechtlichen Streitigkeiten zwischen dem Bank-Gründer Arend Mody und dessen ehemaligen Generalbevollmächtigten Otto Wiedemann.
Wiedemann fordert von seinem Ex-Partner 21 Millionen Mark. Um den Druck auf Mody zu erhöhen, bot er seine Geschichte den Medien an. Focus griff zu.
Die Autoren des Beitrags "Modys Tricks" machten keinen Unterschied zwischen den Problemen des Privatmannes Mody und denen des gleichnamigen Geldhauses, an dem Mody nur mit knapp zehn Prozent beteiligt ist. "Das war ein Streit zwischen Privatleuten", sagt Mody. "Das hatte mit der Bank nichts zu tun."
Für Focus könnte vor allem gefährlich werden, daß der Beitrag auf der Titelseite mit den Worten "Hamburger Privatbank in Not" angekündigt wurde. Auch in der Fernsehwerbung hatte Focus-Chefredakteur Helmut Markwort ("Fakten, Fakten, Fakten") an die Ängste der Anleger appelliert.
"Wenn ich dort Geld gehabt und die Werbung gesehen hätte, wäre ich gleich am Montag bei der Bank gewesen", sagt der Hamburger Anwalt Matthias Prinz, der den Mody-Berater Fischer vertritt. Das ging vielen Kunden offenbar genauso: Die Bank ließ sich von allen, die in den folgenden Tagen ihr Geld zurückforderten, schriftlich bestätigen, warum sie gekommen waren.
Nach zwei Tagen war das Geld weg. Die Bank schloß und handelte mit dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ein Moratorium aus. Seither zahlt das Institut, das noch immer seine Banklizenz besitzt, den Einlegern das Geld in Raten zurück. Im Januar und im Juni nächsten Jahres sind noch zwei Raten von jeweils acht Millionen Mark fällig. Danach wird die Bank, wenn sich nicht doch noch ein Käufer findet, liquidiert. Wenn alles gutgeht, werden dann alle Einlagen zurückgezahlt sein.
Auch diese geordnete Abwicklung, meint Bankier Mody, spreche gegen die These, das Kreditinstitut sei zahlungsunfähig gewesen.
Genau das will Focus doch noch beweisen, in der Berufung gegen das Urteil im Fall Fischer. "Dann", verspricht Robert Schweizer, der Justitiar des Burda-Verlags, "werden wir das Beweismaterial vorlegen." Y
* Nach der vorläufigen Schließung am 18. Januar.

DER SPIEGEL 43/1995
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