09.10.1995

DDRKonspirativer Kontakt

Ein erst kürzlich entdecktes Dokument aus SED-Akten belegt, daß SED-Politbüromitglieder Anfang der achtziger Jahre bei der sowjetischen Führung gegen Erich Honecker intrigiert haben. In einem Bericht an die Moskauer Führung vom April 1980 erhob das Politbüromitglied Werner Krolikowski schwere Vorwürfe gegen Parteichef Honecker und den DDR-Wirtschaftslenker Günter Mittag. Das Dokument ist in einem Anfang Oktober erschienenen Buch "Von Hubertusstock nach Bonn" der Berliner Historiker Detlef Nakath und Gerd-Rüdiger Stephan abgedruckt. Krolikowski wirft Mittag darin vor, er habe bei dem Besuch der Hannover-Messe ein zweistündiges Gespräch mit "konspirativem Charakter" mit Bundeskanzler Helmut Schmidt geführt, der Genosse sei als "Teilnehmer eines deutsch-deutschen Techtelmechtels" aufgetreten. Honecker und Mittag ginge es "gar nicht um die Durchsetzung der Gesamtinteressen der sozialistischen Gemeinschaft". Das Krolikowski-Papier fand sich in Akten seines Mitstreiters, des von Honecker weitgehend entmachteten DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph. Wie die Freunde im Kreml auf die Meldung reagierten, geht aus den SED-Akten nicht hervor. Sie verfolgten Honeckers Treiben Anfang der achtziger Jahre allerdings besonders argwöhnisch und verhinderten 1984 seinen geplanten Besuch in der Bundesrepublik.

DER SPIEGEL 41/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

DDR:
Konspirativer Kontakt

  • Rot und groß: So sah der Superblutmond aus
  • Seemann mit YouTube-Kanal: Mitten durch die Monsterwellen
  • Rassismusdebatte um Video: Jugendliche Trump-Fans treffen auf Ureinwohner
  • Wintersturm-Folgen: Bizarre Eisskulpturen am Lake Ontario