09.10.1995

Vatikan

Enzyklika entdeckt

Aus den Archiven des Vatikans ist ein brisantes Dokument aufgetaucht: ein Enzyklika-Entwurf von Papst Pius XI. gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Im Sommer 1938 hatte der bereits kränkelnde Papst dem amerikanischen Jesuiten Jean LaFarge den Auftrag erteilt, einen Text zu verfassen, der den Antisemitismus und das Nazi-Regime klar verurteilen sollte. Im November 1938 war der Entwurf fertig. In jesuitischem Gehorsam legte der Verfasser den Text erst dem Ordensoberen Wladimir Ledochowski vor. Dem kam das Dokument reichlich gewagt vor; er bat den Chefredakteur der Jesuitenzeitschrift La Civilta Cattolica, Pater Rosa, um einige Korrekturen. Aber der starb Ende des Jahres 1938. Pius XI. hat den Text noch gesehen, ihn aber nicht mehr bearbeiten können: Er starb am 10. Februar 1939. Sein Nachfolger Pius XII. entschied sich für größere Diplomatie im Umgang mit dem Deutschen Reich. Die Enzyklika seines Vorgängers blieb in der Schublade. Vergangene Woche hat der belgische Historiker Bernard Suchecky den umstrittenen Text in Buchform veröffentlicht.


DER SPIEGEL 41/1995
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