13.11.1995

AutomobileHeftiger Flirt mit Chrysler

Mercedes-Benz will möglicherweise schon bald eng mit dem amerikanischen Automobilhersteller Chrysler zusammenarbeiten. Chrysler-Chef Robert Eaton und Mercedes-Lenker Helmut Werner sind sich darüber einig, daß beide Unternehmen sich auf mehreren Märkten und bei einigen Modellen hervorragend ergänzen könnten. Eine vom Mercedes-Vorstand eingesetzte Kommission von Experten aller Unternehmensbereiche hat bereits einen umfangreichen Katalog sinnvoller Gemeinschaftsprojekte zusammengestellt. So könnte sich Chrysler am geplanten Bau einer Pkw-Fabrik in Brasilien beteiligen, in der Mercedes die neue A-Klasse für den südamerikanischen Markt produzieren will. Mercedes könnte im Gegenzug den drittgrößten US-Hersteller, dessen Motorenpalette teilweise veraltet ist, mit Antriebsaggregaten beliefern. Auch eine wechselseitige Kapitalbeteiligung wird nicht ausgeschlossen. Mercedes will seine Position in der Automobilindustrie, in der die Stuttgarter, gemessen an der Zahl produzierter Pkw, Nummer 16 sind, gewaltig ausbauen. So soll die Produktion bis zum Jahr 2000 auf 1,3 Millionen Fahrzeuge mehr als verdoppelt werden. Zugleich suchen die Stuttgarter nach einem Kooperationspartner, mit dem sie ihre Offensive verstärken könnten. Helmut Werner verhandelte bereits intensiv mit Renault. Die Gespräche scheiterten jedoch, weil sich beide Unternehmen nicht darüber einigen konnten, wer die Führungsrolle bei Gemeinschaftsprojekten übernimmt. Mercedes-Vorstände schätzen die Chancen, mit Chrysler einig zu werden, wesentlich höher ein. Mit dem US-Konzern, so ein Manager, gebe es "viel mehr Berührungspunkte".

DER SPIEGEL 46/1995
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