Der Vorabdruck eines Enthüllungsbuchs erregt die Spanier. Zwei betrügerische Finanzstars aus den Zeiten des spanischen Wirtschaftsbooms, die sich auf dem Höhepunkt ihres Ruhms Einladungen ins Königshaus erschleichen konnten, sollen einen Pakt gegen Juan Carlos geschmiedet haben: Sie beabsichtigten, so ist in "El Saqueo de Espana" (Die Plünderung Spaniens) nachzulesen, den König als Nutznießer hoher Bestechungsgelder bloßzustellen.
Der katalanische Finanzier Javier de la Rosa und der galizische Bankier Mario Conde, beide wegen Veruntreuung von mehreren hundert Millionen Dollar angeklagt, wollten Juan Carlos zur Einstellung ihrer Prozesse nötigen. Doch die Erpressungsversuche fruchteten nichts; beide kamen in Untersuchungshaft und schworen Rache: "Das wird den Bourbonen die Krone kosten", drohte de la Rosa nach seiner vorläufigen Entlassung. Der Finanzjongleur behauptet, beweisen zu können, daß der Monarch während des Golfkriegs Millionen von der kuweitischen Holding KIO kassierte, deren Repräsentant in Spanien de la Rosa war. 100 Millionen Dollar seien auf Schweizer Konten gegangen, die ein enger Freund des Königs kontrolliert - Botschafter Manuel Prado y Colon de Carvajal. Der berät die königliche Familie seit drei Jahrzehnten bei der Anlage ihres Privatvermögens, war zwischen 1987 und 1993 aber auch Geschäftspartner von de la Rosa. De la Rosa und sein Mitverschwörer Conde haben die Buchautoren wegen Verleumdung verklagt. Das Königshaus teilte lediglich mit, Prado sei nicht Finanzverwalter des Königs, einen solchen Posten gebe es nicht.
DER SPIEGEL 47/1995
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