03.01.1994

Presse Stunde der Wichtelmänner

SPIEGEL: Sie haben zum Boykott von Profil aufgerufen. Warum?
Jelinek: Sigrid Löffler zählt zu den wenigen, die in Österreich noch journalistische Unabhängigkeit garantieren. Mit ihrer Kündigung geht bei uns, was Wochenzeitschriften betrifft, ein Hort der Pressefreiheit verloren.
SPIEGEL: Der Profil-Herausgeber hat Sigrid Löffler "übermäßige Nebentätigkeiten" vorgeworfen.
Jelinek: Absurd! Wenn man weiß, was etwa Werbezeiten im Fernsehen kosten - jeder Auftritt war Werbung für das Profil -, dann hätten sie ihr die Füße küssen müssen. Außerdem ist sie eine brillante Schreiberin.
SPIEGEL: War die Mitstreiterin beim "Literarischen Quartett" für Profil zu profiliert?
Jelinek: Offenbar. Die jungen Wichtelmänner, die Profil jetzt machen, können es wohl nicht ertragen, daß ausgerechnet eine Frau mit Autorität spricht.
SPIEGEL: Ist der Rauswurf ein Symptom?
Jelinek: Ja. Überall gibt es die Neigung, einen stromlinienförmigen, reibungsfreien Journalismus zu installieren. Das ist in Deutschland nicht anders.

DER SPIEGEL 1/1994
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