06.04.1992

Michael Vesper,

40, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, erlebte die Zugriffsmöglichkeiten der Staatsgewalt am eigenen Leib. Als der Grüne vorigen Donnerstag gegen zwei Uhr nachts in Düsseldorf zu einem Taxistand spurtete, wurde er jäh gestoppt. "Ein junger Mann, der sich als Polizist ausgab" (Vesper), verlangte den Ausweis. Der Politiker, der gerade von einer Geburtstagsfeier mit SPD-Prominenz wie Ministerpräsident Johannes Rau kam, zögerte und zauderte und wurde "in Null Komma nix" zu Boden gerissen. Bäuchlings, alle viere von sich gestreckt, landete Vesper auf dem Pflaster. Handschellen klickten, mittlerweile war er von sieben Beamten umringt. "Waffen", murmelte einer, "scheint er nicht dabeizuhaben." Als sie schließlich die Ausweispapiere aus der Jacke fingerten, blieben die Beamten, zumeist Mitglieder eines Sonderkommandos, cool: "Wie ein Volksvertreter sehen Sie nicht aus." Die Polizisten hatten Vesper überprüfen wollen, weil in der Nähe eine Telefonzelle geknackt worden war.

DER SPIEGEL 15/1992
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