19.04.1993

Hausmitteilung Betr.: Uni-Rangliste

"Halleluja", rief der Medizinprofessor Georg Strohmeyer, Prorektor der Universität Düsseldorf, ins Telefon, als er erfuhr, daß seine Fakultät in der neuen Universitätsrangliste des SPIEGEL den ersten Platz einnimmt, ebenso die Uni Düsseldorf insgesamt. Andere Professoren und Rektoren, jene auf den schlechten Plätzen, werden eher "Crucifige" rufen - wie nach der ersten SPIEGEL-Studie über die Lehrqualität deutscher Hochschulen aus Sicht der Studenten (SPIEGEL 50/1989). Die in diesem Heft publizierte Neubewertung ist methodisch verbessert: 11 828 Studenten (18 pro Fachbereich statt 12 im Jahre 1989) an 69 Hochschulen wurden befragt, die ostdeutschen Unis einbezogen (Seite 88), die Professoren urteilen gleichfalls (Seite 98) - mit entsprechenden Ergebnissen, etwa: Die Germanistik-Lehrenden setzten die Bonner Germanistik auf Platz 2, die Lernenden auf Platz 42.

Zum akademischen Dauerstreit, ob die Hochschule eher der Forschung oder der Lehre zu dienen hat, ein - überraschendes? - Ergebnis: Reform-Unis wie Konstanz, Bielefeld oder Siegen werden von Professoren wie Studenten gleichermaßen gut bewertet.

Die umfassendste Analyse des deutschen Hochschul-Elends erforderte ungewöhnliche Arbeiten, systematischere als bislang Veröffentlichtes (Seite 84). Die Umfragen machte Emnid, sechs SPIEGEL-Redakteure mit meist frischer Uni-Erfahrung (und unterschiedlichen Studiengängen) reicherten die Ergebnisse durch Augenschein-Details an: Joachim Mohr (Zeitgeschichte), Manfred Müller (Theologie), Dietmar Pieper (Philosophie), Sylvia Schreiber (Wirtschaftswissenschaft), koordiniert von Martin Doerry (Geschichte) und Mathias Müller von Blumencron (Rechtswissenschaft), beide Autoren der Titelgeschichte. (Das ausführliche Gesamtergebnis, in Ost und West, erscheint als SPIEGEL SPEZIAL am 24. Mai.)

Die SPIEGEL-Rechercheure erlebten die deutsche Uni-Tristesse live: faule Professoren, rat- und hilflose Studenten, ramponierte Hörsäle. An der TU München geriet Schreiber in einen Computersaal, in dem sich 100 Studenten vor Metallgerüsten mit übereinandergestapelten Bildschirmgeräten drängten. Der Genius loci erinnerte die Journalistin "an den Charme einer Leichenhalle".


DER SPIEGEL 16/1993
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