31.08.1992

Besuch im Gefängnis

erhielt der Untersuchungshäftling Erich Mielke vom SPIEGEL bislang zweimal. Das erste Gespräch, im Januar dieses Jahres im Krankenblock des Gefängnisses Berlin-Plötzensee, dauerte knapp sieben Minuten, der Mitteilungsdrang des Gefangenen - im Rollstuhl, den braunen Lederhut auf dem Kopf - hielt sich in engen Grenzen. Aussagen zur Sache machte er nicht, zur Person erschöpfte sich sein Redefluß in dem Satz: "Ich möchte in mein Bett zurück."
Letzte Woche, im Krankentrakt des Gefängnisses Berlin-Moabit, erlebten die SPIEGEL-Redakteure einen ganz anderen Mielke: Der ehemalige Minister für Staatssicherheit, inzwischen 84, gab bereitwillig und ausführlich Auskunft über die Fehler und die Ursachen für den Untergang seines SED-Regimes, über sein Verhältnis zum Genossen Erich Honecker, zur DDR-Opposition und zu seinem Spionagechef Markus Wolf - und über sein Selbstverständnis als ostdeutscher Stasi-Chef.
Mielke über Mielke: "Ich konnte meinen Kopf in den Schoß meiner Untertanen legen."

DER SPIEGEL 36/1992
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