21.09.1992

Friedrich Bode

Friedrich Bode, 52, pensionierter Pastor im niedersächsischen Achim, zieht gegen Kirchengeläut zu Felde. Der 1976 durch seelsorgerische Einsätze bei Demonstrationen gegen das damals geplante Atomkraftwerk Brokdorf bundesweit bekanntgewordene Kirchenmann, fühlt sich durch den Stundenschlag einer rund 200 Meter von seiner Wohnung entfernten Kirche genervt. Gegenüber dem zuständigen Pfarramt beklagte Bode eine "angstvolle, bisweilen quälende Erwartung des nächsten Schallschlages", der bei ihm "sprunghaftes Hochschnellen der Pulsfrequenz" verursache. Die "um Christi willen" geäußerte Bitte, das Schlagwerk nächtens abzustellen, löste beim Kirchenvorstand von Sankt Laurentius "Entsetzen" aus: Nach mehr als 400 Jahren Geläut sei Bode der erste, der sich beklage. Und: Gemeindemitglieder drohten mit Kirchenaustritt, falls das nächtliche Zeitzeichen ausbliebe.

DER SPIEGEL 39/1992
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