15.08.1994

GESTORBENLeonid Leonow

95. Schon in den zwanziger Jahren war der junge Autor von Maxim Gorki gelobt und gefördert worden. Daß dieser ihn 1931 bei einer gemeinsamen Begegnung mit Stalin in Schutz nahm, hat ihn womöglich vor dem Schlimmsten bewahrt. Denn ein nostalgisch-pessimistischer Grundzug seiner Literatur ließ seine Begeisterung für den Kommunismus zweifelhaft erscheinen; sein literarisches Vorbild Dostojewski war jahrzehntelang verpönt. Als im Grunde unpolitische Natur fügte sich Leonow den ideologischen Zwängen und machte auch als Literaturfunktionär Karriere - unter weniger katastrophalen Bedingungen wäre er womöglich ein Klassiker vom Range Leskows oder Turgenjews geworden. So reichten Anpassung und Talent zu Werken wie "Die Dachse" (1924) oder "Der russische Wald" (1953) zu einem Platz unter den populärsten Autoren der Sowjet-Ära und einem vergleichsweise komfortablen Leben. Leonid Leonow starb am vorigen Montag in Moskau.

DER SPIEGEL 33/1994
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