06.05.2013

INDONESIENDie Strafe der Götter

Im Ferienparadies Bali werden psychisch kranke Menschen eingesperrt, misshandelt und angekettet. Die Psychiaterin Luh Ketut Suryani fährt über die Insel und versucht, die Vergessenen zu befreien.
Bevor Luh Ketut Suryani das Paradies verlässt, zieht sie sich im Rückspiegel ihres Geländewagens die Lippen nach. Suryani will gut aussehen, wenn sie dem Grauen begegnet. Sie wählt an diesem Morgen ein kräftiges Rot.
Dann nimmt sie ihr iPad vom Beifahrersitz, ein paar Minuten noch zum Vorbereiten. Mit ruhigen Handbewegungen wischt sie sich durch die Krankengeschichten ihrer Patienten. Name, Dauer der Gefangenschaft, Diagnose, einige Einträge sind 30 Seiten lang. Ordnung gegen den Wahnsinn.
Komang, seit acht Jahren in Ketten: "Eine Mutter, in einem Verschlag neben dem Kuhstall. Nach ihrer Scheidung irrte sie nächtelang nackt durchs Dorf."
Ketut, seit 19 Jahren in Ketten: "Ein Bauarbeiter, eine Bambusliege im Urwald. Eines Tages wollte er seinen Bruder umbringen. Niemand weiß, warum."
Kadek, seit 24 Jahren eingesperrt.
Ihre Hand verharrt.
"Eine Bäuerin, ein Verschlag ohne Fenster. Als die Mutter starb, nahm sie ein Messer und ging auf die Straße. Durch ihren Magen fressen sich Würmer. Diagnose: Schizophrenie. Sie stirbt."
Luh Ketut Suryani, 68 Jahre alt, sechs Söhne, 17 Enkelkinder, ist eine freundliche Frau mit einem Gesicht rund wie der Mond. Sie ist Psychiaterin auf Bali, in diesem Urlaubsparadies, das für manche eine Hölle ist.
Ihre Patienten kauern neben Bäumen, liegen in Verschlägen, werden misshandelt, manchmal vergessen. Weil die Angehörigen überfordert sind mit ihrer Betreuung, weil das Gesundheitssystem nicht funktioniert und Verrücktheit als Strafe der Götter gilt, leben Menschen mit psychischen Erkrankungen hier wie Kettenhunde. 350 solcher Fälle gibt es auf Bali, bis zu 40 000 in ganz Indonesien. "Pasung" nennen die Balinesen sie: in Fesseln.
52 Menschen hat Luh Ketut Suryani bisher befreit. Komang gehört nicht dazu.
Suryani fährt an diesem Morgen in den Norden der Insel. Links und rechts Reisterrassen in verschiedenen Schattierungen von Grün, die Straßen winden sich wie Schneckenhäuser. Nebel hüllt die Palmen ein, es riecht nach faulem Obst und Erde. Die Sonne steht senkrecht, als sie in der Nähe von Lovina Beach ankommt, in einem Dorf in den Bergen.
Sechs Familien leben hier, Schweine, Hühner. Und Komang, um deren rechtes Handgelenk seit acht Jahren eine Kette liegt, eineinhalb Meter lang. Das andere Ende ist an einem Pfosten befestigt, in einem Verschlag neben dem Kuhstall.
Komang ist 26 Jahre alt, sie kauert nackt in dem Verschlag. Sie singt mit hoher Stimme ein Lied. Sie schlägt gegen die Wand. Vielleicht will sie die Stimmen in ihrem Kopf vertreiben. Sie will auch Suryani vertreiben, die jetzt vor ihrer Tür steht, neben sich eine Kiste mit Medikamenten. Suryani schwitzt, sie bewegt sich nicht. Irgendwann sagt sie: "Psst, mein Kind, es ist ja gut."
Der Schuppen ist aus Beton, zwei Quadratmeter, keine Fenster. Auf dem Boden liegen eine pinkfarbene Matte, eine Unterhose, ein Holzpflug, eine Zahnbürste, ein Kamm, ein Meterband, ein Ölkanister, eine Nagelbürste. An der Decke hängt ein Bienennest. Neben der Matte haben Ameisen eine Straße gebaut.
Komang hat sich seit zwei Monaten nicht gewaschen. Sie kann nicht sagen, was sie denkt, was ihr fehlt. Aber als Suryani ihr ins Gesicht schaut, hält sie den Blick fest.
"Komang ist immer nackt", sagt der Bruder, sein Körper ist sehnig von der Arbeit. Früher spielten sie zusammen am Fluss, sie versteckten sich in den Feldern, und wenn Komang in der Nacht Angst hatte, nahm er ihre Hand. Er war es, der seine Schwester ankettete, weil sie ohne Kleider davonlief.
Der Bruder pflanzt Reis und Soja, er versorgt damit seine alte Mutter, seine behinderte Schwester, seinen geisteskranken Bruder und Komang. Die Familie besitzt zwei Hütten aus Bambus, auf dem Feuer kochen Reis und Blätter. Sie haben zum Leben 1,30 Euro am Tag.
"Komang war ein normales Mädchen", sagt die Mutter. "Als sie zwölf wurde, kam ein böser Geist über sie."
Die Schwägerin sagt: "Sie hat mit 18 geheiratet. Ihr Mann hat sie zurückgebracht. Er behielt ihr Kind. Seitdem schreit sie."
"Komang ist bei den Kühen", sagt die behinderte Schwester.
Suryani sagt: "Bringt mir einen Stuhl." Sie redet oft stundenlang mit den Familien, bevor sie mit der Behandlung beginnt. Sie fragt nach Symptomen der Patienten, ihrer Kindheit und ob sie Alpträume haben. Doch was den kranken Angehörigen fehlt, warum sie begannen, sich zu verändern, das wissen viele nicht. Eines Tages fällt ihr Verwandter aus dem Rahmen wie eine Tür ohne Scharnier. Die Familien haben dann keine Zeit, sich zu kümmern; oft sind sie hilflos. Sie wollen sich vor dem Kranken schützen und den Kranken vor dem Zorn der Gemeinschaft. Deshalb die Ketten.
Pasung gibt es nicht nur in Asien. Die Praxis ist bekannt aus Somalia, Nigeria und dem Sudan. Länder mit Bürgerkrieg, Terror und ohne Infrastruktur; Gesellschaften, in denen die Menschen an Geister glauben. Wo Geld und Aufklärung fehlen, werden psychisch Kranke oft behandelt wie der eitrige Auswurf des Systems, das sie hervorgebracht hat. Einige verrotten, während sie am Leben sind.
An wenigen Orten kommen sich Touristen und Pasung so nah wie auf Bali. Drei Millionen Urlauber reisen jedes Jahr auf die Insel, zum Surfen und Tauchen, sie buchen tagsüber Massagen und feiern nachts in den Clubs. Die Touristen wollen auf Bali den Kopf leer bekommen, sie wissen nichts von denen, die hier wegen ihres kranken Kopfes in Ketten enden, nur wenige Stunden Fahrtzeit von den Orten der Urlauber entfernt.
Als in Kuta 2002 und 2005 mehrere Bomben explodierten, war das der Anfang von Suryanis Leben für die Gefesselten. Sie war damals Direktorin der Abteilung für Psychiatrie an der Universität in Denpasar, der Hauptstadt von Bali; sie hatte gehört, es gebe nach den Bomben mehr Selbstmorde in den Dörfern. Sie beschloss, ins Hinterland zu reisen und nach den Gründen zu suchen. Suryani fand keine; sie fand dafür einen verwirrten Mann neben einem Hühnerstall. Er lag an einer Kette.
Sie hatte so etwas noch nie gesehen. "Warum macht ihr das?", fragte sie. Die Verwandten erzählten, wie das ist: erst einen Menschen zu verlieren und dann die Hoffnung auf seine Heilung. Dass sie sich nicht anders zu helfen wussten als mit der Kette.
Verrückte in Ketten, auf Bali, in ihrem Paradies. Luh Ketut Suryani dachte, das dürfe nicht sein, sie gründete das Suryani-Institut, eine Privatpraxis in Denpasar. Mit dem Geld, das sie mit der Behandlung wohlhabender Patienten, auch von Touristen, verdiente, stellte sie sieben Mitarbeiter ein. Diese schickt sie in zwei der neun balinesischen Distrikte, den Norden und den Osten, wo die Menschen besonders arm sind. Sie sollen die Angeketteten aufspüren. Wenn sie einen finden, rufen sie Suryani an, und sie fährt los. Komang fanden sie 2008.
An diesem Tag steht Suryani zum 38. Mal vor ihrem Verschlag. "Was hast du gegessen?", fragt sie. Komang singt. Suryani glaubt, dass Komang ein Trauma hat, woher es kommt, kann sie nicht sagen. Sie muss ihre Diagnose zusammensetzen wie ein Puzzle: vielleicht sexuelle Gewalt, ein genetischer Defekt, die Familie sprach von vergiftetem Essen. Die Mutter sagt: "Komang hat ihren Mann nicht geliebt." Zur Strafe hätten die Götter Unheil geschickt.
Oft diagnostiziert Suryani Schizophrenie: manisch oder bipolar. Das Wort wirkt wie ein Rettungsanker für alles, was man nicht erklären kann. Vielleicht ist die Diagnose für die Patienten auch nicht so wichtig. Eine Therapie ist unter diesen Umständen ohnehin kaum möglich.
Medikamente für Komang: Fluphenazin (1,5 mg), Trihexyphenidyl (2mg), Sakaneuron. Ein Neuroleptikum gegen Halluzinationen. Ein Mittel gegen Bewegungsstörungen. Vitamin B.
7,50 Euro kostet auf Bali eine Injektion mit einem Neuroleptikum, einem Medikament mit antipsychotischer Wirkung. Die meisten Familien können sich das nicht leisten. Suryani kauft daher die Spritzen, manchmal bekommt sie von Spendern Tabletten geschenkt. Die Regierung hat Suryanis Arbeit 2009 mit einer halben Million Dollar unterstützt.
Suryani veranstaltet auch Kurse zur Prävention, sie bringt den Balinesen bei, wie man meditiert. Samstags kommen Hunderte zu ihren Treffen in Denpasar, sie legen sich auf den Boden, lachen vier Minuten am Stück, singen ein Lied gegen das Alleinsein. Suryani sagt: "Geht aus euren Hütten und atmet die Luft ein." Sie hat auch ihren Kindern Meditation beigebracht.
Die Regierung hat Suryani das Geld nach einem Jahr wieder gestrichen, weil ihre Arbeit nicht sofort Wirkung zeigte - und bezahlte stattdessen den Bau vergitterter Schuppen, in denen die Familien ihre Kranken bei Anfällen einsperren können. Komang ist immer in so einem Verschlag.
Fünf Leute halten Komang jetzt fest, damit Suryani die Spritze setzen kann. Sie wehrt sich, schlägt sich auf die Brüste und auf die Scham. Als die Medikamente wirken, werden Komangs Worte klarer. "Es tut mir leid", sagt sie. "Ein böser Geist", "mein Bruder", "warum bin ich so", "bitte vergib", "Komang, Komang, nein", "mach die Kette ab". Manchmal schnellt ihre Stimme nach oben. Einmal sagt sie: "Chicken Nuggets."
Suryani sagt zum Abschied: "Wascht sie. Kehrt die Fäkalien raus." Die Familie schaut auf den Boden. Später schreibt Suryani in ihre Datei: "Empfehlung für Komang - Liebe und Aufmerksamkeit."
Sie gibt den Patienten alle vier bis acht Wochen Medikamente, das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Befreiung. Sie will, dass die Angehörigen Vertrauen fassen, dass sie die Ketten abmachen, sobald die Patienten stabil sind. Auch Komang war einmal ein paar Monate frei. Es ging ihr besser, und die Familie schickte sie zur Arbeit auf eine Farm. Der Boss brachte sie zurück, weil sie die Wand anstarrte, statt Kerne aus Chilis zu pulen. Der Bruder legte ihr wieder die Kette an.
Das Problem sei, sagt die Psychiaterin, dass die Gesellschaft die Kranken nur wahrnehme, wenn sie störten. Sobald es ihnen bessergehe, vergäßen die Familien die Medikamente. Suryani könnte, wenn sie Menschen in Ketten findet, die Polizei rufen. Pasung ist in Indonesien verboten. Die Regierung hat ein Programm verabschiedet, nach dem Pasung im Jahr 2014 nicht mehr existieren soll. Suryani lacht über diesen Plan. Sie ruft auch nicht die Polizei. "Wo soll die Polizei die Patienten denn hinbringen?"
Der indonesische Staat tut wenig für psychisch kranke Menschen. Im ganzen Land gibt es 48 Psychiatrien mit insgesamt 7700 Betten. Ein Bett für 32 000 Einwohner. In Entwicklungsländern werden etwa 85 Prozent aller Patienten mit psychischen Störungen nicht behandelt, hat die Weltgesundheitsorganisation ermittelt.
Bali hat eine einzige staatliche Psychiatrie. Die Klinik steht in Bangli im Zentrum der Insel. Die Behandlung ist kostenlos, die meisten von Suryanis Patienten waren schon hier. Zwei Psychiater, zehn Ärzte und Krankenschwestern kümmern sich um 400 Patienten.
Die Klinik ist eine Baustelle. Es würden gerade zusätzliche Trakte für Drogenabhängige gebaut, sagt einer der Ärzte. Er trägt Noppenschuhe; er sieht aus wie ein übelgelaunter Dagobert Duck.
Die Psychiatrie von Bangli gleicht einem Gefängnis, dabei gehört sie zu den besseren in Indonesien: Es gibt keine Ketten. 30 Patienten sind zusammen in einen vergitterten Raum gesperrt, Männer und Frauen getrennt, jeder hat ein eigenes Bett. Einige liegen apathisch auf der Seite. Andere laufen im Kreis oder starren an die Wand. Auf den Gängen liegen dreckige Matratzen, es riecht nach Urin.
Fragt man den Arzt, was seinen Patienten fehle, sagt er: "Schizophrenie." Fragt man ihn nach der Therapie, sagt er: "Wir reden manchmal mit ihnen."
Vor den Zellen stehen freundliche Schwestern und schreiben mit Edding Name, Alter, Diagnose, Medikamente jedes Patienten auf eine Tafel, dicht an dicht wie bei "Stadt, Land, Fluss". Ein bis zwei Monate, so erzählen sie, blieben die Kranken hier. Dann müssten sie gehen. Der Arzt sagt: "Wir haben einen Drop-off-Service." Wenn ein Kranker nicht abgeholt wird, liefern die Mitarbeiter aus Bangli ihn zu Hause ab. Viele Patienten werden dort sofort wieder angekettet.
So wie Ketut, einer von Suryanis Patienten. Seit 19 Jahren lebt er in Ketten, ein alter Mann auf einer Bambusliege im Wald. Er hat versucht, seinen Bruder zu töten. Er war schon oft in Bangli, die Ärzte holen ihn jedes Mal in Handschellen ab. Wenn er zurückkommt, kettet der Schwager ihn an. Die Familie hat Angst vor Ketut. Sie werfen ihm von weitem Essen, Getränke und Zigaretten hin, als wäre er ein bissiger Hund. Zumindest seine körperliche Verfassung ist in Ordnung. Suryani sagt: "Er hat Glück gehabt."
Es ist Nachmittag, als sie den Hof von Kadek und ihrer Familie betritt, ein Haus in der Nähe von Singaraja im Norden Balis. Es ist Suryanis erster Besuch. Ihre Mitarbeiter waren schon einmal da, sie haben Kadek gefunden. Der Vater ist Reisbauer, der Bruder zeigt Touristen Delfine. Kadek, 42 Jahre alt, wird sterben.
Der Vater hat sie auf ein Sofa gesetzt, hinter ihr an der Wand hängt eine Geistermaske. Er hat seine Hand auf ihr Bein gelegt, das Bein ist dünn wie ein Besenstiel. Kadek spricht nicht, sie gibt keinen Laut von sich. Der Vater sagt, ihr Magen sei voller Würmer. Suryani schaltet ein Aufnahmegerät an, für die Anamnese. Der Vater erzählt Kadeks Geschichte.
Als Kadek eine junge Frau war, liebte sie Rechnen. Sie sprach kaum und malte jeden Tag Zahlen in ein Heft. Als Kadeks Mutter starb, zerriss Kadek das Heft. Sie hörte auf zu sprechen. Sie stahl aus dem Schlafzimmer ein Porträt der Mutter und schaute es tagelang an. Später nahm sie das Motorrad des Onkels und fuhr davon. Sie nahm ein Messer und ging damit auf die Straße. Sie zog sich aus und sprang in einen dreckigen Fluss. Sie schmierte ihren Kot an die Wände. Sie zerriss ihre Kleider, und eines Tages schlug sie auf einen Spiegel ein, bis ihre Fäuste voller Blut waren.
"Schwarze Magie", sagt der Vater. Die Familie hatte es zu ein bisschen Wohlstand gebracht. "Es ging uns zu gut", sagt er. "Das ist die Strafe."
Kadek und ihre Familie sind Hindus, wie die meisten Menschen auf Bali. Sie glauben, dass eine psychische Krankheit durch böse Geister entsteht, vielleicht durch einen Fluch der Ahnen. Kadeks Vater sagt, er habe seine Tochter in den vergangenen 24 Jahren zu 57 Heilern gebracht, die sie hier Balian nennen. Sie entscheiden, ob die Verrücktheit etwas Übernatürliches ist oder ein körperliches Problem. Je nachdem, sagen sie, helfen westliche Medizin oder traditionelle Rituale.
Meistens entscheidet sich der Balian für ein Ritual, auch Kadek hat es oft miterlebt. Die Familie sitzt im Dorftempel und betet, der Kranke in ihrer Mitte. Der Heiler mischt Blüten, rührt Essenzen und Wasser. Wenn er das Wasser versprüht, fangen die Kranken an zu zittern, verdrehen die Augen oder wälzen sich auf dem Boden. Es erinnert an eine Teufelsaustreibung. Wer von einem Geist besessen wird, hat keine Schuld, man kann ihn reinigen, er kann normal werden. Kadek, sagt der Vater, kann man nicht reinigen.
Er hat überall im Hof Masken aufgehängt, es gibt einen Schutztempel für Kadek. "Es hilft nichts", sagt er. Dann zeigt der Vater der Psychiaterin das Zimmer seiner Tochter, einen kahlen Raum mit Fenster und einem Kartenspiel. Suryani notiert "Schizophrenie" und "Blutarmut", Kadek wiegt höchstens 30 Kilogramm.
Als Suryani wieder im Auto sitzt, knallt sie die Tür zu. Sie fährt in die Gesundheitsstation des Dorfes und sagt: "500 Meter von hier stirbt ein Mensch."
Der Leiter der Klinik sagt, man könne nichts tun. Solange es Tuberkulose, Malaria und Kindersterblichkeit gebe, sei Schizophrenie ein Problem der Götter.
Später fährt Suryani unangemeldet zum Hof von Kadeks Familie. Es zeigt sich, dass der Vater gelogen hat. Er hat ihr ein falsches Zimmer gezeigt. Kadek liegt hinter dem Haus, in einem dunklen Schuppen, auf einer Trage aus Holz. Die Fliesen in dem Raum sind braun von ihrem Kot. Der Putz blättert von den Wänden, in einer Schüssel fault eine Handvoll Reis. Kadek ist nackt, ihre Augen sind halb geschlossen. Sie hat die Beine über Kreuz, ihr rechter Fuß wippt ohne Pause. Vielleicht ist es ihr letztes Lebenszeichen.
Von Katrin Kuntz

DER SPIEGEL 19/2013
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