03.06.2013

ZEITGEISTHände hoch!

Mit „#aufschrei“ und Femen ist der Feminismus zurück auf der gesellschaftlichen Bühne: rebellisch, jung, selbstbewusst. Doch mit dem Erfolg gibt es auch neue Konflikte - um die richtige Methode und die ideologische Linie.
Anna-Katharina Meßmer mag Pornos. Das ist ein Problem, wenn man Feministin ist. Sie ist für das Betreuungsgeld, weil sie findet, "dass Reproduktionsarbeit angemessen entlohnt sein sollte". Auch nicht einfach. Außerdem schreibt sie gerade eine Doktorarbeit über den Trend, sich vom Chirurgen die Vagina verschönern zu lassen. Sie kann daran nichts Schlimmes sehen.
Meßmer ist das Gesicht des neuen Feminismus. Oder jedenfalls eines der Gesichter, die jetzt in Talkshows gefragt sind, wenn es darum geht, den Frontverlauf im Geschlechterkampf zu klären. Meßmer hat vor vier Monaten zusammen mit zwei anderen Frauen, die sie über Twitter kannte, unter dem Stichwort #aufschrei die Kampagne gestartet, die über Nacht zum Begriff für den Aufstand gegen alltäglichen Sexismus wurde.
Meßmer hatte lange geglaubt, dass Feminismus nichts für sie sei. Zu verkniffen, zu bieder. Wenn sie an Feminismus dachte, sah sie Frauen, die stolz darauf waren, sich die Achselhöhlen nicht zu rasieren.
Dann war sie auf einer Podiumsdiskussion der "Mädchenmannschaft", eines feministischen Blogs, das in der Szene sehr populär ist. Vorn stand eine Frau, die sagte: "Ich heiße Verena, und ich gucke Pornos." Cool, habe sie in diesem Augenblick gedacht, sagt Meßmer. Für Gleichberechtigung war sie schon immer eingetreten, warum also nicht auch offensiv dazu stehen?
Es kann sehr kurzweilig sein, mit Meßmer zu reden. Sie hat das ganze Theoriegebäude des modernen Feminismus drauf, von Simone de Beauvoir bis Judith Butler. Sie kann einem genau erklären, warum es wichtig ist, "Studierende" statt "Studenten" zu sagen, und man in der Schriftsprache nie das "Gender Gap" vergessen sollte. Aber wenn es ihr passt, zitiert sie auch Carl Schmitt, den berüchtigten konservativen Juristen.
Meßmer ist 30 Jahre alt. Sie war Referentin im SPD-Parteivorstand und hat auch mal kurz als Regieassistentin gearbeitet. Im Augenblick lebt sie von ihrem Promotionsstipendium. Wenn die Dinge so weitergehen, muss sie sich um ihre Karriere keine Sorgen mehr machen. Wenn sie wollte, könnte sie jede Woche auf irgendeinem Podium sitzen und über die Lage der Frauenbewegung referieren. Praktisch alle großen Verlage haben sich bei ihr gemeldet, ob sie nicht ein Buch schreiben wolle. Titel und Inhalt egal, "einfach irgendetwas mit Feminismus", wie es in den Anfragen heißt.
Feminismus ist das Thema der Saison. Wer immer derzeit eine Konferenz zu Zukunftsfragen auflegt, ist gut beraten, sich etwas dazu einfallen zu lassen. Natürlich war der letzte große Vortrag der "re:publica", der größten und hipsten BloggerKonferenz in Deutschland, im Mai dem Netzfeminismus gewidmet. Selbst beim Grimme-Preis will man dieses Jahr nicht darauf verzichten: Für den Online Award ist mit #aufschrei zum ersten Mal ein Twitter-Stichwort nominiert.
Das ist eine erstaunliche Entwicklung für ein Thema, das in die Jahre gekommen schien. 40 Jahre ist es jetzt her, dass Alice Schwarzer den Feminismus in Deutschland auf die Tagesordnung setzte. Seitdem hat sich viel getan: Das Unterhaltsrecht wurde auf die Patchwork-Familie zugeschnitten, Abtreibungen sind praktisch straffrei, das Recht auf gleichen Lohn ist unbestritten. Doch mit den Erfolgen hatte sich, so sah es aus, auch die Frauenbewegung überlebt.
Alles, was übrig geblieben schien, ist die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen. Ein ehrenwertes Ziel, aber himmelweit entfernt vom Kampfeswillen, der der Bewegung in den Anfangsjahren ihren Schwung verliehen hatte. Die Generation nach Schwarzer, die heute zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, will nicht mehr die Welt verändern, sondern nur noch das Geschlechterverhältnis in der Etage höher. "Eliten-Feminismus" nennen das Frauen wie Meßmer.
Der junge Feminismus ist wieder rebellisch. Seine Vertreterinnen stellen ganz grundsätzlich die Frage nach den Machtverhältnissen, und damit sind sie dort, wo Alice Schwarzer angefangen hat, bei der Sexualpolitik. Alles kommt wieder auf den Tisch: wie Männer Frauen angucken, wie sie mit ihnen reden, wie sie in Witzen und dummen Sprüchen das andere Geschlecht herabsetzen, damit sie sich größer und wichtiger vorkommen können.
Wenn man zusammenfassen sollte, worum es der Bewegung geht, dann ist es der Gedanke, dass es keine Rolle mehr spielen soll, welches Geschlecht jemand hat. Auf dem Weg dahin gilt es, alle Bilder und Klischees zu zertrümmern, die Frauen und Männern verschiedene Plätze zuweisen. Das Problem ist, dass es dabei sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Methode gibt.
Neulich war Meßmer bei "Maischberger" eingeladen. Sie sollte daüber reden, was #aufschrei in Deutschland verändert hat.
"Menschen bei Maischberger" dauert 75 Minuten. Zwei Tage vor der Aufzeichnung rief ein Redakteur bei Meßmer an und sagte, dass sie nach der Hälfte der Sendezeit ihren Platz in der Runde für eine Aktivistin von Femen räumen müsse. Die Redaktion hatte den Oben-ohne-Protest beim Putin-Besuch in Hannover gesehen. Man war jetzt der Meinung, dass Femen noch aufregender sei als #aufschrei.
Meßmer saß dann 54 Minuten lang in der Sendung, doppelt so lange wie die Femen-Vertreterin. Sie hatte in der Zeit drei längere Redebeiträge, die auf Twitter sehr gelobt wurden. Es gab sogar eine positive Kritik in der "Süddeutschen Zeitung". Der Auftritt hatte sich damit gelohnt.
Es geht beim politischen Kampf immer auch um Bilder, um Auftritte und Inszenierungen, die den Forderungen und Parolen Auftrieb verleihen. Und niemand liefert in diesen Wochen bessere Bilder als die Frauen von "Femen Deutschland", dem hiesigen Ableger der ukrainischen Frauenguerilla. Meßmer ist mit ihrer Schlagfertigkeit, dem Nasenpiercing und dem hellblonden Haar absolut medientauglich. Aber gegen die blanken Busen der feministischen Konkurrenz hat auch sie keine Chance.
Seit einem Jahr erst gibt es Femen in Deutschland, rund 30 Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die der Kampf gegen das Patriarchat zusammengeführt hat. Wo immer sie auftauchen, gehört ihnen die Aufmerksamkeit.
Die Methode ist nicht neu: Schon Ende der Sechziger entblößten Feministinnen aus Protest ihre Brüste. Femen hat diese Aktionsform für die moderne Medienwelt entstaubt. Wer sich der Gruppe anschließt, lernt gleich am Anfang in einem Training, worauf es ankommt.
An einem Samstagnachmittag stehen zehn Frauen in einem Probenraum im Theaterhaus Berlin Mitte, sie haben sich über Facebook für das Treffen angemeldet. Vorn hat sich Irina Khanova aufgebaut, eine Grafikdesignerin aus Hamburg, die schon bei der Protestaktion gegen Putin auf der Hannover Messe dabei war. "Es geht um Provokation, es geht nicht darum, dass alle uns mögen", sagt sie zur Begrüßung. "Die Bewegung ist fünf Jahre alt, die Methode funktioniert. Man kann hier nicht kommen und sagen, ich mache meine eigenen Regeln."
Die Interessentinnen ziehen Sporthosen an. Im Hintergrund steht ein Fotograf, der die ganze Zeit über Bilder schießt. Auf Kommando geht es los. Erstens: typische Femen-Pose einnehmen, das heißt fester Stand auf beiden Beinen, Hände in die Luft, bis der Körper ein X bildet. Zweitens: in die Kameras schauen; immer in die Kameras, niemals zu den Passanten. Drittens: schreien, ganz egal, wie viele Leute zuhören. "Auf den Fotos wird man eure Schreie sehen", sagt Khanova.
Auch für die Festnahme gibt es ein Protokoll: Erst geht es darum, alles zu tun, um den Protest in die Länge zu ziehen. Sobald die Kameras weg sind, sollen sich die Frauen wieder ganz normal verhalten. Es gibt keinen Grund, um sich zu treten, wenn niemand davon Bilder liefert.
So einfach wie die Regeln für den Oben-ohne-Einsatz ist das ideologische Gerüst. Die ukrainischen Gründerinnen haben für Femen drei Ziele festgelegt: Kampf gegen die Zwangsprostitution, Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen durch Religion sowie Widerstand gegen Diktaturen aller Art. Aber wofür sollte man den eigenen Körper auch zum Transparent machen, wenn nicht für die ganz großen Ziele?
Es könnte für die Sache des Feminismus im Augenblick eigentlich nicht besser laufen: Nach #aufschrei ist Femen jetzt die zweite Gruppe, die in eine breitere Öffentlichkeit vordringt. Aber so kann man das in der Szene nicht sehen.
"Was mich an Femen stört, ist, dass es in dieser Bewegung offenbar keine Frauen gibt, die nicht einer gewissen Normschönheit entsprechen", sagt Anne Wizorek, neben Meßmer eine der Initiatorinnen von #aufschrei, bei einer Veranstaltung in Berlin. Auch Meßmer kann sich spitze Bemerkungen nicht verkneifen: "Überlege für die Befreiung der Femen-Frauen zu protestieren", twitterte sie, nachdem sich die Gruppe vor dem Barbie-Haus in Berlin mit einem brennenden Kreuz in Szene gesetzt hatte. "Sie sind Sklavinnen des Mediensystems und brauchen unsere Hilfe."
Es gibt vieles an Femen, was bei anderen Feministinnen nicht gut ankommt. Das Konzept gilt als zu schlicht, die Methode als fragwürdig. Vor allem die Theorieferne ist für viele Kritikerinnen ein Problem. Immer wieder heißt es, dass sich die Aktivistinnen ja gar nicht auskennten in der feministischen Literatur. Dahinter steckt nicht nur Neid. Es geht auch um Abgrenzung.
Der Feminismus ist traditionell vor allem ein Projekt akademisch gebildeter Frauen. Es war immer der Seminarraum, nicht die Supermarktkasse, wo die Ideen für eine gleichberechtigte Gesellschaft entworfen wurden. Für eine Bewegung, die den Anspruch hat, für die Hälfte der Menschheit zu reden, liegt hier ein wunder Punkt. Als die "taz" neulich nach einem Diskussionsabend des "Missy Magazine" fragte: "Hat sich da nur die weiße, junge, gutaussehende, deutsche obere Mittelschicht verständigt?", hagelte es im Netz sofort wütende Kommentare.
Sie habe nie Lust gehabt, nur dicke Bücher über Frauenrechte zu lesen, sagt Zana Ramadani, eine der Gründerinnen von Femen Deutschland. Im vergangenen Sommer stieß sie beim Surfen im Internet auf Irina Khanova, die nach Mitstreiterinnen für einen Femen-Ableger suchte. Ramadani meldete sich sofort: "Endlich mal Frauen, die etwas tun und nicht nur rumquatschen", dachte sie.
Zana Ramadani ist 29 Jahre alt, Rechtsanwaltsfachangestellte, Tochter einer muslimischen Einwandererfamilie aus Mazedonien und Vorsitzende der Jungen Union in Wilnsdorf, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen: kurz, nicht gerade die typische Feministin, wie man sie auf Podiumsdiskussionen trifft. Ramadanis Kampf für die Sache der Frau begann damit, dass sie sich nachts aus dem Haus schlich, um zu einer Party zu gehen, zu der sie nicht gehen durfte, weil ihre Eltern fanden, dass sich ein Partybesuch für ein Mädchen wie sie nicht gehörte.
Wenn Ramadani redet, benutzt sie häufig das Wort Kampf. Sie musste sich alles in ihrem Leben erstreiten: ihre Ausbildung in der Kanzlei, den Verzicht auf züchtige Kleidung, die eigene Wohnung mit 18 Jahren. Sie braucht keine sozialwissenschaftlichen Theorien, um zu erklären, worum es bei der Befreiung der Frauen geht. Gleiche Rechte für alle? Was ist daran so schwer zu verstehen!
Im April stand Ramadani vor einer Moschee in Berlin-Wilmersdorf, um für Amina zu protestieren, eine Mitstreiterin in Tunesien, die von Islamisten verfolgt wird und untertauchen musste, nachdem sie ein Oben-ohne-Bild von sich ins Internet gestellt hatte. Es war kalt, Ramadani hatte sich "Fuck Islamism" auf den Körper geschrieben. Die Kameras der Fotografen klickten wie verrückt, trotzdem war sie froh, dass nach einer Viertelstunde alles vorbei war. "Du hast ja keine Ahnung, wie die Nippel weh tun, bei der Kälte."
Ramadani verkörpert eine Art Urfeminismus. Kraftvoll, unkompliziert, selbstbewusst. Neulich war sie in der "Emma" zu sehen. Viele junge Frauenrechtlerinnen halten lieber Distanz zu Alice Schwarzer und ihrem Blatt. Ramadani fand es toll, in der Zeitung zu sein, die sie bis dahin kaum gelesen hatte.
Vielleicht ist es ohnehin ein Fehler, von "dem Feminismus" zu reden. Wie jede Bewegung setzt sich auch diese aus vielen Strömungen und Subkulturen zusammen. Es gibt die Vertreterinnen von "Pinkstinks", die finden, dass die Unterdrückung der Frau mit der Farbe Rosa bei Spielzeug und Kleidung für Mädchen beginnt, und den Boykott aller entsprechenden Produkte fordern. Es gibt Feministinnen mit Kopftuch, die sich in der Gruppe "Muslima Pride" zusammengeschlossen haben, um gegen die Bevormundung durch die westlichen Freiheitsbegriffe zu protestieren.
Es geht auch immer radikaler. Wenn #aufschrei dem Sexismus gegen Frauen den Kampf ansagt, dann verlangen die Anhänger der Queertheorie, dabei die Menschen nicht zu vergessen, die sich keinem Geschlecht mehr zuordnen wollen.
Die derzeit aggressivste Gruppierung sind die Frauenrechtlerinnen, die sich der Criticial Whiteness verpflichtet fühlen, einer aus den USA importierten Theorie, nach der jeder Kampf gegen Rassismus mit der permanenten Selbstreflexion beginnt. Nur wer als Weißer ständig mitdenkt, wie privilegiert er durch sein "Weißsein" ist, kann überhaupt gegen Diskriminierung vorgehen.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Jeder, der nicht sofort das Schicksal anderer Diskriminierungsopfer erwähnt, macht sich verdächtig. Nach Meßmers Auftritt bei "Maischberger" meldeten sich drei Critical-Whiteness-Vertreter bei ihr und warfen ihr vor, dass sie es unterlassen habe, über die "Mehrfachdiskriminierung" lesbischer oder nichtweißer Frauen zu reden. Es entspann sich ein längerer Mail-Verkehr, an dessen Ende sich Meßmer dafür rechtfertigen sollte, dass sie ihren Platz in der Sendung nicht einer "Person of Colour" angeboten hatte - als ob eine Talkshow-Einladung ein Gutschein wäre, den man einfach weitergeben könnte.
Wie verbissen der Kampf um die richtige Linie manchmal ausgetragen wird, zeigte sich Ende April bei einer Diskussion im Interkulturellen Frauenzentrum S.U.S.I. in Berlin-Mitte. Die Veranstaltung stand unter dem Titel "Colours of Feminism"; neben einer Professorin für Soziale Arbeit, einer Autorin der "Mädchenmannschaft" und zwei Anti-Rassismus-Aktivistinnen war Klara Martens von Femen eingeladen.
Der Ärger begann mit dem T-Shirt, das Klara Martens trug.
"Wie kannst du es wagen, so etwas anzuziehen?", brüllte jemand aus dem überfüllten Zuschauerraum, da war gerade die Vorstellungsrunde vorbei, und Martens hatte als Letzte gesagt, was sie so macht.
"Ich ertrage dein T-Shirt nicht", rief eine andere Zuhörerin.
Auf dem T-Shirt war das Logo von Femen Deutschland zu sehen, ein senkrechter Strich mit zwei Kreisen über Martens' Brüsten. Das Problem war, dass die Kreise die Farben der Deutschlandfahne zeigten: Das sei eine rassistische, nationalistische Provokation, hieß es, eine Ausgrenzung von "migrantisierten Menschen".
"Okay", antwortete Martens, "ich kann mein T-Shirt gerne auch ausziehen." Noch mehr Gebrüll.
Schnell war an diesem Abend klar, dass niemand mit ihr über den neuen Feminismus reden wollte. Es ging darum, Klara Martens, 21 Jahre alt und Studentin des Technischen Umweltschutzes, deutlich zu machen, dass erst eine wahre Feministin sein kann, wer die Sprache und die Denkmuster der Szene beherrscht.
Warum hatte sie eigentlich am Anfang nicht gesagt, dass sie eine weiße Frau ist?
Die anderen Teilnehmerinnen auf dem Podium hatten sich als "Person of Colour" vorgestellt. Die Vertreterin der "Mädchenmannschaft" betonte jedes Mal, wenn sie sich zu Wort meldete, dass sie sich vor allem "in weiß dominierten, queer-feministischen Kontexten" bewege. Manchmal versuchte sie, auch die Silbe "trans" unterzubringen. Nur die Moderatorin des Abends, die sich selbst als "68er Feministin" vorgestellt hatte, fiel ebenfalls aus der Rolle.
Immer wieder verhaspelte sie sich mit den neuen Begriffen. "Ist Weiß nicht auch eine Farbe?", fragte sie einmal. Es gehe nicht um die Schattierung der Haut, sondern die Erfahrung von Diskriminierung, wurde sie sofort belehrt. "Nein?", sagte sie erschöpft. "Ach so."
Die Frage ist jetzt, wie es weitergehen soll. Oder wie eine Autorin in der "taz" schrieb: was auf "den feministischen Frühling" folgt. Klare Ziele formulieren die Femen-Frauen. Wenn es nach ihnen geht, macht sich bald in Deutschland jeder strafbar, der eine Frau für Sex bezahlt, wie in Schweden. Man kann das für übertrieben halten, aber das ist immerhin mal eine konkrete Forderung.
Doch darüber hinaus? Wenn Anne Wizorek gefragt wird, was nach #aufschrei kommen soll, antwortet sie: Das müsse jeder für sich selbst entscheiden. Auch Anna-Katharina Meßmer hat noch keine Antwort. Sie will sich jetzt mit anderen Frauen zusammenschließen, vielleicht etwas Publizistisches machen.
Es ist alles noch sehr schwammig. Das Momentum ist da, man könnte es jetzt nutzen. Viel ist von gesellschaftlichen Prozessen die Rede, die in Gang kommen müssen. Dass Veränderung bei jedem Einzelnen beginnt. Aber nur mit Selbsterkenntnis wurde noch keine Revolution gewonnen.
Irgendwann hat jemand mal einen Stein in die Hand genommen - oder zumindest eine Tomate. ◆
Von Jan Fleischhauer und Wiebke Hollersen

DER SPIEGEL 23/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 23/2013
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ZEITGEIST:
Hände hoch!

Video 01:07

Interstellares Objekt Neue Erkenntnisse über Asteroid "Oumuamua"

  • Video "Schadenfreude bei Sprengung: 3,2,1 und - plötzlich kommt ein Bus ins Bild" Video 01:07
    Schadenfreude bei Sprengung: 3,2,1 und - plötzlich kommt ein Bus ins Bild
  • Video "Dashcam-Video: Bruchlandung auf US-Highway" Video 00:57
    Dashcam-Video: Bruchlandung auf US-Highway
  • Video "Überfall: Vier Frauen verjagen muskelbepackten Räuber" Video 00:58
    Überfall: Vier Frauen verjagen muskelbepackten Räuber
  • Video "Die Akteure im Jamaika-Drama: Spalter, Verweigerer, Gescheiterte" Video 02:25
    Die Akteure im Jamaika-Drama: Spalter, Verweigerer, Gescheiterte
  • Video "Die Nacht der Entscheidung: Das war eine absurde Situation" Video 03:32
    Die Nacht der Entscheidung: "Das war eine absurde Situation"
  • Video "Zerstörung in 15 Sekunden: Legendäres US-Sportstation gesprengt" Video 00:47
    Zerstörung in 15 Sekunden: Legendäres US-Sportstation gesprengt
  • Video "Größtes Luftschiff der Welt: Airlander 10 in England abgestürzt" Video 00:59
    Größtes Luftschiff der Welt: "Airlander 10" in England abgestürzt
  • Video "Geplatzte Jamaika-Sondierungen: Ich bin ziemlich schockiert" Video 01:58
    Geplatzte Jamaika-Sondierungen: "Ich bin ziemlich schockiert"
  • Video "Keine Road to Jamaika: Lindner wollte offensichtlich nicht regieren" Video 02:53
    Keine Road to "Jamaika": "Lindner wollte offensichtlich nicht regieren"
  • Video "Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen: Christian Lindner nennt Grund" Video 00:47
    Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen: Christian Lindner nennt Grund
  • Video "Argentinien: Suche nach verschollenem U-Boot ausgeweitet" Video 01:15
    Argentinien: Suche nach verschollenem U-Boot ausgeweitet
  • Video "Merkel zu Jamaika: Tag mindestens des tiefen Nachdenkens" Video 01:28
    Merkel zu Jamaika: "Tag mindestens des tiefen Nachdenkens"
  • Video "Sondierung gescheitert: Liberale brechen Jamaika-Verhandlungen ab" Video 01:36
    Sondierung gescheitert: Liberale brechen Jamaika-Verhandlungen ab
  • Video "Aus für Jamaika: Parteichefs geben sich gegenseitig die Schuld" Video 03:58
    Aus für Jamaika: Parteichefs geben sich gegenseitig die Schuld
  • Video "Interstellares Objekt: Neue Erkenntnisse über Asteroid Oumuamua" Video 01:07
    Interstellares Objekt: Neue Erkenntnisse über Asteroid "Oumuamua"