AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 38/2017

RB Leipzig in der Bundesliga Ein Hassobjekt als letzte Hoffnung

RB Leipzig war der meist gehasste Verein der Liga. Nun sorgt ausgerechnet dieser Verein für Spannung. Doch reicht das Geld, um mitzuhalten?

Leipziger Abwehrspieler im Spiel gegen Monaco
AP

Leipziger Abwehrspieler im Spiel gegen Monaco

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Kurz bevor RasenBallsport Leipzig die europäische Bühne betritt, besinnt sich der Klub auf seine Tradition. Es ist Mittwochabend, 25 Minuten vor Anpfiff des ersten Spiels in der Champions League. Der Stadionsprecher zappelt im roten Sakko an der Seitenlinie entlang und brüllt 15 "RBL-Legenden" herbei.

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Heft 38/2017
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Es sind Spieler der ersten Stunde und doch Helden der Neuzeit, die winkend den Innenraum des Stadions betreten. Sie heißen Ingo Hertzsch, 40, Tim Sebastian, 33, und Lars Müller, 41, und haben für RB Leipzig (RBL) gespielt, als der Europapokal noch einige Jahre und einige Ligen entfernt war.

An diesem Abend treffen sich Leipzig und Monaco in einem Spiel der "Königsklasse", wie Sportmoderatoren die Champions League nennen. Noch vor wenigen Spielzeiten landete Monaco praktisch pleite in der zweiten französischen Liga, und Leipzig kickte gegen Meuselwitz und Meppen. Seitdem haben Investoren beide Teams mit viel Geld nach oben gespült. "Hättest du das damals gedacht?", brüllt der Stadionsprecher die "Legende" Müller an. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht", antwortet der Ruheständler.

Die Champions League 2017: Hier spielen Franzosen mit katarischem Geld um den Titel, die Monegassen und englische Klubs mit russischem Oligarchenkapital und nun eben auch RB Leipzig als Beitrag der Bundesliga zur Welt des Investorenfußballs - ohne das Investment des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull würde dieser Verein in Sachsen nicht existieren.
Seit seiner Gründung vor acht Jahren hat der Klub auf diese Partie hingearbeitet. Aber das reicht nicht. Die RBL-Bosse wollen nicht nur einmal schnuppern und danach in Erinnerungen schwelgen. In der vergangenen Saison ist RB Leipzig zu einem Spitzenklub geworden. Nun steht er vor einer noch schwierigeren Aufgabe: In einem Markt, der sich weiter aufgeheizt hat, will er unbedingt oben bleiben.

Mit einem bisher in Deutschland nicht gekannten Konzept hat RBL einen Kader aus internationalen Talenten zusammengestellt - stets argwöhnisch begleitet von der Kritik der Fußballtraditionalisten. Bis heute spaltet Leipzig das Kickervolk: Ist RBL ein reines Marketinginvestment oder ein Segen für den deutschen Fußball? Wird der Fußball missbraucht, oder ist der Verein der Retter des ostdeutschen Sports und die letzte Hoffnung gegen die Übermacht des FC Bayern München? Und ist das Leipziger Erfolgsmodell tatsächlich so einmalig, dass es in den nächsten 50 Jahren nicht wiederholt werden kann, wie dessen Vordenker Ralf Rangnick behauptet?

Wenn Oliver Mintzlaff, der Vorstandsvorsitzende von RBL, den sportlichen Aufstieg seines Vereins beschreibt, vergleicht er ihn mit der Karriere eines Betriebswirts: Man hat als Praktikant angefangen und ist zum Produktmanager aufgestiegen. Schließlich landet man in der Geschäftsführung. "Und oben wird die Luft dünner", sagt Mintzlaff und lehnt sich im Ledersessel nach vorn, "dann bleibt nur noch der Vorstand und irgendwann der Vorstandsvorsitz." Wer Mintzlaff zuhört, versteht, warum der beispiellose Aufstieg von RasenBallsport Leipzig untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Konzentriert und leidenschaftlich breitet der athletische 42-Jährige mit hoher Stirn und langen Augenbrauen das Selbstverständnis seines Vereins aus. Rangnick hat die Strategie entworfen, die Philosophie, wie sie es in Leipzig und bei Red Bull nennen: Überfallfußball mit jungen Talenten, schnelle Erfolge, aber organisches Wachstum.

Mintzlaff führt die Geschäfte. "Globaler Fußballchef", das war einige Jahre lang sein Titel im österreichischen Getränke- und Eventkonzern Red Bull. Er war gleichzeitig für vier Vereine auf drei Kontinenten verantwortlich. Den Job musste er aufgeben, als er sich mit seiner Vision für RB Leipzig dem Ziel näherte.

Manager Mintzlaff, Unternehmer Mateschitz
picture alliance / dpa

Manager Mintzlaff, Unternehmer Mateschitz

Mintzlaff hat die Vorzüge eines einmaligen Fußball-Filialnetzes ausgenutzt, um an die Spitze der Bundesliga zu stürmen. Seit 2014 wechselten 15 Spieler von Red Bull Salzburg nach Leipzig, 8 von ihnen stehen noch im aktuellen Kader. Wer sich einen Platz in der Beletage des Fußballs erkämpfen will, muss kreativ sein - und alle Möglichkeiten ausnutzen.

Und wer seine Ambitionen mit aller Macht durchzusetzen versucht, kann sich nicht beklagen, auch die Störgeräusche der Konkurrenz zu spüren. Eine harte Probe hat RBL in diesem Sommer bestanden.

Es ist Tag fünf im Tiroler Trainingslager, als Naby Keita, 22, zutritt. Dem Leipziger Spielmacher verspringt während eines Trainingsspiels der Ball, sein Mitspieler Diego Demme sprintet heran. Keita stürzt mit beiden Beinen voraus in den Zweikampf und trifft Demme am Knie.

Es ist vorbei mit der Trainingsidylle in den bewaldeten Bergen von Seefeld am Fuße einer Skisprunganlage. Der Regen prasselt auf die Spieler herab, Keita rempelt seine herbeieilenden Mitspieler an, Demme wälzt sich auf dem Boden. Er wird einen Monat lang verletzt ausfallen. Die fast 50 Leipzig-Fans am Spielfeldrand sind entsetzt. Eine Anhängerin mit RBL-Ohrsteckern schüttelt ungläubig den Kopf: "Mensch, warum macht der Naby denn so was?" Ja, warum macht er das? War das nur ein normaler Zweikampf zwischen zwei ehrgeizigen Spielern, oder versucht sich der wohl beste Leipziger der vorigen Bundesligasaison bei seinem Arbeitgeber unbeliebt zu machen? Schließlich ist es an diesem Tag Ende Juli kein Geheimnis mehr, dass der FC Liverpool an Keita interessiert ist und mindestens 75 Millionen Euro als Ablöse geboten hat. Am Abend veröffentlicht der Verein ein Video, in dem Keita und Demme sich versöhnen. Mit der Ruhe rund um RBL ist es aber vorbei. Das haben sie nun von ihrem Erfolg: Spätestens jetzt schaut ganz Europa nach Leipzig.

Am Abend in der Lobby des Tiroler Teamhotels: Mintzlaff passt hier mit seinem hellblauen Businesshemd besser hinein als die Zwanzigjährigen aus dem Profikader, die in Badelatschen und Jogginghosen durch das Foyer schlurfen.

Mintzlaff bestellt sich einen Espresso, setzt sich auf die vordere Kante eines Sessels und redet über sein Geschäft. "Wir haben gleich nach Saisonende gesagt, dass wir keinen Stammspieler abgeben." "Dass ein Berater seinem Spieler verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, ist normal. Aber wir sind nicht die Berater des Spielers. Wir haben laufende Verträge." Es ist eine Botschaft an Keita und an alle anderen wechselwilligen Profis, die in Leipzig spielen, aber von Klopp, Guardiola und Mourinho träumen: Ihr Trainer soll auch in der kommenden Saison Ralph Hasenhüttl heißen. "Wir sehen uns nicht als Ausbildungsverein, der Topspieler an Topklubs liefert", sagt Mintzlaff, "wir wollen selbst ein Topklub werden."

Es würde nicht in die Wachstumsstrategie von RBL passen, nach einer sehr guten Saison die wichtigsten Spieler abzugeben. Das unterscheidet Leipzig etwa vom AS Monaco, der diesen Sommer neben Toptalent Kylian Mbappé, der zu Paris St. Germain wechselte, noch weitere Jungspieler an Manchester City und den FC Chelsea abgegeben hat. Seit 2014 hat Monaco über 462 Millionen Euro an Transfereinnahmen eingeholt und 293 Millionen Euro ausgegeben. Leipzig nahm im gleichen Zeitraum 25 Millionen ein, bei gleichzeitigen Ausgaben von über 150 Millionen. "Jedes Unternehmen plant und setzt sich Ziele", so Mintzlaff, "und ein Fußballverein ist für mich auch ein Unternehmen." Im Fall Keita beweist Mintzlaff Verhandlungsgeschick. Es ist der erste richtig ertragreiche Spielerverkauf der Leipziger. Anstatt Keita sofort zu verkaufen und damit einen zentralen Offensivbaustein zu verlieren, bleibt der Guineer noch für ein Jahr und wechselt dann für rund 70 Millionen Euro nach Liverpool.

Mintzlaff war offenbar die ideale Besetzung für den Job in Leipzig. "Ich bin Kaufmann, ich rechne gern", sagt er über sich. Mit 24 Jahren begann er beim Sportartikelhersteller Puma als Manager, er arbeite von 9 bis 21 Uhr, erzählte er einmal. Und vor der Arbeit gehe er als Leistungssportler laufen: jeden Tag 15 bis 20 Kilometer. Mintzlaff gibt immer mehr als 100 Prozent, sollte das heißen.

Vor zehn Jahren nahm er bei Puma die damals von Rangnick geführte TSG Hoffenheim unter Vertrag, wenige Monate später stieg der süddeutsche Dorfverein in die erste Liga auf, und Mintzlaff wechselte die Seiten. Als Spieler- und Trainerberater wurde er Rangnicks Vertrauter und blieb an dessen Seite; auch in schlechten Zeiten, etwa als sich Rangnick 2011 erschöpft als Trainer zurückzog. Dann holte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, 73, die beiden in seine deutsche Fußballfiliale nach Leipzig.

Die Energydrink-Firma pumpte hohe Summen in den neuen Verein. Als Fünftligist holte RBL mit Ingo Hertzsch einen ehemaligen Nationalspieler und stieg mit 22 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten auf.

Und als Rangnick und Mintzlaff im Sommer 2012 einstiegen, planten sie bereits fest mit dem Aufstieg in die Erstklassigkeit. Das belegen Dokumente der Football-Leaks-Sammlung: Der Stürmer Yussuf Poulsen etwa ließ für seinen Drittligavertrag 2013 bereits seine Monatsgehälter für die Zweite und die Erste Bundesliga aushandeln. Die vereinbarte Punktprämie sollte sich zudem im Falle der Qualifikation für den Europapokal verdoppeln. Diese Art von Voraussicht ist durchaus nicht üblich für einen Drittligisten.

Bemerkenswert ist zudem eine Bonusvereinbarung mit der Offensivkraft Emil Forsberg: Als der Schwede im Sommer 2015 zum damaligen Zweitligaverein Leipzig stieß, versprach ihm RBL 300.000 Euro für den Aufstieg in die Erste Bundesliga. So eine Summe bekommen ansonsten gestandene Spieler von Hertha BSC oder Bayer 04 Leverkusen für den Gewinn der deutschen Meisterschaft versprochen.

Eine "ungewöhnlich gute Anschubfinanzierung" war das, räumt Mintzlaff heute ein. Das ist ein Understatement. Der Aufbau der Leipziger Red-Bull-Filiale ist einmalig in der Bundesligageschichte.

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Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Den 18-jährigen Franzosen Dayot Upamecano, am Mittwoch bester Leipziger gegen Monaco, wollte RBL um jeden Preis haben. Dem Anfang des Jahres verpflichteten Verteidiger zahlt man 200.000 Euro im Monat, dazu kommen jährliche Sonderzahlungen in Höhe von zwei Millionen. Drei Millionen Euro bekam er obendrauf, als er den Vertrag unterschrieb. Ausstiegsklausel nach der aktuellen Saison: 100 Millionen Euro.

All diese Klauseln seien "wesentliche Vertragsbedingung, ohne die der Spieler diesen Vertrag nicht abgeschlossen hätte", heißt es im unterschriebenen Arbeitspapier. Die Botschaft ist klar: Wer zu den großen Klubs gehören will, muss höhere Gehälter zahlen.

Spätestens mit der Verpflichtung des Franzosen war die Gehaltsobergrenze von drei Millionen Euro passé, die Rangnick selbst proklamiert und öffentlich immer wieder verbreitet hatte. "Wir haben auch schon mal Spieler nicht verpflichtet, weil wir uns deren Gehalt nicht hätten leisten können", sagt Mintzlaff. Nach dem Upamecano-Transfer bekommt man eine Vorstellung davon, wie hoch die Grenze für RBL wirklich liegen dürfte.

Die Ausstiegsklausel von Upamecano offenbart aber auch den Erfolgsdruck, unter dem die Leipziger nun zunehmend stehen: Der Spieler wird günstiger, wenn sich RBL nicht für Europa qualifizieren sollte.

Einen Tag vor dem ersten Champions-League-Spiel gibt es Gerüchte, dass Real Madrid ernsthaftes Interesse an Timo Werner habe. Natürlich freue es ihn, das zu hören, sagt Werner nachher: "Das wäre ja gelogen, wenn ich sagte, dass mich das nicht interessieren würde." Die Leipziger Erfolgsgeschichte handelt auch von Werners Durchbruch. Der 21-jährige Mittelstürmer weiß, dass die Augen der Fans und Scouts auf ihm ruhen. Im Spiel gegen Monaco trippelt Werner an der Abwehrlinie, gestikuliert, fleht um den Ball und explodiert förmlich nach vorn, wenn ein Mitspieler ihn auf den Weg schickt. Wenn Werner losrennt, schreit das Stadion auf. Doch gegen Monaco mündet die Aufregung meist in Ernüchterung, etwa wenn der Linienrichter mal wieder eine Abseitsstellung anzeigt. Werner bleibt an diesem Mittwochabend glücklos.

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Leipzig wird seinen Leistungsträgern dauerhaft Spitzenfußball im Europapokal garantieren und die Gehälter weiter erhöhen müssen. Aber wo kommt das Geld in Zukunft her? Bisher lebt RBL größtenteils von den Alimenten Red Bulls. "Leipzig ist fremdfinanziert, das Geld kam bisher in großen Teil nicht aus den Fußballeinnahmen", sagt der Schalker Sportvorstand Christian Heidel. Sein Verein hingegen bezahle alle Ausgaben durch Einnahmen des Fußballgeschäfts. "Das kritisiere ich aber gar nicht, ich stelle es nur fest." Dass die Bundesligakontrahenten immer wieder darauf herumreiten, dass RBL kein normaler Verein sei, das kennt Mintzlaff. Es ist der lästige Teil seiner Arbeit. Man lädt ihn gern als Antagonisten von Traditionsvereinen ein. Zum Beispiel eine Woche vor dem Champions-League-Auftakt, die "FAZ" hat einen Fußballgipfel in Frankfurt organisiert. DFB-Chef Reinhard Grindel, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und hochkarätige Gäste aus Spanien und Frankreich treffen sich.

Mintzlaff, der sonst immer zwei Hemdknöpfe offen lässt, hat sich für den Anlass eine Krawatte lose umgehängt. Er sitzt in der Mitte einer Podiumsrunde und muss sich mal wieder Vorwürfen erwehren, diesmal vom Bremer Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode, einem ehemaligen Nationalspieler.

"Ich glaube sicherlich nicht, dass wir in der Bundesliga wettbewerbsverzerrend sind", sagt Mintzlaff. Und dass Leipzig um die Meisterschaft mitspiele, davon sei der Bundesligazweite der vergangenen Saison "noch viele, viele Jahre entfernt". Der Manager steckt selbst bei einem Branchentreffen in der Rolle des unbequemen Neulings. Das nervt ihn offensichtlich zunehmend. Er verteidigt den Leipziger Weg, den eine Minderheit immer noch nicht verstehe. "Aber dieser Minderheit wollen wir unseren Weg auch gar nicht weiter erklären." Wenn es eine Minderheit ist, dann ist sie laut. Für viele Fans ist RB Leipzig weiterhin Hassobjekt Nummer eins, der Plastikklub mit dem Geld des Brausemilliardärs. Noch mehr, seitdem findige Anwälte im Auftrag Leipzigs Lücken in den Regularien entdeckt hatten, durch die RBL überhaupt erst seine Lizenz bekam. Die Anwälte trafen auf einen DFB-Generalsekretär, der früher selbst für Red Bull gearbeitet hatte.

Der Dortmunder Boss Hans-Joachim Watzke attackierte RBL des Öfteren mit Worten, eine Handvoll BVB-Fans griff vergangene Saison Leipziger Anhänger tätlich an. Ärger über Leipzig ist schriller und übertriebener als woanders, wie der Fall Werners zeigt, der seit einer Schwalbe vor vielen Monaten in deutschen Stadien angefeindet wird.

Trotz der Kritik: Persönlich genießen die RBL-Manager durchaus Hochachtung in der Liga. "Herr Mintzlaff ist ein guter Mann, den könnte jeder Bundesligaverein gut gebrauchen", sagt zum Beispiel Martin Kind, der Präsident von Hannover 96. Denn die meisten Leistungsträger haben die Leipziger langfristig für relativ niedrige Ablösesummen in den Verein geholt - und nebenbei eine eigene Nachwuchsförderung aufgebaut. Das Trainings- und Leistungszentrum am Cottaweg kostete rund halb so viel, wie der Verkauf von Keita einbringen wird.

Die Nachwuchsschmiede musste in den ersten Jahren stets für die guten Absichten des jungen Vereins herhalten. Seht her, war die Botschaft, wir fördern den ostdeutschen Fußball und setzen auf eigene Talente. Die Wahrheit ist: Heutzutage spielt Leipzig Champions League ohne einen einzigen Spieler im Stammkader, der aus den neuen Bundesländern stammt.

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Jeder Bundesligaverein muss nach den Regularien der Deutschen Fußball Liga mindestens vier Spielern einen Profivertrag geben, die wenigstens drei Jahre lang in der vereinseigenen Jugend gespielt haben. Die hat Leipzig auch: Sie heißen Senkbeil, Dauter, Minz und Yilmaz - und haben bisher keine einzige Partie für die Profis absolviert. Eigene Talente haben es in Leipzig nicht einfacher als sonst in der Bundesliga. RBL ist im Moment ein österreichisches Raumschiff mit Talenten aus aller Welt, gelandet in einem perfekten Markt, der nach Spitzenfußball dürstete.

Dennoch ist die Leipziger Kaderschmiede mit ihren großartigen Möglichkeiten eine Verlockung für junge Spieler. "Leipzig war der beste Schritt für meine Entwicklung", sagt etwa der 17-jährige Elias Abouchabaka. Vor zwei Jahren wechselte der deutsche Jugendnationalspieler von Hertha BSC ins Leipziger Förderzentrum, auch um "den Spagat zwischen Fußball und Schule zu schaffen", wie er sagt. RBL bezahlte damals eine Ablöse von 250.000 Euro - für einen 15-Jährigen war das eine außergewöhnlich hohe Summe.

Mittlerweile ist Abouchabaka Abiturient, in der Sommervorbereitung hat er im Profikader mittrainiert. "Elias Abouchabaka, der neue Mesut Özil" lautet der Titel eines YouTube-Videos, das Highlights aus seiner jungen Karriere zeigt.

Abouchabaka soll nun in der U19 seine Einsätze bekommen. Deutsche Nachwuchsspieler wie er dürften es zukünftig in Leipzig noch schwerer haben.

Denn mittlerweile kauft Leipzig nicht nur österreichische Talente wie Konrad Laimer (von RB Salzburg) und gestandene Bundesligaspieler wie Kevin Kampl (natürlich auch mit Salzburg-Erfahrung), sondern auch teure Toptalente aus der ganzen Welt. Der Stürmer Bruma, 22, etwa kommt aus Guinea-Bissau und kostete 12,5 Millionen Euro. Der Franzose Jean-Kévin Augustin, 20, wechselte von Paris Saint-Germain nach Sachsen und kassiert nun 334.000 Euro im Monat. Und der Norweger Noah Jean Holm wurde mit einer Sonderzahlung von 550.000 Euro geködert. Holm ist 16 Jahre alt.

Ohne das Geld von Red Bull könnte Leipzig heute noch nicht mit der Elite mithalten. Der Weg zum Spitzenklub muss darum eine Erfolgsgeschichte bleiben. Wechselwillige Spieler und einen lustlosen Sponsor kann sich der Verein nicht leisten.



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