AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 35/2017

"Avatar"-Regisseur Cameron "Je mehr Geld ich ausgebe, desto mehr kommt rein"

James Cameron, Regisseur von "Terminator" und "Avatar", sorgt sich vor dem Tag, an dem Maschinen schlauer sind als wir. Doch gleichzeitig treibt er die Digitalisierung des Films wie besessen voran. Wie passt das zusammen?

Szene aus "Terminator 2", 1991: "Wir bauen Roboter, die für uns Kriege führen."
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Szene aus "Terminator 2", 1991: "Wir bauen Roboter, die für uns Kriege führen."

Ein SPIEGEL-Gespräch von


REUTERS

Der gebürtige Kanadier James Cameron, 63, hat die beiden bislang erfolgreichsten Filme gedreht: das Melodram "Titanic" (1997) und das Science-Fiction-Spektakel "Avatar" (2009). Zusammen haben die Blockbuster fast fünf Milliarden Dollar eingespielt. Von seinem Actionfilm "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" (1991) hat Cameron eine 3-D-Version herstellen lassen, die nun ins Kino kommt. In seinen beiden "Terminator"-Filmen, in denen Arnold Schwarzenegger einen Kampfroboter spielt, entwirft Cameron eine Zukunftswelt, in der die Menschen Krieg gegen Maschinen führen.

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Heft 35/2017
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Seit Jahrzehnten entwickelt der Regisseur die Filmtechnik immer weiter. Er hat die Digitalisierung des Films vorangetrieben und die Renaissance des 3-D-Kinos eingeleitet. "Avatar" drehte er mit seinen Schauspielern monatelang vor einer grünen Wand - die Bilder des Films entstanden später im Computer. Von "Avatar", der vom Kampf um einen von blauen Feenwesen bevölkerten Planeten handelt, plant Cameron vier Fortsetzungen, die zwischen 2020 und 2025 ins Kino kommen sollen. Er will bald anfangen zu drehen.

Der Regisseur ist ein leidenschaftlicher Taucher, der mit speziellen Tiefsee-U-Booten unter anderem das Wrack der "Titanic" und den Marianengraben erkundet hat. In der Tiefe, so der Regisseur, habe er gelernt, dass Präzision lebenswichtig sei. Der Beginn des SPIEGEL-Gesprächs wird von Cameron auf 19.16 Uhr terminiert. Um 19.09 Uhr verkündet seine Assistentin, dass es drei Minuten früher anfangen werde.


SPIEGEL: Mr Cameron, heute gibt es Roboter, die Staub saugen oder Rasen mähen, es gibt intelligente Häuser und selbstfahrende Autos. Leben wir schon in der Welt Ihrer "Terminator"-Filme?

Cameron: Wir sind dabei, die Schwelle zu einer Welt zu übertreten, in der die menschliche Existenz infrage steht. Ich liebe es, Auto zu fahren. Die Idee, dass mein Wagen von allein fährt, ist für mich das Symbol einer Welt ohne Menschen. Wenn ich den Wagen nicht steuere, bin ich überflüssig.

SPIEGEL: Viele Menschen sind vom Autofahren genervt. Im Stau zu stehen gilt als Inbegriff vergeudeter Lebenszeit.

Cameron: Vielleicht, aber wir müssen uns ganz andere Fragen stellen. Maschinen sind uns bereits heute oft überlegen, sie sind effizienter und schneller als wir. In 20 bis 30 Jahren werden sie auch intelligenter sein. Wir müssen fundamental umdenken.

SPIEGEL: Den Fortschritt stoppen?

Cameron: Ich weiß nicht, was passiert, wenn die Maschinen eines Tages schlauer sind als wir. Es kann sein, dass der westlichen Welt eine große Wiederkehr der Religion bevorsteht, weil sich die Menschen von ihr Antworten auf all diese Fragen erhoffen, von denen wir überfordert sind.

SPIEGEL: Was ist denn Ihre Zukunftsvision?

Cameron: Ich neige eher zu Dystopien. Es kann schon sein, dass wir eine Art Partnerschaft mit der künstlichen Intelligenz entwickeln, dass sie uns beispielsweise hilft, unsere enormen Umweltprobleme zu lösen. Aber ehrlich? Ich glaube nicht daran. Jede Form künstlicher Intelligenz, die wir entwickeln, wird ein Ebenbild von uns sein. Das ist das Grundproblem.

SPIEGEL: Sind wir ein so schlechtes Vorbild?

Cameron: Die Maschinen werden uns in all unseren Stärken und Schwächen widerspiegeln. Sie werden von uns auf Effizienz ausgerichtet, damit sie ökonomischer arbeiten und mehr Geld abwerfen. Das heißt: Wir bringen ihnen Gier bei. Wir bauen Roboter, die für uns Kriege führen. Wir implantieren ihnen Paranoia und programmieren sie darauf, zu töten.

SPIEGEL: Vielleicht lernen Maschinen ja auch Empathie? Japan etwa setzt verstärkt auf Pflegeroboter für ältere Menschen.

Cameron: Aber es fließt viel mehr Geld in die Entwicklung von Robotern, die auf Gewinn und Expansion ausgerichtet sind.

SPIEGEL: Wenn Sie in einem Ihrer U-Boote sitzen und mit den Roboterarmen den Meeresboden erkunden, was für eine Erfahrung ist das?

Cameron: Eine, die süchtig machen kann. Die Reichweite meiner Arme wird enorm erweitert. Mein Körper ist durchdrungen von der Maschine, die aber wiederum wird von meinem Bewusstsein gesteuert. Irgendwann hast du das Gefühl, außerhalb deines Körpers zu sein. Menschliche Intelligenz in einem anderen Körper oder Gehäuse? Klar doch, her damit!

SPIEGEL: Eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine?

Cameron: Genau. Die Technik, die ich bei meinen Expeditionen unter Wasser benutze, könnte schon viel weiter sein. Wenn ich mit den Roboterarmen eine Gesteinsprobe nehme, möchte ich in meinen Fingern spüren, wie sich das anfühlt. Die künstlichen Hände sollten so sensibel sein wie unsere eigenen. Wichtig aber ist: Wir steuern die Maschine. Nicht umgekehrt.

Regisseur Cameron, Star Schwarzenegger 1991 (bei den Dreharbeiten zu "Terminator 2": "Eine Wucht, die man fast körperlich spürt"
Zade Rosenthal / Kobal Collection / Carolco / Fotofinder

Regisseur Cameron, Star Schwarzenegger 1991 (bei den Dreharbeiten zu "Terminator 2": "Eine Wucht, die man fast körperlich spürt"

SPIEGEL: Die Technologie des Kinos und die digitalen Effekte haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Hatten Sie Angst, "Terminator 2" könnte veraltet wirken, als Sie ihn nun in 3-D umgewandelt haben?

Cameron: Ich war mir nicht sicher. Deshalb habe ich mir den Film noch einmal sehr genau angesehen. Doch ich fand nichts, was mir peinlich war. Die visuellen Effekte halten dem heutigen Blick ganz gut stand. Sicher würde ich heute einiges anders machen, vor allem deshalb, weil wir im digitalen Bereich inzwischen ganz andere Werkzeuge zur Verfügung haben.

SPIEGEL: Die Verfolgungsjagd, in der ein Truck hinter einem Motorrad durch Los Angeles rast, ist immer noch eine der spektakulärsten Actionszenen der Filmgeschichte. Sie haben sie real gedreht. Würden Sie das heute auch noch machen?

Cameron: Wir haben schon damals ein paar Tricks verwandt. Aber die Szene entfaltet tatsächlich deshalb eine so enorme Wucht, die der Zuschauer fast körperlich spürt, weil sie weitgehend real gedreht wurde. Ich würde heute nur hier und da computeranimierte Bilder verwenden.

SPIEGEL: Und warum überhaupt?

Cameron: Aus Sicherheitsgründen. Kein Film ist es wert, dass jemand dafür stirbt. Wir haben bei "Terminator 2" nichts gemacht, was wir nicht verantworten konnten, aber ein Risiko bleibt immer, und das kann man mit visuellen Effekten minimieren. Es ist absolut unentschuldbar, wenn jemand bei Dreharbeiten stirbt.

SPIEGEL: Ist Ihnen das schon mal passiert?

Cameron: Noch nie ist bei einem meiner Filme ein Stuntman ernsthaft verletzt worden. Das kann nicht jeder Regisseur von sich sagen. Es kostet extrem viel Sorgfalt und Planung, einen Stunt vorzubereiten. Und wenn Sie dann drehen, bangen Sie trotzdem die ganze Zeit.

SPIEGEL: Ist die Technik heute so weit, dass man den Unterschied zwischen realen und digitalen Bildern nicht mehr sieht?

Szene aus "Avatar": "Paranoia kann sehr gesund sein"
REUTERS

Szene aus "Avatar": "Paranoia kann sehr gesund sein"

Cameron: In den Händen der richtigen Leute schon. Ich drehe jetzt den zweiten "Avatar"-Film, der weitgehend aus computeranimierten Bildern besteht. Aber am Ende wird er von Anfang bis Ende völlig real wirken. Wäre ich davon nicht überzeugt, würde ich es sein lassen.

SPIEGEL: Entfernt sich das Kino nicht immer mehr von der Wirklichkeit, wenn reale durch digitale Bilder ersetzt werden?

Cameron: Wir ersetzen die Wirklichkeit nicht, sondern erweitern sie. Als wir "Terminator 2" gemacht haben, hätte ich den Kampfroboter, der aus Flüssigmetall besteht, wahnsinnig gern real gedreht. Aber das ging nun mal nicht. Das geht auch heute noch nicht. Die digitale Technik erlaubt uns, Bilder zu erzeugen, die wir auf keine andere Art herstellen können. Wir entdecken jenseits der Wirklichkeit immer mehr Neuland.

SPIEGEL: Pionierarbeit?

Cameron: Ja, als ich vor fast 30 Jahren den Unterwasserfilm "The Abyss" gedreht und digitale Effekte verwandt habe, habe ich den ersten Schritt auf einen unbekannten Kontinent gesetzt. Seither erkunde ich ihn.

SPIEGEL: Dass etwas real gedreht wurde, hat für Sie keinen Wert an sich?

Cameron: Nein. Was zählt, sind das Bild und seine Wirkung.

SPIEGEL: Vor über 35 Jahren hat der Regisseur Werner Herzog für seinen Film "Fitzcarraldo" mitten im südamerikanischen Urwald ein Schiff über einen Berg ziehen lassen und davon einzigartige Bilder gemacht. Wäre dies heute noch sinnvoll?

Cameron: War es damals sinnvoll? Oder nicht ziemlich verrückt? Extrem war es auf jeden Fall.

SPIEGEL: Muss man nicht extrem sein, um einzigartige Bilder zu erschaffen? Der Regisseur David Lean hat bei "Lawrence von Arabien" (1962) für eine einzige Einstellung tagelang in der Wüste ausgeharrt, bis Lichteinfall, Wind und Farben stimmten.

Cameron: Ich erinnere mich, wie wir den Kuss zwischen Leonardo DiCaprio und Kate Winslet für "Titanic" gedreht haben. Auf einmal tat sich vor unseren Augen dieser großartige Himmel auf. Ein Glücksfall! Das Licht tauchte alles in diese melancholische Stimmung. Das gesamte Filmteam war hin und weg. Kate Winslet schrie: Jetzt drehen, jetzt sofort!

SPIEGEL: Es gibt sie also doch, die Magie des unwiederholbaren Augenblicks?

Cameron: Wir haben den Kuss zweimal gedreht. Dann war der tolle Himmel verschwunden. Kate konnte noch rechtzeitig die Haarnadeln aus ihrer Frisur ziehen, und schon lief die Kamera. Beim ersten Mal war die Einstellung leider völlig unscharf. Also drehten wir sofort noch einmal. Jetzt war sie nur noch halb unscharf. Diese Einstellung ist nun im Film. Sie ist real. Und halb unscharf. Doch keiner stört sich daran. Alle sind gebannt.

SPIEGEL: Wenn Sie mit Ihren Schauspielern monatelang vor einer grünen Wand drehen, fühlen Sie sich da nicht manchmal etwas verloren? Ist Ihre Fantasie nie überfordert, wenn Sie sich die Bilder immer vorstellen müssen?

Cameron: Dann hätte ich "Avatar" nie gedreht. Dieser Film ist zu 100 Prozent artifiziell. Und doch ist er von großer emotionaler Wahrhaftigkeit. Ich glaube sogar, er trägt eine spirituelle Wahrheit in sich. Viele Millionen Menschen rund um den Globus hat er in seinen Bann geschlagen. Es kommt also nicht auf die Technik an.

SPIEGEL: Sondern?

Cameron: Auf die Vision des Filmemachers. Wenn ich mit einem Raumschiff durchs All geflogen und auf einem Planeten gelandet wäre, auf dem blaue Wesen wohnen, und ich hätte all das real gefilmt - "Avatar" wäre der gleiche Film.

SPIEGEL: Sehen Sie sich als Entdecker?

Cameron: Unbedingt. Egal ob ich mich an Orte begebe, an denen noch niemand vor mir war, oder ob ich Dinge erfinde, die es noch nicht gibt.

SPIEGEL: Oder eine künstliche Welt erschaffen, wie in "Avatar"?

Cameron: "Avatar" war eine große Entdeckungsreise, und sie ist noch lange nicht vorbei.

SPIEGEL: Sie haben gesagt, für Expeditionen auf den Meeresgrund brauche man "gesunde Paranoia". Braucht man die auch in Hollywood?

Cameron: Klar. Wenn ich in ein U-Boot steige und abtauche, begebe ich mich an einen der unwirtlichsten Orte der Welt. Aber auch in Hollywood sollte man mit dem Schlimmsten rechnen. Doch der größte Risikofaktor ist der Zuschauer, und der lässt sich nicht berechnen.

SPIEGEL: Wirklich? Sie haben die zwei erfolgreichsten Filme aller Zeiten gedreht.

Cameron: Alles Instinkt. Aber Paranoia kann sehr gesund sein, weil sie dazu führt, dass man überall Gefahr wittert, sogar in sich selbst. Sie kann vor Größenwahn und Verblendung schützen. Wenn mir eine Geschichte gefällt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch dem Publikum gefällt.

SPIEGEL: Wie finden Sie das heraus?

Cameron: Wenn ich die Studiobosse überzeugen will, mir mehr als 200 Millionen Dollar für einen Film zu geben, brauche ich verdammt gute Argumente. Ich muss klarmachen, warum der Film Bedeutung hat und warum ich glaube, dass er viele Millionen Menschen ansprechen wird.

SPIEGEL: Wie geht das? Indem man auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zielt?

Cameron: Im Gegenteil, ich gehe nie auf Nummer sicher. "Titanic" war ein höchst riskantes Projekt. Ein großes Schiff weitab des Mainstreams. In unseren wildesten Träumen hatten wir gehofft, dass er vielleicht seine Kosten wieder einspielen würde. Auch "Avatar" war eine radikale Abkehr vom herkömmlichen Filmemachen, kein Mensch wusste, ob das funktioniert.

SPIEGEL: Sie sind der erfolgreichste Filmemacher aller Zeiten. Sie können alles machen, was Sie wollen.

Cameron: Na ja.

SPIEGEL: Warum drehen Sie jetzt vier Fortsetzungen von "Avatar", statt etwas völlig Neues in Angriff zu nehmen?

Cameron: Für mich ist das eine große Erzählung. Der erste Film war das Anfangskapitel. Seit Jahren arbeiten wir an den Drehbüchern, bald fangen wir an zu drehen, der letzte "Avatar"-Film wird vermutlich 2025 anlaufen. Ich investiere in das Projekt einen Großteil meiner verbleibenden Regiekarriere. Aber ich will damit ein Statement machen.

SPIEGEL: Was für ein Statement?

Cameron: Die Menschheit steckt in sehr großen Schwierigkeiten. Wir müssen unser Verhältnis zur Natur völlig neu justieren. "Avatar" spielt auf einem anderen Planeten, aber er handelt von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der Bedrohung der indigenen Bevölkerung. Unterhaltung mit Gewissen, wenn Sie so wollen.

SPIEGEL: Ein Film mit einer Botschaft?

Cameron: Ich will nicht, dass die neuen "Avatar"-Filme mehr predigen als der erste. Doch ich muss das Thema Klimawandel gar nicht erwähnen. Wenn die Leute "Avatar" sehen, wissen sie, dass es auch darum geht. Wenn eine der Figuren sagt: "Die Erde stirbt", ist jedem klar, was das bedeutet. In diesem Film geht es um uns, um die Existenz unseres Planeten.

SPIEGEL: Die Natur ist Ihnen sehr wichtig.

Cameron: Das war schon in meiner Kindheit so. Ich war als Junge oft auf der Farm meines Großvaters, habe Käfer, Schmetterlinge und Frösche gesammelt. Ich hatte nie in meinem Leben das Gefühl, aus dieser Leidenschaft für die Natur herauswachsen zu müssen.

SPIEGEL: Sie haben seit einigen Jahren eine Farm in Neuseeland.

Cameron: Einen Teil des Jahres verbringe ich mit meiner Familie dort, die andere Zeit in Los Angeles. Ich genieße das ländliche Leben. Man kennt dort alle seine Nachbarn und geht auch einfach mal so bei ihnen vorbei. In L.A. gibt es keinen Sinn für Nachbarschaft.

SPIEGEL: Ist das Leben auf der Farm für Sie ein Ausgleich zum hektischen Hollywood?

Cameron: Die Farm ist weit mehr als ein Hobby. Wir betreiben nachhaltige Landwirtschaft auf großen Flächen. Wir bauen eine Datenbank auf, um herauszufinden, wie man mit dem Land möglichst verantwortungsvoll umgeht, ohne die Erde auszulaugen. Aber natürlich ist es auch ganz gut, sich von Hollywood nach Neuseeland entfernen zu können.

SPIEGEL: Hollywood steckt immer mehr Geld in immer weniger Filme, nicht zuletzt bestärkt durch den Erfolg von "Titanic" und "Avatar". Ist das gut fürs Kino?

Cameron: Hollywood schert mich nicht. Mein Geschäft hat immer schon so funktioniert: Je mehr Geld ich ausgebe, desto mehr kommt rein. Ist eine ganz gute Formel. Die Bilder, die ich im Kopf habe, und die Geschichten, die ich erzähle, verlangen nun mal viel Geld. Ich zeige Landschaften und Figuren, die man in keinem anderen Film zu sehen bekommt.

SPIEGEL: Gigantomanie ist kein Problem?

Cameron: Hollywood ist ein Markt, der sich selbst reguliert. Wer für viel Geld Filme macht, die nur ein Abklatsch ihrer Vorgänger sind, hat auf Dauer keinen Erfolg. Aber wenn Leute etwas riskieren und Geschichten erzählen, an die sie wirklich glauben, ist es okay, wenn die Budgets hoch sind.

SPIEGEL: Sie haben viele Jahre am ersten "Avatar"-Film gearbeitet und nun die Fortsetzungen mehrfach verschoben. Braucht man in Hollywood viel Geduld?

Cameron: Man darf nicht unter die eigenen Standards gehen. Wir haben so lange an den Drehbüchern für die "Avatar"-Fortsetzungen gearbeitet, bis ich zufrieden war. Vier Autoren und ich haben jahrelang zusammengesessen und die Storys entwickelt. Dann habe ich mich zurückgezogen und an den Dialogen gefeilt. Irgendwann klangen sie so, wie sie sollten.

SPIEGEL: Und parallel haben Sie die digitale Technik weiterentwickelt?

Cameron: Ja, da haben wir einige Millionen Dollar reingesteckt. Und Spezialisten angeheuert, um neue Figuren und Landschaften zu entwerfen. Es ist ein enormes Projekt, wir bauen eine Welt.

SPIEGEL: Mr Cameron, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Im Video: James Cameron - von "Terminator" bis "Avatar"

Dan Steinberg


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Newspeak 27.08.2017
1. ...
"Von "Avatar", der vom Kampf um einen von blauen Feenwesen bevölkerten Planeten handelt, plant Cameron vier Fortsetzungen, die zwischen 2020 und 2025 ins Kino kommen sollen." Der Erfolg gibt ihm recht, aber trotzdem erscheint das groessenwahnsinnig. Ebenso die vielen anderen Superheldensagas, Stars Wars mit zig Spin Offs, jeder unwichtige Nebencharakter bekommt seine eigene Serie im "Universum", dazu Prequels, Sequels, andere Zeitlinien, Mashups, Neustarts. Ich will gar nicht mehr zaehlen, der wievielte amtierende Spiderman gerade existiert (wird vermutlich wie ein neues Papstamt werden). Es kann sein, dass ich fundamental etwas nicht verstehe daran, moeglicherweise hat sich der Massengeschmack wirklich so veraendert, aber meine Prognose ist die...ein "Heaven's Gate 2.0" steht kurz bevor. Das wird ein ambitionierter Film sein, mit A Besetzung, extrem teuer und...aus Gruenden, die man lange analysieren wird...ein gigantischer Flop an den Kinokassen. Und zwar so, dass dabei das verantwortliche Studio pleite gehen wird. Danach werden alle diese Dinge bei den anderen Studios gecancelt.
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