AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2017

SPD Steh auf, du bist gar nicht tot

Wie ergeht es der SPD-Basis mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz? Eine Reise ins Innere der deutschen Sozialdemokratie.

Servicekräfte beim Schulz-Auftritt in Vilshofen
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

Servicekräfte beim Schulz-Auftritt in Vilshofen

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Und dann kam der Prinz aus Würselen. Ein Mann mit dem Glamour eines Eisenbahnschaffners, braver Bart, meist irgendwie blauer Anzug, Name: Schulz, Martin Schulz. Er kam, als die SPD sich ins Wahljahr schleppte und eigentlich längst klar war: Das wird ein lauer Wahlkampf. Und das wird wieder nichts, in Berlin.

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Heft 20/2017
Emmanuel Macron rettet Europa ... und Deutschland soll zahlen

Er kam, und die Partei rieb sich die Augen. Umfragen, die stiegen. Menschen, die diese Partei plötzlich attraktiv fanden und bereit waren, Mitglieder zu werden, junge Menschen sogar, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Interesse an der gebeutelten Partei wuchs: Wie geht es ihr? Wie ist sie, heute, und: Wie könnte sie sein?

Der Zufall gibt einem ein Buch in die Hand, es stammt von Johano Strasser, 78, Philosoph, Schriftsteller, Politologe. SPD-Vordenker, so hieß das mal, interessantes Wort eigentlich, es klingt nach etwas Ausgestorbenem wie Fernsehansagerin oder Libero.

Strasser, in seiner Autobiografie "Als wir noch Götter waren im Mai", schreibt dazu diese Sätze: "Allzu gern würde ich glauben, dass dies meine SPD ist: eine Versammlung kritischer, selbstständiger Köpfe, klar in ihren Grundsätzen und unerschütterbar in ihrem Engagement für die Mühseligen und Beladenen, aber jederzeit bereit, sich der veränderten Realität zu stellen, diskussionsfreudig, misstrauisch gegenüber hohlen Phrasen und bombastischen Inszenierungen, an nichts als der Wahrheit interessiert und mutig, wenn es darum geht, das schlechte Bestehende zu verändern."

Schöne Sätze. Sie taugen als Wegweiser für eine Reise übers Land, eine Reise zur SPD, abseits von Berlin. Wächst da etwas, kehrt etwas wieder? Grundsätze? Selbstbewusstsein? Mut?

Die Reise führt längs und quer durch die Republik, durch sieben Bundesländer. Sie spielt zu einer Zeit zwischen neuem Glück (16.000 Neueintritte) und neuer Enttäuschung (Schleswig-Holstein), spielt zu einer Zeit, da Martin Schulz über das Land kam und versprach, die Republik zu verändern; was daraus wird, erfährt man frühestens im Herbst. Schon sichtbar aber ist seine Wirkung auf die SPD.

Johano Strasser glaubt zu wissen, dass die Sehnsucht nach einer Partei, wie er sie sich vorstellt, "in vielen meiner Genossen schlummert". Wird die jetzt wach?

SPD-Politiker Müntefering in Hamburg
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

SPD-Politiker Müntefering in Hamburg

RAUSCH

Hamburg. Regierung: Rot-Grün. Letztes Bürgerschaftswahlergebnis (2015): 45,6 Prozent SPD.

Knarzig erschien er, uneuphorisch, pathosfrei. Die SPD war gerade dabei, sich an Umfragezahlen zu besaufen, aber Franz Müntefering sah nicht nach Rausch aus, an diesem Abend in Hamburg-Eimsbüttel mit Jusos und der Seniorengruppe "60 plus".

Die Jusos hatten glänzende Augen und quasselten Internetunsinn nach, vom "Schulzzug", der ins Kanzleramt rolle, und mehr dieser Art. Schulzzug. Hm. Müntefering ist alt, 77, aber er hat eine 40 Jahre jüngere Frau. Er ist an junge Menschen gewöhnt und an die Dinge, die diese manchmal lustig finden. Müntefering trug immer noch die eckige Franz-Frisur, sprach über Bildung (für alle), über die Rente (mit 67, sein Projekt, das er verteidigt), als wäre alles wie immer, aber das war es nicht. SPD und Euphorie, das passte lange Zeit nicht zusammen. Jahrelang nicht.

Müntefering neigt nicht zu Euphorie, das hat er nie getan, aber sein Kommentar zu Martin Schulz fiel noch knarziger aus, noch knochentrockener, als zu erwarten gewesen wäre. "Es ist eine Schangs", sagte er. "Mehr noch nicht." Schulz hat, müntemäßig gesehen, eine erfreuliche Seite und eine unerfreuliche.

Das Erfreuliche: Schulz ist wie Müntefering einer von denen, die es zu etwas gebracht haben, und zwar ohne Abitur. Schulz war Bürgermeister, Europaabgeordneter, Europaparlamentspräsident. Müntefering war Fraktionsvorsitzender, SPD-Geschäftsführer, Minister, Vizekanzler, Parteivorsitzender, zweimal sogar. Er sei nicht stolz darauf, kein Abitur zu haben, "aber wir sind auch nicht blöd", sagte Müntefering vor diesen Hamburger Jusos, von denen die meisten Akademiker sind.

Das Unerfreuliche: Schulz redet Kritisches über die Agenda 2010, über die Reformpolitik überhaupt, die Müntefering mit Kanzler Gerhard Schröder zusammen eisern durchzog und die ein Epochenbruch war. Die Kleine-Leute-Partei SPD setzte sich jetzt dafür ein, dass Menschen, die wenig haben, noch weniger haben sollen.

"Judas" hieß Müntefering damals bei Gewerkschaftern; er, der immer der Mann für die Seele der Partei gewesen war. Er wurde bestraft, nicht nur mit Worten. 2009, mit ihm als Vorsitzenden, fuhr die SPD das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein: 23 Prozent. Und die meisten Wählerstimmen, das gilt schon seit 2002, gingen im unteren Drittel verloren. Man müsse "auf der Höhe der Zeit sein", das hat Willy Brandt gesagt, Müntefering zitiert ihn an diesem Eimsbütteler Abend. War Müntefering damals "auf der Höhe der Zeit"? Wer ist es heute? Schulz? Die Hamburger Jusos?

Auf einer Pinnwand gleich beim Eingang besteht die Möglichkeit, Wünsche aufzuschreiben. Die Frage lautet: "Gerechte Gesellschaft, was bedeutet das für Dich/Sie?" Man könnte Grundsätze daraufschreiben, Ideen, Visionen.

"Rücksicht", steht da und dreimal "Verständnis". Und "Kompromissbereitschaft". Komische Bilder entstehen im Kopf, Menschen, die mit Plakaten durch Straßen ziehen: Wir wollen Kompromissbereitschaft! Man blickt auf diesen Müntefering, der erst auf der einen, dann auf der anderen Seite stand. Man blickt auf diese Jusos und fragt sich, welche Seite das überhaupt sein könnte, auf der sie stehen.

Sehnsucht nach Kompromissbereitschaft also. Die erste Station einer Reise zur deutschen Sozialdemokratie.

Kandidat Schulz in Darmstadt
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

Kandidat Schulz in Darmstadt

CURRYWURST

Hessen. Regierung: Schwarz-Grün. Landtagswahlergebnis (2013): 30,7 Prozent SPD.

Auf dem Marktplatz im hessischen Darmstadt steht ein Mann mit rotem Schirm und rotem Hut. Er heißt Michael Siebel, möchte zum Bürgermeister gewählt werden und wartet auf Martin Schulz.

Ebenfalls auf Martin Schulz wartet Sören Simon, 22, von der TU Darmstadt, Informatikstudent. Er ist neu hier, dies ist sein allererster Termin bei der SPD. Simon spricht vernunftbetont, nicht euphorisch. Simon sagt, dass ihm Europa so wichtig sei, das sei ihm bisher gar nicht so klar gewesen, aber nun empfinde er es so. Simon hofft auf ein Handyfoto und auf ein paar Sätze mit Schulz.

Ein Trupp Jusos umgibt ihn, aufgeregtes Gesumm, Schulz, Schulz, es bleibt Zeit für die Frage, warum gerade Jungsozialisten den biederen Mann aus Würselen so begeisternd finden, und irgendwann, während sich der Marktplatz füllt, beginnt man, ein wenig zu verstehen.

Zum einen wird Schulz bejubelt, weil Schulz bejubelt wird, die Euphorie nährt sich von sich selbst.

Zum anderen hat Schulz ein doppeltes Profil, das gut passt zu diesen Jusos, die aus zwei Varianten von Jungpolitikern bestehen.

Es finden sich Pragmatiker, aufstiegs-, leistungs-, selbstverwirklichungsorientierte junge Menschen. Einer Generation zugehörig, für die Europa und die Globalisierung zum Lebenskonzept gehören - als Raum der Chancen. Bedroht wird es von Trump, AfD und dem Brexit-Denken. Verteidigt von Martin Schulz.

Es finden sich aber auch diejenigen, die sich ganz selbstverständlich als linke Korrektur zur Mutterpartei verstehen. Schulz und die Gerechtigkeit, Schulz und die Kritik an der Agenda - passt.

Schulz erscheint als ein Mensch, der das Denken der Mächtigen in Brüssel ebenso gut kennt wie die Sorgen in der Provinz. Er wird durch die Fußgängerzone gehen und mit Menschen reden. Er wird eine Currywurst essen. Er wird dem Mann mit dem roten Hut helfen, der zum Oberbürgermeister gewählt werden will und dessen Aussichten nicht gut sind gegen einen amtierenden Grünen, der unterstützt wird von der CDU.

Schulz will mit Menschen sprechen, bürgernah. Damit die Welt weiß, dass er bürgernah mit Menschen redet, wurden Medien dazugebeten. Die Medien sind in großer Zahl erschienen, sie umschließen ihn, befragen ihn, beschäftigen ihn. Ein amorpher Pulk bewegt sich durch die Fußgängerzone, Medien, Genossen, irgendwo dazwischen ein Mann mit rotem Hut und neben ihm vermutlich Martin Schulz.

Es gibt keine Nähe. Kein echtes Bürgergespräch. Es gibt frustrierte Kameraleute, die durch ihre Anwesenheit das zunichtemachen, was sie filmen sollen. Einer, in der Currywurstbude, filmt schon mal die Würste und das Mädchen, das sie verkauft.

Reporter: Wussten Sie, dass Schulz kommt? Wurstmädchen: Is ja schwer zu übersehen.

Reporter: Sind Sie aufgeregt? Wurstmädchen: Äh? Reporter: Ist ja vielleicht der künftige Kanzler. Wie finden Sie es, dass er kommt? Wurstmädchen: Is mal was anderes.

Reporter: Wie finden Sie ihn? Wurstmädchen: Ich halt mich da raus.

Man könnte schon mal daraus schließen, dass nicht jeder Schulz so großartig findet wie seine Partei. Seine Partei könnte darüber nachdenken, es täte ihr vielleicht gut.

Schulz steht an diesem Tag nicht für Nähe, sondern für Inszenierung, für genau das, was eben nicht auf Johano Strassers Wunschzettel steht. Für das normale, übliche Auftreten in der Politik. Man wundert sich, warum der Herr mit dem roten Hut, der zurückbleibt, so zufrieden ausschaut. Er meint, es habe sich gelohnt.

Hat es aber nicht.

Am 19. März wird Martin Schulz in Berlin zum SPD-Kanzlerkandidaten gewählt, mit 100 Prozent. Am 19. März verliert Michael Siebel in Darmstadt gegen den Grünen, mit 16,7 Prozent. Sankt Martin hat kein Wunder getan.

Baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende Breymaier
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

Baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende Breymaier

SCHWERTGOSCH

Baden-Württemberg. Regierung: Grün-Schwarz. Landtagswahlergebnis (2016): 12,7 Prozent SPD.

Es ist der Mittwoch einer unangenehmen Woche, als Leni Breymaier ins Café Seeblick nach Itzelberg kommt. Das Unangenehme hat mit Grundsätzen zu tun.

Leni Breymaier ist Landesvorsitzende der SPD in Baden-Württemberg, und dass sie es wurde, so ähnlich sagt sie es selbst, liegt an einem Desaster: 12,7 Prozent. Das war das Ergebnis der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Gefolgt ist sie auf einen blassen Juristen, der am Kabinettstisch des Grünen Kretschmann noch blasser wurde, Schmid hieß er, Nils Schmid.

Breymaier ist eine robust wirkende Frau, die früher bei Horten Sportartikel verkauft hat, lange in der Gewerkschaft Ver.di Verantwortung trug und sich widerspruchslos als "Schwertgosch" bezeichnen lässt, was im Schwäbischen heißt, dass man den Mund aufmacht und nicht so schnell wieder schließt.

Sie hat den Mund aufgemacht, vor ein paar Tagen, und es gab gute Gründe dafür. Grundsätzliche Gründe. Man konnte den Eindruck gewonnen haben, dass die Landtags-SPD mit den Grundsätzen Schwierigkeiten hat.

Das Problem hatte mit der Rente zu tun und begann vor knapp zehn Jahren. Damals beschloss der Stuttgarter Landtag, dass das, was man von Bürgern erwarte, auch von Abgeordneten zu erwarten sei: Privatvorsorge. Die staatliche Absicherung der Politiker wurde gekappt, dafür aber ihr Monatseinkommen ordentlich erhöht.

Vor Kurzem stellte die Landtags-CDU fest, dass sich dadurch "eine Lücke" ergebe. Die privaten Verträge hielten nicht, was versprochen worden war. Die SPD und die Grünen sahen diese Lücke auch. Die drei Fraktionen kamen also überein, den Weg zurück zur staatlichen Versorgung zu ebnen - die Einkommenserhöhung zurücknehmen wolle man aber nicht.

Selbstbedienung gehört eigentlich nicht zu Grundsätzen, die es zu verteidigen gilt. Leni Breymaier muss ins Tischtuch gebissen haben, als sie davon erfuhr. Sie sitzt im Wahlkreis Heidenheim mit dem erweiterten Kreisvorstand im Café Seeblick, hinter sich auf die Wand gemalte Gänse, und erinnert sich, was sie früher schon von Walter Riesters Privatvorsorgemodell hielt. Wie sie auf Marktplätzen stand, Schild in der Hand: "Für Frauen im Alter 'ne Rente wie Walter".

Öffentlich "Ihr spinnt wohl" sagen zu den eigenen Genossen, darf man das? Darf man nicht, wenn man Angst vor Schlagzeilen hat. Muss man, wenn man denkt: Das ist Demokratie.

Geschlossenheit, das ist ein Ideal fast aller Parteien, aber manchmal tötet es alles. Es kann dazu führen, dass man sich einmal zu oft unterwirft, wenn jemand "Basta" sagt. Und sich dann in die innere Emigration verzieht.

Die Schwertgosch hat gesprochen: "Ich hätte das so nicht gemacht." Und es half. Das Projekt ist gestoppt, eine Kommission soll sich um die Vorsorgefrage kümmern.

Breymaier ist Sozialdemokratin in einem reichen Bundesland, aber auch hier ist nicht alles Daimler, sondern auch Prekariat, und von den unteren 40 Prozent der Beschäftigten, die laut Statistik des Jahres 2015 real weniger verdient haben als Mitte der Neunzigerjahre, leben auch welche in Baden-Württemberg.

Auch die Südwest-SPD, zum Beispiel im ehemals roten Mannheim, hat Menschen an die AfD verloren.

Wenn gesagt wird - und nicht nur Wolfgang Schäuble tut das ja -, es gehe "Deutschland und den Deutschen so gut wie lange nicht", dann wirkt das als Kränkung für diejenigen, die nicht dazugehören. Und es ist ja nicht nur die Kränkung, dass die Interessenvertretung fehlt. Sondern dass dem Hilfebedürftigen abgesprochen wird, dass er überhaupt existiert.

Schulz? Sie hat gewisse Erwartungen an ihn, beobachtet aber genau. Gerechtigkeit, gut, aber die "hart arbeitende Mitte", von der er spricht - "unsereins kriegt da erst mal Schnappatmung".

Die "hart arbeitende Mitte": Das kann auch FDP-Jargon sein, wenn es gegen die ganz unten geht. Sie hat aber zunächst den Eindruck, dass es bei Schulz gegen die Oberen geht, das hat sie erst mal beruhigt.

Sie hätte es natürlich gern, aber man kann noch nicht sagen, ob es etwa dasselbe ist, was Schulz und sie unter Politik verstehen. Was man wohl sagen kann: Es ist dieselbe Sehnsucht, die diese beiden nach oben gespült hat, in der SPD.

TROLLE

Sachsen-Anhalt. Regierung: Schwarz-Rot-Grün. Landtagswahlergebnis (2016): 10,6 Prozent SPD.

Es gibt Menschen, die morgens um drei auf die Facebook-Seite der SPD von Sachsen-Anhalt gehen, um herumzupöbeln. Seltsames Lebenskonzept. Raphaela Spitaler hat einen Beruf daraus gemacht, damit umzugehen.

Raphaela Spitaler kam rechtzeitig vor der Landtagswahl 2016 zur SPD, um das Desaster mitzuerleben: 10,6 Prozent. Nur gibt es hier keinen Kretschmann, den man dafür verantwortlich machen kann.

Die SPD im Osten - überall hat sie stark an die AfD verloren, vor allem dort, wo die Versorgung schlechter geworden ist: weite Wege, wenige Busse, die Schule und die Polizeistation irgendwo in der Ferne.

In Sachsen-Anhalt schob man es auf Personalquerelen, dass die SPD so miserabel abschnitt. Aber Fakt ist auch, dass es die Sparpolitik des SPD-Finanzministers gab, der seine Kürzungen durchzog, bis man manchmal den Eindruck bekommen konnte: Der Staat verweigert die Fürsorge.

Jedenfalls wurde die AfD nirgends so stark wie hier: 24,3 Prozent.

Und so wurde nach der Wahl außer AfD und Linke alles zusammengekratzt für die Koalition, was zu kriegen war: Schwarz, Rot und Grün. Die SPD sagte nicht Nein. Wann tut sie das schon. Sie regiert im Bund und (bis Anfang Mai) in 13 Bundesländern mit, was manchmal, weil sie so leblos wirkte, ins Vergessen geriet.

In Sachsen-Anhalt ist es eine kleine Partei von rund 3500 Mitgliedern, aber groß genug, um auf Facebook beleidigt zu werden. So bekam Raphaela Spitaler, die Politologie und Journalismus studiert und als Praktikantin zur SPD gefunden hat, den Job. Sie postet Nachrichten, befasst sich mit den Diskussionen, auch mit der Frage: Löschen? Nicht löschen? Das Erscheinen von Schulz, sagt sie, habe tatsächlich einen Effekt: "The return of the trolls". Mehr Pöbeleien. Andere Pöbeleien.

Gegen? "Gegen die Agenda vor allem." Mit dem Vorwurf: Ihr wart das doch. Und jetzt tut ihr plötzlich so sozial.

Immer wieder die Agenda. Muss man sich damit beschäftigen, immer noch? Es gibt Jusos, die sagen: Lasst uns über etwas anderes reden. Das war vor meiner Zeit.

Was sagt sie? Sie schweigt eine Weile und sagt dann: "Nein, das war nicht vor meiner Zeit." Sie weiß, was Hartz IV bedeutet, sie hat es erlebt, nicht als Politikerin, sondern privat, bei jemandem, den sie gut kennt. Wie es ist, wenn man keine Hose kaufen kann, wenn das Kind seine kaputt gerissen hat und man sagen muss: nächsten Monat vielleicht. Wenn der Kühlschrank kaputtgeht und man noch froh sein muss, wenn es im Winter passiert, weil man die Sachen dann halt auf den Balkon stellt und nur aufpassen muss, dass die Milch nicht einfriert. Eigentlich sollte man was ansparen vom Hartz-IV-Satz, für solche Fälle. Geht aber nicht.

Raphaela Spitaler will nicht die Agenda als Ganzes verteufeln, meint aber, man hätte früher schon überlegen können: Die Lage ist besser, muss man den Leuten wirklich noch so viel zumuten? Die Folgen der Zumutungen erscheinen manchmal auf ihrem Bildschirm: als Enttäuschung, als Hass. Als Stichelei, als alter Slogan, der wieder und wieder durchs Netz geschickt wird: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten." Sie lässt es stehen. Das müsse man aushalten, findet sie.

Diskutieren. Argumentieren. Was sonst?

Zwickau, Bahnhof
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

Zwickau, Bahnhof

DUNKELMÄNNER

Sachsen. Regierung: Schwarz-Rot. Landtagswahlergebnis (2014): 12,4 Prozent SPD.

Noch mal ein Blick auf Johano Strassers Wunschzettel: Selbstständigkeit steht da, Grundsätze, Diskussionsfreude, Mut.

Um den Mut zu finden, lohnt es sich, nach Zwickau zu fahren, nach Sachsen, Nachrichten von dort gingen vor einem Jahr durch die Republik. Es ist ein Ort mit kleiner SPD und dem sachsenüblichen Ausmaß an Rechtsradikalismus. Und einer Heldin, wenn man es so nennen will. Sie will es nicht. Es klingt auch überhaupt nicht so, wenn sie von der Sache spricht.

Pia Findeiß ist Oberbürgermeisterin von Zwickau und wurde von so manchem nicht wegen, sondern trotz ihrer Partei gewählt. Es ist nicht immer schön, aber sie macht ihren Job. Im Herbst 2015 war ihr Job: Flüchtlinge unterbringen. Nicht allzu viele, aber für viele hier: zu viele. Sie lud zur Einwohnerversammlung, "ein bisschen naiv, vielleicht". Unter denen, die kamen, waren Rechte aus dem Kreis und aus dem Erzgebirge, sie hatte nicht damit gerechnet, aber da waren sie, lautstark und aggressiv. So fing es an. Und wurde schlimmer.

Findeiß hat ein politisches Projekt, das sie Stadtspaziergang nennt: Sie geht mit Bürgern durch den Ort, und man spricht über Pläne und Projekte.

Auf YouTube kann man sehen, was auf einem dieser Stadtspaziergänge passiert ist, im vergangenen August. Jemand läuft mit und filmt und beleidigt die Kommunalpolitiker und bedrängt Bürger, es liegt ein offener Hass in der Stimme des Filmenden, der schwer zu ertragen ist, auch durch den YouTube-Filter noch. Die Polizei kam, nahm Personalien, sah sich außerstande, etwas gegen das Filmen zu tun.

Es kamen Angriffe auf Findeiß' Haus, Wände wurden beschmiert, Scheiben eingeschlagen. Findeiß rüstete ein bisschen auf mit Alarmanlage und Ähnlichem, Dinge, die sie nicht mochte, so wie ein friedlicher Mensch sie eigentlich nicht mag. Vor Kurzem tauchte eine Lüge im Netz auf und wurde schnell weiterverbreitet: OB Findeiß habe ein Alkoholproblem. Das habe sie ihren Genossen gestanden.

Pia Findeiß, im Rathaus von Zwickau, findet es bemerkenswert, dass all das passiert, "nur weil man seinen Eid erfüllt".

Sie macht weiter. Ein Schulz hilft da nichts. Doch, ein Schulz könnte in einem helfen. Er redet jetzt immer davon, die Älteren zu qualifizieren, bevor man sie auf Hartz IV zurückwirft.

Findeiß denkt an diejenigen, die müde sind, erschöpft. Die für keine Qualifizierung mehr taugen. Ein subventionierter Job, Gartenarbeit oder so etwas, für den sich die Leute nicht immer wieder neu bewerben müssen. Das wäre die Korrektur an der Agenda 2010, die sie sich wünscht.

Sie hat diesen faktischen Ton, den man von manchen Ex-DDR-Bürgern kennt: So ist es eben. Schau, was du damit machst.

Und jetzt muss sie weg. Sie muss die Enkelin von der Kita abholen, war noch was? Der 1. Mai, Frau Findeiß. Der 1. Mai vor einem Jahr.

Zwickau hat oft bedeutende Redner am 1. Mai, weil die örtliche DGB-Vorsitzende gute Kontakte hat. Voriges Jahr sollte Sigmar Gabriel kommen, wurde krank, stattdessen kam Heiko Maas.

Niemand hatte verhindert, dass 100 Meter vom Kundgebungsort harte Rechtsradikale den 1. Mai begingen. Sie fingen früh an und kamen dann rüber, zur DGB-Kundgebung auf dem Markt. Vielleicht 60 Leute, dunkel gekleidet, Sympathisanten mit dabei.

Die Horde kam näher, brüllend, bedrohlich, und die Polizei war unterbesetzt, weil der große Krawall anderswo erwartet worden war. Sie kam näher, und da war keine Polizei, kein Schutz. Nur Bedrohung, und dann irgendwann eine Kette aus Gewerkschaftern und Gästen, die es schafften, die Bühne einigermaßen abzuriegeln. Maas, der eigentlich einen Rundgang über den Markt machen wollte, wurde dringend davor gewarnt, man brachte ihn weg.

Dunkeldeutschland, in so einem Moment fällt dann doch dieses Wort. Aber jetzt hat sie zu tun, muss sie zur Enkelin, sie muss weg.

Feiergedeck bei Mitgliederehrung, Moers
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

Feiergedeck bei Mitgliederehrung, Moers

KNEIFZANGE

Nordrhein-Westfalen. Regierung: Rot-Grün. Landtagswahlergebnis (2012): 39,1 Prozent SPD.

"Wegen Willy Brandt", sagen die Leute oft, die schon länger bei der SPD sind. "Wegen Schmidt", sagt die Generation danach. "Wegen Schröder" sagt fast niemand, und wenn doch, dann schnell mit dem Zusatz: "Wegen dem Nein zum Irakkrieg".

Schröder ist kein Leitstern geworden, keiner der Großen, auf deren Schultern man sich gern stellt. Ein Bild blieb vielen im Kopf: der Sozialdemokrat Schröder im Brioni-Anzug, kurz nach der Wahl. Es transportierte mehr als die Botschaft: Hier ist einer eitel und freut sich seiner Macht. Das Bild sagte auch: Ich habe es geschafft. Nicht: Wir haben es geschafft.

Ein Parteibuch kann man als Mittel begreifen, um die Welt zu verändern.

Um Karriere zu machen.

Um Wärme zu finden, Gesellschaft, Familiengefühl. In Nordrhein-Westfalen hat diese Haltung besonders lange überlebt, aber mit Kohle und Stahl ist die Selbstverständlichkeit verschwunden, Genosse zu sein. Und vor allem seit der Agenda sind auch hier viele abgewandert - zur Linken, ins Niemandsland oder zur AfD. Wer geblieben ist, wird irgendwann geehrt.

Am 14. Mai ist Wahl, die Umfragen schwanken, unter anderem deswegen nimmt Katarina Barley an einem Frühlingsabend im Rittersaal von Moers die Mitgliederehrung vor.

Barley stammt aus Köln, hat Jura studiert, war Richterin und ist nun die Generalsekretärin einer 154 Jahre alten Partei. An diesem Abend trifft sie auf Menschen, die ein Drittel davon miterlebt haben. Barley sagt, ihr gehe "das Herz auf" bei Ehrungen. Sie möge es, diese alten Geschichten zu hören: wie der Pfarrer von der Kanzel gegen die SPD gepredigt hat. Wie man beim Plakatekleben Steine abkriegte oder die Mistgabel ins Kreuz bekam. Wie man Mut brauchte. Mut wie Pia Findeiß in Sachsen, vielleicht.

Es hat im vergangenen Jahr interne Besprechungen gegeben, in denen es um Emotionen ging, darum, dass die Sozialdemokratie zu wenig Gefühl ausstrahle. Katarina Barley sagt nun: "Ich liebe meine Partei." Sie scheint die Analogie zu mögen. Die Annäherung mancher an die SPD schildert sie als Liebesgeschichte: Verliebtsein, rosa Brille. Die erste Enttäuschung und der Wunsch zu gehen. Tut es nicht, sagt sie jetzt immer den Neumitgliedern. Bleibt.

Ob das wirkt? Die Leute trennen sich heute schnell. Kann man sich vorstellen, dass die Neuen, die wegen Schulz, Europa, Trump, dem Brexit dazugekommen sind, irgendwann in einem Rittersaal stehen und Urkunden für 60 Jahre Mitgliedschaft entgegennehmen wie jetzt eben Jürgen Schmude, der mal in Helmut Schmidts Kabinett Minister für Bildung war? Als Lafontaine ging, der dann der Linken auf die Welt half - da habe er überlegt, ob er mitgehe, sagt einer mit Rotkäppchen-Sektglas in der Hand. Ernsthaft überlegt. Er sagt, über die Jahre sei es oft schwierig geworden, noch jemanden zu finden, der Plakate klebt. Er selbst, sagt er, hätte ein Gabriel-Plakat nicht mit der Kneifzange angefasst. Schulz, ja doch, den klebe er.

Schulz muss liefern, sagt er, der wegen Willy Brandt zur SPD kam. Schulz muss liefern, sagt ein 32-Jähriger, der vor vier Jahren dazukam, "um den Kurs zu korrigieren". Sie träumen davon, die Partei wieder ein bisschen nach links zu schubsen.

Sie fragen sich, wie rosafarben die Brille ist, mit der die SPD auf ihren Kandidaten blickt. Die Unsicherheit ist noch da, ist wieder da. Ja, er muss liefern, sonst - "sonst sind wir schlimmer dran als davor".

SPD-Vordenker Strasser
Barbara Supp/ DER SPIEGEL

SPD-Vordenker Strasser

STREIT

Brandenburg. Regierung: Rot-Rot. Landtagswahlergebnis (2014): 31,9 Prozent SPD.

Der Mann, der den Wunschzettel für eine bessere SPD verfasst hat, ist ein immer noch lockiger Graukopf, 78-jährig; zu finden an einem Regenabend in Potsdam, wohin er gekommen ist, um über Vernunft und "postfaktische" Zeiten zu reden.

Johano Strassers Wünsche an die SPD sind immer wieder unschön mit der Wirklichkeit zusammengeprallt. Man kann sich fragen, was er in dieser Partei noch will. Er grinst in das Pils, das er sich vor dem Vortrag gönnt, lobt das Grundsatzprogramm der SPD und sagt noch, es gebe "genug Leute, die mich gern losgeworden wären. Schon deshalb bin ich noch da".

Strasser war in den Siebzigern stellvertretender Juso-Chef und wollte die SPD einst auf den Weg zum demokratischen Sozialismus führen. Er sitzt seit mehr als 40 Jahren in der "Grundwertekommission beim Parteivorstand", die Willy Brandt 1973 eingerichtet hatte. Sie schreibt Papiere. Zum Beispiel zur "Zukunft der SPD als Volkspartei", worin dann steht: Die SPD befinde sich "seit der Regierungsübernahme 1998 in einer anhaltenden Identitäts- und Vertrauenskrise". Durch die Agenda-Politik seien "Zweifel am Markenkern der SPD" erwachsen. Zeit, etwas dagegen zu tun. Das Papier stammt aus dem Jahr 2010.

Auf seinem Wunschzettel könnte er hinzufügen: eine Parteiführung, die solche Papiere interessiert zur Kenntnis nimmt.

Strasser hat durchgehalten, die ganze Zeit des "neoliberalen Sündenfalls", wie er sagt und den er flugs einordnet in die politischen Zeitläufte: "Der Washington Consensus, der sagt Ihnen was?" Der Washington Consensus fasste die Wirtschaftsprogrammatik der Neunzigerjahre zusammen, wie sie von der Weltbank, dem IWF und dem US-Finanzministerium vertreten wurde: Anzustreben seien Deregulierung, Privatisierung, Angebotspolitik. Die Regierung des Konservativen Kohl war noch nicht so recht auf Kurs. Die des Sozialdemokraten Schröder dann aber schon.

Martin Schulz, sagt Strasser, habe "Erwartungen geweckt".

Und er hat Erwartungen enttäuscht. Die Saarlandwahl ging verloren, die in Schleswig-Holstein auch.

Strasser will nicht alles auf die Länderebene schieben, ein grundsätzliches Manko im SPD-Verhalten sieht er schon: Ängstlichkeit. Die Partei brauche neue Konzepte, neue Ideen, aber sie traue sich nicht. Viel Selbstständigkeit brauche ein Kandidat, der sich dem widersetzen will, was von lähmenden Einflüsterern kommt: "Mach bloß keinen Fehler jetzt." "Machen wir weiter so, war doch ganz gut in der großen Koalition." Was er hofft, ist, dass der Zustrom junger Leute "nicht folgenlos bleibt". Strasser, europäisch denkend und ein bisschen sentimental, sieht sich durch die "Pulse of Europe"-Bewegung an die Brandt-Jahre erinnert. Diese Leute, die für Europa demonstrieren, müsse Schulz doch kriegen. Schulz, sagt Strasser, sei ja ein Mann, "der Demokratie sehr wichtig nimmt".

In seinem Potsdamer Vortrag, zu dem ihn die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hat, streift Strasser Aristoteles, Ferdinand Lasalle und Hannah Arendt und sagt viel Kluges über Vernunft und Politik.

"Sagen Sie nicht ,die Politik'", kritisiert einer in der Diskussion nach dem Vortrag. "Sprechen Sie über die SPD. Was hat sie dazugelernt? Wird sie mich wieder enttäuschen?" Strasser sagt, die SPD habe Fehler gemacht, das ganz sicher. Sie könnte mutiger sein. Eines aber könne er auf jeden Fall versprechen: "eine Menge Streit". Er sieht erfreut dabei aus.


Im Video: "Es lebe die deutsche Republik"
Die SPD ist die älteste deutsche Partei, die es noch gibt. In der ersten Berliner Republik gestaltete sie das Land nach dem Ersten Weltkrieg - ein Rückblick.

ULLSTEIN BILD

LAZARUS

Es war einmal eine Partei, die schien am Boden, geschlagen, zerstört. Dann kam einer und sagte: Steh auf, du bist gar nicht tot. Du bekommst sie, die neue Chance, ich hatte sie ja auch.

Vielleicht ist es diese große Metapher, die über der Wiederbelebung in diesem Frühjahr steht: Kommando Lazarus. Steh auf und wandle. Als wäre eine Partei ein Organismus wie ein Menschenkörper, der tot erscheinen mag, aber wieder erweckt werden kann.

Der Organismus SPD besteht aus einer knappen halben Million Mitgliedern, und natürlich besteht er aus ebenso vielen einzelnen Organismen. Was viele vereint, ist jahrelanger Selbstzweifel: Wer ist das noch mal, die SPD? Es war mal eine Partei, die die Kleinen größer macht und die Großen bändigt. Gilt das noch? Glaubt jemand noch daran?

Die erste Euphorie ist vergangen, der Heiligenschein strahlt nicht mehr. Die Sicht ist klarer. Martin Schulz, der Mann aus Würselen, ist nicht so sehr Motor der Veränderung wie Indikator für den Zustand der Partei. Projektionsfläche, nicht Machtfaktor.

Aber er hat Hoffnungen geweckt, und die bleiben. Auf eine wache SPD. Auf eine, die weiß, wofür sie streitet. Auf die Resozialdemokratisierung der SPD.



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Osservatore 14.05.2017
1. Da wächst nichts
Aus eigener Anschauung weiß ich, dass auf dem sog. "platten Land" oftmals nichts (mehr) wächst. Da klammert die SPD sich an das bisschen Beachtung, das ihr die neoliberal-neokonservativen Machthaber und eingenordeten Medien noch gönnen. Jedoch, mit dem Anbiedern und Wegducken wird die SPD trotzdem nicht als bessere CDU akzeptiert. Da kann sie machen, was sie will. Es ist eben die alte Furcht als "vaterlandslose Gesellen" gebrandtmarkt zu werden. So aber schaufelt sich die SPD ihr eigenes Grab. Echte Opposition gegen die neoliberal-neokonservative Entdemokratisierung und der Einsatz für ein soziales, friedliches und menschenwürdiges Europa wären angesagt. Und das kraftvoll, furchtlos und energisch. Da müsste eben den medialen Wasserträgern von Merkel & Co. auch über den Mund gefahren und Ihnen die Maske ihres Bütteltums heruntergerissen werden, auch und gerade den heuchlerischen, grün angemalten Schwarzen. Mit Zaghaftigkeit wird die SPD nicht mehr aufkommen.
Worldwatch 14.05.2017
2. Martin Schulz:
Ja, vielleicht ein wenig mehr. Voraussetzung aber hierfuer; Mehr an Vernunft und Logik, wie insb. auch Sachverstand, braucht es hingegen vorrangig, und ist dazu -kanzlerisch gesprochen- alternativlos.
localpatriot 14.05.2017
3. Nicht tot, möglicherweise leicht gelähmt.
Wie man sich bei den Kadern der SPD vorstellt verstehe ich nicht. Bei der letzten Wahl brachte man den Herrn Steinbueck in den letzten paar Monaten aufs Parkett. Als Kanzlerkandidat gegen eine Amtsinhaberin mit anerkannter Erfahrung. Dann machte er noch ein Stressschnitzer und die Wahl war erledigt. Dann stellte sich die Mannschaft in den Dienst der Kanzlerin und plötzlich hat man wieder keinen rechten Kandidaten. Per Fallschirm wird dann der Herr Schulz aus Brüssel eingeflogen und die Kanzlerin hat in der Zwischenzeit ihre Position noch einmal gefestigt - alles mit der Hilfe der SPD, aber die Lorbeeren gehen zur Kanzlerin. Eine Strategie für die Wiederwahl der Kanzlerin und möglicherweise dieses mal einem anderen Koalitionspartner. Die Rolle der Opposition ist offen und die SPD sollte es wagen die Nesseln mit fester Hand anzufassen. Wer Kanzlerin wird steht fest. Wer die Oppositionsrolle übernehmen wird ist noch offen. Dass ist die echte Entscheidung bei der nächsten Wahl.
ruhepuls 14.05.2017
4. Nicht tot, aber vielleicht bald...
Die SPD findet einfach keine Nische, in die sie passt und die groß genug für sie ist. Konservativ besetzt die CDU/CSU. Links besetzt die Linke. Liberal findet man bei FDP und grün-liberal-konservativ bei den Grünen. Wo ist da noch Platz für die SPD? Ihre Stammwähler - die "klassischen" Arbeiter - werden immer weniger. Und neue Wähler findet sie nicht genug, weil die mit der typischen "SPD-Ortsverein-Kuschelkneipe" nichts anzufangen wissen.
wynkendewild 14.05.2017
5. Harte Realität
Zitat von OsservatoreAus eigener Anschauung weiß ich, dass auf dem sog. "platten Land" oftmals nichts (mehr) wächst. Da klammert die SPD sich an das bisschen Beachtung, das ihr die neoliberal-neokonservativen Machthaber und eingenordeten Medien noch gönnen. Jedoch, mit dem Anbiedern und Wegducken wird die SPD trotzdem nicht als bessere CDU akzeptiert. Da kann sie machen, was sie will. Es ist eben die alte Furcht als "vaterlandslose Gesellen" gebrandtmarkt zu werden. So aber schaufelt sich die SPD ihr eigenes Grab. Echte Opposition gegen die neoliberal-neokonservative Entdemokratisierung und der Einsatz für ein soziales, friedliches und menschenwürdiges Europa wären angesagt. Und das kraftvoll, furchtlos und energisch. Da müsste eben den medialen Wasserträgern von Merkel & Co. auch über den Mund gefahren und Ihnen die Maske ihres Bütteltums heruntergerissen werden, auch und gerade den heuchlerischen, grün angemalten Schwarzen. Mit Zaghaftigkeit wird die SPD nicht mehr aufkommen.
Europa ist kein in sich geschlossenes Biotop in welchem man Jahrzehnte Zeit hat um es nach belieben umgestalten zu können. Äußere Einflüsse wie auch Veränderungen innerhalb sorgen für einen stetigen Wandel. Das geht nicht mit irgendwelchen Wohlfühlkuschelreformen, die nur darauf abzielen, den deutschen Sozialstaat (welcher mMn komplet europäisiert werden sollte) am Leben erhalten zu wollen. Alleine in der Flüchtlingsfrage, in Fragen der Außen und- Sicherheitspolitik wird man sich der harten Realität stellen müssen. Da gibt es kein freikaufen. Man wird viel eher den Weg beschreiten, den man schon vor Jahren eingeschlagen hat. Das weiß auch die SPD. Wenn deren Wählerschaft indess immer noch irgendwo in den 70er Jahren steckengeblieben ist, dann wird die bis in alle Ewigkeit fluchen. Während die anderen Fakten schaffen. MfG: wynkendewild
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