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24. Februar 2013, 07:59 Uhr

Im neuen SPIEGEL

Jung, gebildet, eloquent: die neuen deutschen Gastarbeiter; Chinas Hacker greifen an; Interview mit dem Literaturnobelpreisträger Mo Yan; 20 Jahre "Anschwellender Bocksgesang"

Von Chefredakteur Georg Mascolo

Liebe Leserin,
lieber Leser,

sie kommen aus Italien, Griechenland, Spanien, so wie ihre Väter und Großväter. Sie suchen Arbeit, eine Zukunft, zu Hause fehlt ihnen die Perspektive. Im Süden Europas beträgt die Jugendarbeitslosigkeit inzwischen oft über 50 Prozent. So hat sich eine neue Generation von Migranten auf den Weg nach Deutschland gemacht: Sie sind jung, gut ausgebildet, mehrsprachig. Es sind genau jene Einwanderer, die Deutschlands Wirtschaft dringend braucht: In den Boom-Regionen Deutschlands werden bereits heute die Fachkräfte knapp. Ein SPIEGEL-Team hat sich aufgemacht, diese neue Generation der Gastarbeiter zu porträtieren.

Chinas Mächtige waren empört, als der SPIEGEL vor sechs Jahren die massenhaften Hacker-Angriffe aus dem Reich der Mitte beschrieb. Opfer waren damals die Bundesregierung und Wirtschaftskonzerne. Inzwischen hat Chinas Cyberwar offenbar riesige Ausmaße angenommen, auch kritische Blätter wie die "New York Times" und das "Wall Street Journal" wurden bereits Opfer. Der SPIEGEL beschreibt in dieser Woche ein neues Kapitel dieses Krieges im Netz: Ministerien, der Rüstungsriese EADS und auch ThyssenKrupp, sie alle wurden in den vergangenen Jahren attackiert. Die Bundesregierung kennt diese Fälle, aber sie schweigt, Protest gibt es kaum: Gute Handelsbeziehungen gehen vor.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der chinesische Schriftsteller Mo Yan den Literatur-Nobelpreis bekommen soll - eine Entscheidung, die sofort umstritten war. Dissidenten protestierten, sie halten Mo Yan für staatsnah. Meine Kollegin Susanne Beyer und mein Kollege Bernhard Zand versuchten über Monate, einen Interviewtermin mit dem Schriftsteller zu bekommen, um ihn mit den Vorwürfen der Dissidenten zu konfrontieren und ihn zu fragen, wie denn der Widerspruch zwischen seinen parteikritischen Büchern und seiner Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei Chinas zu verstehen sei. Doch Mo Yan wollte keine Journalisten empfangen, wehrte auch Anfragen anderer Blätter ab: Außer einer verunglückten Pressekonferenz in Stockholm vor der Preisverleihung war von ihm kaum etwas zu hören. Die SPIEGEL-Leute kontaktierten Freunde von ihm und baten um Vermittlung, fuhren vor seine Wohnanlage, übergaben dem Wachmann ein Schreiben - er legte es auf den Stapel der anderen. Am Montag dieser Woche nun erscheint Mo Yans Buch "Frösche" auf Deutsch, die SPIEGEL-Leute versuchten noch einmal, ihn zu einem Treffen zu bewegen, von einem auf den anderen Tag sagte er zu, blieb aber vorsichtig, er habe nicht viel Zeit. Als mein Kollege Zand ihm dann in einem Teehaus gegenübersaß, wurde es doch ein langes Gespräch, "und es wurde auch sehr persönlich. Es ist ganz offensichtlich, dass ihn die Vorwürfe seiner Schriftstellerkollegen hart treffen", so Zand.

Zum ersten Mal saßen sich mein Kollege Volker Hage und Botho Strauß im Jahr 1980 gegenüber. Der Schriftsteller war damals Mitte dreißig und einer der erfolgreichsten Dramatiker der Republik. Stücke wie "Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle" oder "Groß und klein" standen hoch im Kurs bei Bühnen, Kritikern und beim Publikum. Hage traf den scheuen Dichter, der die Öffentlichkeit bis heute meidet, noch mehrfach. So kam es, dass Strauß vor 20 Jahren seinen legendären Essay "Anschwellender Bocksgesang" im SPIEGEL publizierte - und damit eine erregte Debatte über das Selbstverständnis deutscher Intellektueller nach der Wiedervereinigung provozierte. Jetzt hat mein Kollege Hage noch einmal mit Strauß gesprochen, es ging um die Nachwirkungen des Essays, einen neuen Prosaband und den Hollywood-Star Cate Blanchett, die im vergangenen Jahr mit dem Strauß-Stück "Groß und klein" einen internationalen Erfolg als Theaterschauspielerin hatte.

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Georg Mascolo

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