Im neuen SPIEGEL Die deutsche Erblast; Zypern-Desaster; Kai Diekmann; Karstadt und Berggruen; "Best of SPIEGEL"-E-Books

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Von Chefredakteur Georg Mascolo


Liebe Leserin,
lieber Leser,

der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter", der vergangene Woche im Fernsehen lief und das Schicksal junger Leute im Zweiten Weltkrieg zeigt, hat einen neuen Meilenstein in der Erinnerungskultur der Deutschen gesetzt, findet SPIEGEL-Redakteur Romain Leick. Gleichzeitig begeht die Bundeswehr einen denkwürdigen Jahrestag: Am 2. April 1993 fiel die Entscheidung zum Einsatz in Bosnien, dem ersten Krieg nach 1945, an dem sich deutsche Soldaten wieder aktiv beteiligten. Es folgten 20 Jahre voller militärischer Selbstzweifel und widerwilliger Engagements in Konflikten. Und während die Kriegsgeneration und die Nachgeborenen nun erneut Seelenforschung betreiben, wachsen die internationalen Erwartungen an Deutschland, seiner wirtschaftlichen und politischen Führungsmacht auch militärische Verantwortung folgen zu lassen - wie SPIEGEL-Redakteurin Christiane Hoffmann in ihrer Analyse feststellt.

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Heft 13/2013
Der Krieg und die Deutschen

Der deutschen Erblast und den Herausforderungen der Gegenwart widmet der aktuelle SPIEGEL mehrere Geschichten. So sprach SPIEGEL-Redakteurin Susanne Beyer mit dem Psychoanalytiker Hartmut Radebold über seine Trauma-Studien und seine eigenen Kriegserlebnisse. Radebold erzählte, wie schwer es war, in Deutschland - dem Land der Täter - diese Art Forschung überhaupt durchzusetzen. "Die Verzweiflung und die Angst aber ist da, die alten Leute hierzulande leiden darunter, viele werden depressiv", sagt er. Und SPIEGEL-Reporter Jürgen Dahlkamp erzählt die Geschichte des Gymnasiallehrers Heinz Otto Fausten, der den Krieg vergessen und nur noch nach vorn blicken wollte. Bis sein Sohn kam und wissen wollte, inwieweit sein Vater schuldig geworden war.

Als SPIEGEL-Redakteur Daniel Steinvorth am vergangenen Dienstag auf Zypern ankam, erstaunte ihn die Gelassenheit der Inselbewohner. Von Krisenstimmung und Panikeinkäufen keine Spur. "Wenn uns die Europäer im Stich lassen", sagten sie, "dann springen die Russen für uns ein." Doch nachdem sich Russland am vergangenen Freitag geweigert hatte, einen Milliardenkredit für Zypern zu verlängern, änderte sich die Lage dramatisch. Immer länger wurden die Schlangen vor den Bankautomaten, in Supermärkten und an Tankstellen wurden keine Kreditkarten mehr akzeptiert. "Vor der EZB und dem IWF wollen die Menschen trotzdem nicht einknicken", so Steinvorth. "Viele Zyprer sehnen sich inzwischen regelrecht nach einem Austritt aus der Euro-Zone." Droht Zypern nun der Staatsbankrott? Wenn ja, welche Folgen hätte das für die Zukunft der Europäischen Währungsunion? Der SPIEGEL zieht in dieser Woche erste Lehren aus der Zypern-Krise.

Spätestens seit sich der SPIEGEL vor zwei Jahren in einer Titelgeschichte ("Die Brandstifter") mit den zweifelhaften Methoden der "Bild"-Zeitung beschäftigte, darf das Verhältnis zu deren Chefredakteur Kai Diekmann als belastet bezeichnet werden. Als Diekmann im Sommer vergangenen Jahres ins Silicon Valley zog, um dort nach Antworten auf die Zeitungskrise zu fahnden, schrieb ihm SPIEGEL-Reporter Matthias Geyer eine Mail mit der Bitte, ihn für eine Reportage begleiten zu dürfen. Diekmann ließ sich mit der Entscheidung über ein halbes Jahr Zeit, dann stimmte er zu. Geyer wurde in Kalifornien Zeuge, wie sich ein deutscher Verlag auf der Suche nach neuen Businessmodellen von seinem journalistischen Kerngeschäft verabschiedet. Sein Porträt beschreibt die Verwandlung eines Boulevardjournalisten zum digitalen Nerd.

Der Pressesprecher des Warenhauskonzerns Karstadt wird unter Journalisten als "Presseschweiger" bezeichnet. Das Unternehmen tut alles, damit so wenig Informationen wie möglich nach außen dringen: Mitarbeiter werden zum Schweigen angehalten, Papiere und Zahlen auch intern sehr zurückhaltend weitergegeben, journalistische Anfragen mit der Androhung rechtlicher Schritte beantwortet. Umso bemerkenswerter fand es SPIEGEL-Redakteurin Susanne Amann, dass sich Karstadt-Manager und -Mitarbeiter mit ihr trafen, um über die aktuelle Lage des Konzerns zu berichten, auch in Cafés direkt neben der eigenen Karstadt-Filiale. Sie tun dies aus Sorge - denn die Zahlen zeigen, dass es dem Warenhauskonzern auch zweieinhalb Jahre nach der Übernahme durch den schillernden Investor Nicolas Berggruen nicht gutgeht, die Umsätze liegen deutlich hinter den Planungen zurück. Die Hoffnung, dass Berggruen, der zunächst als Retter gefeiert wurde, zusätzliches Geld in das Unternehmen pumpen wird, haben die meisten von ihnen inzwischen aufgegeben.

Die SPIEGEL-Familie bekommt Zuwachs in Form einer digitalen Buchreihe. Die in den E-Books zusammengestellten Reportagen, Essays und Interviews widmen sich jeweils einem aktuellen Thema und basieren auf Artikeln aus SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE. Den Auftakt machen drei Bände: "Best of SPIEGEL" mit Beiträgen, die 2012 preisgekrönt wurden; "Deutschland, deine Reichen", basierend auf der vierteiligen Titel-Serie; sowie "Gutenbergs neue Galaxis", ein informativer Überblick über Lust und Frust beim Umstieg von Papierbüchern auf E-Reader.

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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Georg Mascolo



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