Im neuen SPIEGEL: Olympia-Massaker von 1972, Kriegsgräuel im syrischen Hula, Kriminalistik unter Wasser - und: die Sprintlegende Usain Bolt

Von Chefredakteur Georg Mascolo

Mascolo Zur Großansicht
DPA

Mascolo

Liebe Leserin, lieber Leser,

an diesem Freitag beginnen in London die Olympischen Spiele. Kampfjets werden den Luftraum über der Stadt kontrollieren, Scharfschützen und Boden-Luft-Raketen werden rund um die Sportstätten in Stellung gebracht. Dass das Sportfest der Nationen heute einer Hochsicherheitszone gleicht, ist auch eine Folge des Anschlags auf die Spiele in München. 40 Jahre liegt das zurück, aber erst heute gelingt es, das wahre Ausmaß des Versagens der deutschen Behörden zu beschreiben. Gunther Latsch und Klaus Wiegrefe haben gemeinsam mit weiteren Kollegen und Mitarbeitern Tausende bislang unbekannte Dokumente auswerten können, darunter geheime Vermerke, Kabinettsprotokolle und Berichte der Ermittlungsbehörden. Wie Schlamperei und Unfähigkeit nach dem Tod der israelischen Sportler vertuscht wurden, ist das Thema der Titelgeschichte, ergänzt wird sie in der Printausgabe durch eine DVD mit einer Dokumentation von SPIEGEL TV.

In der iPad-Ausgabe und auf SPIEGEL ONLINE zeigen wir Interviews mit dem Fechter Dan Alon, der das Attentat überlebt hat, und dem mittlerweile verstorbenen Abu Daud, einem der Planer des Attentats.

Über die Arbeit unseres Auslandsreporters Christoph Reuter, der seit Monaten für uns die Lage in Syrien verfolgt, habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Jetzt ist ihm erneut etwas Außerordentliches gelungen. Reuter war in Hula, jenem Ort, der vor acht Wochen die Schlagzeilen der Weltpresse beherrschte. Bei einem Massaker starben 108 Menschen, darunter 34 Frauen und 49 Kinder. Über den Verlauf gab es bislang drei widersprüchliche Versionen, die des syrischen Regimes, die der Uno-Beobachter und die einzelner Journalisten, die allerdings nicht vom Ort des Geschehens berichten konnten. Reuters Reise führte von Dorf zu Dorf über zum Teil winzige Etappen, bei denen er immer wieder die Autos wechseln und oft stundenlang warten musste, um Checkpoints der syrischen Armee zu umgehen. In Hula hatte Reuter dagegen Zeit, ausführlich mit Zeugen zu sprechen und das Massaker zu rekonstruieren. Reuter fragte, notierte und ließ die zentralen Aussagen der Zeugen auf Video aufzeichnen. Seine Recherchen, so Reuter, "bestätigen den ersten Bericht der Uno-Beobachter: Es waren regimetreue Milizen, die das Massaker vom 25. Mai anrichteten - und nicht die Aufständischen". Der SPIEGEL dokumentiert Christoph Reuters Recherchen im aktuellen Heft; in seiner iPad-Ausgabe und auf SPIEGEL ONLINE finden Sie die Videos der Zeugen.

Ein schönes Beispiel für den großen Unterschied zwischen Augenschein und Wahrheit liefert die Geschichte von Frank Thadeusz über Unterwasserforensik: Thadeusz erfuhr von dem Meeresforscher Sean Kery, wie die Rechtsmedizin vorgeht, wenn ein Unglück oder ein Verbrechen im Wasser passiert. Der Untergang des amerikanischen Kriegsschiffs "USS Maine", berichtet Thadeusz, führte 1898 zum Krieg zwischen Spanien und Amerika. Weil die Stahlplatten in der Bordwand nach innen gebogen waren, glaubten Historiker jahrzehntelang, eine spanische Mine habe das Unglück verursacht. Unterwasserforensiker fanden jedoch heraus, dass der Sog des einschießenden Wassers die Schiffswand nach innen gebogen hat: In Wahrheit führte ein Brand im Kohlebunker der "USS Maine" zur Explosion des benachbarten Munitionsdepots. Mittlerweile können die Forscher sogar den Todeszeitpunkt eines Menschen ziemlich genau angeben, der aus dem Wasser geborgen wurde: Sie entdeckten nämlich, dass sich im toten Gewebe Kieselalgen sammeln. Je mehr Algen gezählt werden, desto länger hat die Leiche im Wasser gelegen.

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt, die Olympischen Spiele von London könnten seine Spiele werden. Alexander Osang hat auf Jamaika versucht, hinter Bolts Geheimnis zu kommen. Er hat Bolts frühere Highschool besucht, und er hat mit der Frau gesprochen, die Bolt einst in Sport unterrichtete. Osang fuhr auch zu jenem Gemischtwarenladen, in dem Bolts Vater getrocknete Rinderfüße, Seife und Geschichten aus dem Leben seines berühmten Sohnes verkauft. Das Heimatdorf, sagt Osang, sei ihm wie ein fröhliches Usain-Bolt-Museum vorgekommen, finanziert mit Sponsorengeldern - eine Kulisse, hinter der einer der größten Sportler unserer Zeit vollkommen verschwinde. "Man reist ans Ende der Welt und findet doch nur die Legende."

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Georg Mascolo

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback


Was ist der digitale SPIEGEL?

Wie kann ich den digitalen SPIEGEL lesen?

Was kostet das?

Warum brauche ich eine SPIEGEL-ID?

Sie können damit: