Im neuen SPIEGEL: Antworten von Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa. Zucker, die Volks- und Kinderdroge. Der Patent-Prozess der Firmen Apple und Samsung.

SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo Zur Großansicht
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SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo

Liebe Leserin,
lieber Leser,

der Auftritt, die Verhaftung und der Prozess der Moskauer Punk-Aktivistinnen von Pussy Riot waren große Ereignisse dieses Jahres. Mit sehr unterschiedlichen Reaktionen, Empfindungen: Empörung bei den russisch-orthodoxen Gläubigen, die ihre Christ-Erlöser-Kathedrale entweiht sahen, Empörung und Zorn jedoch im Westen, über das Strafmaß und über die Härte, die das System des Wladimir Putin an den Tag legte. Sicher, der Text, den die Damen kreischten, war grob und provokant. Aber wie sollen sich junge Menschen in einem autoritären Staat zu Wort melden, wenn alle anderen Wege verstopft sind? Hinzu kommt, dass der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill, stets zu Putin gehalten hat, die Kirche in Russland ist somit kein unpolitischer Ort, sondern Teil des Systems. Was sagen die Frauen von Pussy Riot selbst? Was denken sie heute? Sind sie gebrochen (worden)? Mein Kollege Matthias Schepp, Moskau-Korrespondent des SPIEGEL, nahm dort Kontakt zum Anwalt der Gruppe auf, zu Mark Feigin. Die Kontaktaufnahme war diskret. Feigin willigte ein, für den SPIEGEL Interview-Fragen ins Untersuchungsgefängnis Nr. 6 mitzunehmen, sie dort der Inhaftierten Nadeschda Tolokonnikowa vorzulegen. Lange hörte Schepp nichts mehr von Feigin, bis zum Donnerstag vergangener Woche. Man traf sich in einem verschwiegenen Restaurant in Moskau. Feigin brachte vier Din-A4-Seiten, eng beschrieben, mit blauem Kugelschreiber. Die Antworten der Aktivistin sind berührend, zeugen von Lebensklugheit und lassen ahnen, über Pussy Riot hinaus, was die russische Jugend über das System des Wladimir Putin denkt. Eine Frage lautete etwa, ob sie nicht verantwortungslos gegenüber ihrem vierjährigen Kind gehandelt habe, als sie den Auftritt inszenierte? Antwort von Tolokonnikowa: "Ich kämpfe dafür, dass meine Tochter in einem freien Land aufwächst."

Die radikale Möglichkeit, sagte der Experte, seien Operationen, Magenverkleinerungen, Magenbänder, Bypässe - für all jene Deutschen mit gefährlichem Übergewicht, mehr als zwei Millionen Betroffener. Die zweite Möglichkeit, die SPIEGEL-Redakteurin Samiha Shafy sich erklären ließ, sei hingegen eine politische Maßnahme: Man müsse ungesundes Essen teurer machen. Spürbar teurer. Aber was ist ungesund? Was ist das ungesündeste Essen, die ungesündeste Komponente? Shafy sprach mit Medizinern, interviewte in Adipositas-Kliniken auch Betroffene - auf der Suche nach der Ursache für Adipositas, Fettleibigkeit, die neue Weltkrankheit. Jetzt haben Forscher einen Verdacht: Nicht unbedingt Fett, nicht zu wenig Sport seien die Ursachen, verantwortlich sei ein Stoff namens C12H22O11 - Zucker. Süchtig machend, überall enthalten, scheinbar harmlos: Zucker als Volksdroge. Shafy beschreibt den Kampf gegen ein kleines, kristallines Molekül.

Es war einer der spektakulärsten Patentprozesse: Apple gegen Samsung, der Prozess der Giganten. Apple hatte von Samsung 2,75 Milliarden US-Dollar gefordert, wochenlang wurde im fensterlosen Saal 5080 des Bezirksgerichts von San José verhandelt. Beide Seiten hatten "Platoons" hochbezahlter Juristen aufgestellt. SPIEGEL-Korrespondent Ullrich Fichtner, der gemeinsam mit den Kollegen Alexander Jung, Marcel Rosenbach und Thomas Schulz die Hintergründe beschreibt, war Zeuge, wie die Anwälte die spröde Materie für die Geschworenen in Geschichten verwandelten - in Märchen. "Am Ende siegte Apple - deren Geschichte war offenbar besser", sagt Fichtner. Samsung hat freilich inzwischen noch ein anderes Problem. Die Firma muss sich mit einer neuen Studie auseinandersetzen, die die Zustände in chinesischen Samsung-Fabriken beschreibt. Von "gefährlichen Bedingungen" und "Kinderarbeit", so SPIEGEL-Redakteur Hilmar Schmundt, ist die Rede. Die Studie, erstellt von einer Organisation namens China Labor Watch, wird erst Mitte dieser Woche veröffentlicht, sie lag der Redaktion aber schon vor - im neuen Heft finden Sie die Ergebnisse.

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

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Georg Mascolo

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