Im neuen SPIEGEL: Islamisten in Mali, Gespräch mit Mario Draghi und mit Felix Baumgartner - und: die verklärte Lust aufs Landleben
Liebe Leserin,
liebe Leser,
SPIEGEL-Mitarbeiter Paul Hyacinthe Mben hat zwar in Mannheim studiert, sein Deutsch ist ausgezeichnet - aber seine Heimat wurde Mannheim nicht. Mben ist in Mali geboren, und er hat Bambara als Muttersprache gelernt. Doch diese Reise war eine der seltsamsten, gefährlichsten, die Mben je unternommen hatte - sie führte ihn in sein eigenes Land. Sie führte ihn in den Norden von Mali. Denn Mali ist geteilt, und im Norden, in den Regionen um Timbuktu, regieren Islamisten, dort gilt die Scharia. Frauen müssen den Schleier tragen, und wer des Diebstahls oder des Ehebruchs als überführt gilt, dem wird die Hand abgehackt, der wird gesteinigt. Zweieinhalb Wochen bereiste Mben, der selbst liberaler Muslim ist, das Herz der Finsternis, er schlief, wie er erzählt, nie zwei Nächte hintereinander am selben Ort, und stets war da die Furcht, entführt oder getötet zu werden. Zurück in Bamako umarmte Mben zuerst seine Ehefrau, der er lieber keine Details über seine Reise gesagt hatte; dann trank er sein erstes Bier seit Wochen - im Reich der Islamisten hatte er darauf verzichtet. Dort kann ein Bier den Tod bedeuten.
Im Frankfurter Euro-Tower empfing EZB-Präsident Mario Draghi die SPIEGEL-Redakteure Anne Seith und Michael Sauga - und er hatte sich vorbereitet. Auf seinem Konferenztisch lagen Farbkopien von SPIEGEL-Titeln der vergangenen drei Jahre: Mal war die Euro-Münze von Kugeln durchlöchert, mal schmolz das Geldstück dahin. "Wollen Sie den Euro zerstören?", fragte der Notenbanker. Draghi sei richtig erbost und zornig gewesen, so berichtet es der Kollege Sauga. Den Euro zerstören? Keineswegs, antworteten die Redakteure, der SPIEGEL mache lediglich seinen Job: warnen, berichten. Eineinhalb Stunden stritt man über die jüngsten Maßnahmen der Zentralbank und der Politik, danach war man sich zumindest in einem Punkt einig: Man sollte sich baldmöglichst mal wieder zu einem Gespräch treffen.
Es gab noch einen anderen Termin an diesem Nachmittag, und diesen Termin dürfe man nicht verpassen, diesen Mann dürfe man keineswegs warten lassen - so mahnte die PR-Frau, so berichten es die Kollegen Janko Tietz und Lukas Eberle. Doch Extremsportler Felix Baumgartner, behaglich plaudernd, nahm sich für das Gespräch mit dem SPIEGEL alle Zeit. In New York, in einem Fernsehstudio in Manhattan, trafen Eberle und Tietz jenen Mann, der aus der Stratosphäre auf die Erde gesprungen war, und Baumgartner erzählte ihnen von den klaustrophobischen Attacken, unter denen er gelitten hatte, ausgelöst durch den Raumanzug; er berichtete, wie viele Millionen der Sprung kostete, und er sprach von seinem neuen Leben als vielfacher Rekordhalter. Nach dem Interview musste Baumgartner sich tatsächlich sputen: Jener Mann, den man eigentlich nicht warten lassen durfte, auch für den SPIEGEL nicht, war Ban Ki Moon, Generalsekretär der Uno.
Sein Garten, erzählte der aus der "heute show" bekannte Satiriker Dietmar Wischmeyer, sei ihm gar nicht so wichtig. "Ich brauche nicht den Garten, sondern den Abstand zum Nachbarn." Und deshalb würde er hier, auf dem Land, leben, in einem Dorf in Niedersachsen. SPIEGEL-Redakteure Susanne Amann, Markus Brauck und Alexander Kühn haben den Boom des Landlebens erkundet, einen Boom, der zumindest in Zeitschriften, Fernsehsendungen und der Werbung vorkommt. Während das richtige Land vor die Hunde geht, Dörfer verwaisen, veröden. Wischmeyer erzählte dem SPIEGEL, dass er bald wegziehen wolle aus dem 400-Seelen-Ort, in ein Försterhaus am Wald. "Mir ist hier einfach zu viel los."
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Georg Mascolo
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